Donnerstag, 27. Juni 2019

Widerstand gegen Goldminen Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel mit Vorzeigemine

Widerstand gegen Goldminen: Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel
dapd

3. Teil: Barricks Polit-Lobby - die fragwürdigen Methoden in der Dominikanischen Republik

Und nun der Clou: Barrick schnappte sich die Mine 2006 durch die Übernahme des Rivalen Placer Dome. Damals waren Abgaben progressiv an den Goldpreis gekoppelt. Als er durch die Decke schoss, nutzte Barrick seine politischen Beziehungen; im Verwaltungsrat sitzen Ex-Ministerpräsidenten wie der Kanadier Brian Mulroney, sowie der eng mit Washington vernetzte venezolanische Milliardär Gustavo Cisneros; US-Fonds sind die Hauptaktionäre.

Der damalige dominikanische Präsident Leonel Fernandez paukte im Eilverfahren eine Vertragsänderung für Barrick durch. Das Unternehmen betont, der parlamentarische Prozess sei transparent gewesen. Es gibt allerdings Abgeordnete, die sich öffentlich schämen, der Änderung zugestimmt zu haben, ohne sie zu lesen.

Fernandez, der gerade aus Amt schied, wurde vor wenigen Tagen vom Canadian Council for the Americas als "Staatsmann des Jahres" ausgezeichnet. Barrick mit Sitz in Toronto ist Hauptsponsor des Council. "Der Preis ist auf Ekel erregende Weise unmoralisch", sagt Abréu, "aber auch normal für Politiker, die bereit sind, unser Land zu verramschen."

Dem geänderten Vertrag zufolge muss Barrick 28,75 Prozent seines Minengewinns erst zahlen, wenn die Investitionen zuzüglich einer Rendite von 10 Prozent erwirtschaftet sind. Barrick schreibt die Investitionen beschleunigt ab, so dass zunächst keine Einkommenssteuer fällig ist. Der Vertrag differenziert nicht zwischen Eigenkapital und Kredit, von dem Hebel profitiert der Staat nicht.

Abgeordneter Garcia: "Erniedrigung des dominikanischen Volkes"

Die Konsequenz: In den ersten drei bis vier Jahren muss Barrick nur eine Lizenzgebühr von 3,2 Prozent der Goldproduktion abgeben und kassiert 25 mal mehr als der Staat, dem das Gold gehört und in der Zeit sein Schuldenproblem in den Griff bekommen will.

Der Ertrag aus gefördertem Kupfer Börsen-Chart zeigen, Zink Börsen-Chart zeigen und dem ebenfalls vorhandenen Platin Börsen-Chart zeigen ist im Vertrag teils gar nicht berücksichtigt. Abgeordnete und Wissenschaftler gehen davon aus, dass Barrick darüber hinaus Investitionen aufgebläht hat, um Steuern zu vermeiden. Vorbesitzer Placer Dome hatte 9 Prozent der aktuellen Investitionen veranschlagt, allerdings auch nur 40 Prozent des heute geschätzten Goldvorkommens; Barrick verweist auf gestiegene Löhne.

Der neue Konzernchef Jamie Sokalsky nennt das "schöne" Projekt ein "gutes Beispiel für eine erfolgreiche Low-Cost-Produktion, die einen bedeutenden Beitrag zu unserem Cash-Flow liefern wird". Möglich. Aber nicht ausgemacht. Denn statt im Stillen zu verhandeln, verschärfte Ex-Diplomat Rocha den Konflikt.

Kurz nach seinem Amtsantritt im September bezichtigte die Landesgesellschaft in einer Mitteilung die Parlamentarier, sie würden mit ihrer Absicht, den Vertrag zu revidieren, "ihr Unverständnis in Steuersachen" beweisen; andere Regierungen würden ihn als Modellvertrag loben. Namen dieser Regierungen nannte Barrick auf Anfrage von manager magazin online nicht; Anfragen dieses "Detail-Niveaus" seien unüblich.

Der Abgeordnete Carlos Gabriel Garcia, der den Antrag zur Vertragsrevision im Parlament einbrachte, nennt Barricks Verhalten "präpotent und arrogant" und die Vereinbarung "eine Erniedrigung des dominikanischen Volkes". Die Anfrage von manager magazin online, wie stark eine Revision den Konzern belasten würde, beantwortete Barrick nicht. Sollte, wie nun gefordert, von Beginn an die Hälfte des Gewinns an den Staat gehen, wären das 400 Millionen Dollar pro Jahr allein von Barrick. Die Fiskalreform zulasten der Dominikaner wäre hinfällig, Barricks Erfolgsstory ebenfalls.

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