Montag, 19. August 2019

Widerstand gegen Goldminen Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel mit Vorzeigemine

Widerstand gegen Goldminen: Weltgrößtem Goldkonzern droht Debakel
dapd

2. Teil: Missmanagement - Barrick geht über Leichen

Höhere Abgaben oder Produktionsstopps würden Barrick hunderte Millionen Dollar kosten. Und Aktionäre müssten sich fragen, wie andere Projekte laufen, wenn nicht einmal die nach Plan gestartete Vorzeigemine ihre Versprechen einlöst. Die Geschichte von Pueblo Viejo zeigt, dass die wegen des steigenden Goldpreises scheinbar risikolose Rendite der Goldproduzenten ein Bluff ist.

Barricks Verwaltungsrat wechselte in den vergangenen Monaten das halbe Management aus, den CEO, Finanzvorstand, Landeschefs und Werksleiter, denn die Kostensteigerungen gerieten außer Kontrolle. Die neue Führung stellte die afrikanischen Minen zum Verkauf, stoppte renditeschwächere Projekte - und konzentriert sich voll auf das größte, die Mine Pascua Lama in den Anden, auf den ersten Blick ein ökonomisches Perpetuum Mobile: Da Barrick dort nebenbei auch Silber Börsen-Chart zeigen gewinnen könnte, wären die Kosten der Goldförderung rechnerisch negativ, der Betriebsgewinn pro Unze läge gut 225 Dollar über dem Goldpreis. Doch der Kapitalaufwand steigt und steigt, Mitte des Jahres setzte Barrick die Investitionsschätzung mit einem Schlag um 50 bis 60 Prozent auf gut acht Milliarden Dollar hoch. Produktionsstart ist nun frühestens 2014. Die Lücke muss Pueblo Viejo schließen.

Die Ursache des Desasters: Missmanagement. Barrick wollte die Mine ohne externe Hilfe anlegen. Und scheiterte. Nun soll der US-Dienstleister Flour die Kosten drücken, doch Lieferanten in Argentinien beschweren sich schon heute darüber, bei ihnen bleibe zu wenig Geld hängen. Das Projekt ist in jeder Hinsicht riskant: Die Witterungsbedingungen auf 5000 Metern Höhe forderten unter den Arbeitern dutzende Todesopfer, deren genaue Zahl Barrick auf Anfrage von manager magazin online nicht nannte. Verhandlungen muss Barrick gleich mit zwei Regierungen führen, Argentiniens und Chiles, in deren Grenzgebiet die Mine liegt; wegen eines Steuerstreits ist das binationale Sonderabkommen mit Barrick suspendiert.

Sagenhafte Eigenkapitalrendite

In beiden Ländern wehren sich Anwohner gegen Umweltschäden. In Argentinien stehen Gletscher unter Schutz, und eine Ausnahmeregelung der Provinz, in der Pascua Lama liegt, erklärte der Oberste Gerichtshof im Juli für nichtig. Barrick betont, das Urteil sei folgenlos für die Mine. Mehrere Gletscher auf den Claims verschwanden jedoch während der Bauarbeiten nahezu. Möglich, dass sich die Studien über den Gletscherbestands solange hinauszögern, bis Barrick durch den Produktionsstart vollends Tatsachen geschaffen hat. Sicher ist es nicht. Deshalb muss Pueblo Viejo liefern.

Danach sah es auch lange Zeit aus. Barrick hält an der Mine 60 Prozent und betreibt sie; den Rest hält Goldcorp Börsen-Chart zeigen. Bis zu 3,8 Milliarden Dollar an Investitionen sind geplant, eine Milliarde davon ist durch günstige Kredite, unter anderem der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, finanziert. Derzeit liegt der Goldpreis bei knapp 1800 Dollar. Vorsichtig mit 1600 Dollar pro Unze kalkuliert liegt der Wert der Mine bei 40,5 Milliarden Dollar.

Die Jahresförderung von gut eine Million Unzen liefert den Eignern bei den im branchenvergleich sehr niedrigen Produktionskosten von jeweils rund 300 Dollar einen operativen Gewinn von mehr als 1,3 Milliarden Dollar und vor allem: eine sagenhafte Eigenkapitalrendite von knapp 50 Prozent. Allerdings vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern.

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