Freitag, 20. September 2019

Rhön-Klinikum Fresenius-Deal scheitert spektakulär an Münch

Fresenius-Zentrale in Bad Homburg: Konzernchef Ulf Schneider sind die Risiken für eine Übernahme von Rhön-Klinikum zu groß geworden

Fresenius gibt den Kampf um Rhön-Klinikum auf. Dass der bislang spannendste Übernahmekrimi des Jahres gescheitert ist, liegt vor allem an Rhön-Gründer Eugen Münch. Mit einer Mischung aus Kontrollwahn und Selbstüberschätzung hat er den Klinikbetreiber an den Abgrund geführt.

Hamburg - Die Entscheidung fiel am Mittwoch vergangener Woche - wenige Stunden bevor Fresenius-Chef Ulf Schneider als Teil der deutschen Wirtschaftsdelegation zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Staatsbesuch nach China aufbrach. In einer kurzfristig einberufenen Sitzung machte Schneider seinen Aufsichtsräten klar, dass er keinen zweiten Versuch starten will, die konzerneigenen Helios-Kliniken mit dem im MDax notierten Rhön-Klinikum zu fusionieren.

Die Risiken seien zu groß, der Preis zu hoch. Den formalen Beschluss holte das Kontrollgremium am Wochenende nach, heute morgen hat Rhön-Klinikum nun offiziell das Aus verkündet.

Damit hat der bislang spannendste Übernahmekrimi des Jahres sein abruptes Ende gefunden. Nachdem der erste Versuch Ende Juli gescheitert war, hatte Schneider lange versucht, den Deal mit einem neuen Angebot zu retten, wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Dass er sich nun zurückzieht, liegt im Wesentlichen an der Art und Weise, wie Rhön-Klinikum auf seinen Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch zugeschnitten ist. Der große Verlierer dieses Übernahmekampfs heißt deshalb auch Eugen Münch.

Dabei gehört der Mann ohne Zweifel zu den großen Unternehmerpersönlichkeiten der Republik. Als er Mitte der 70er Jahre sein erstes Krankenhaus eröffnete, gab es in Deutschland nur kommunale und von Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden betriebene Kliniken. Münch war der Erste, der aus staatlichen Zuschussbetrieben privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen machte. Eine Innovation, von der bis heute sowohl Aktionäre als Patienten gleichermaßen profitieren. Dies ist seine unbestrittene Lebensleistung.

Aber wie viele andere große Unternehmenspersönlichkeiten vor ihm ist nun auch der Klinikpionier dabei, sein Aufbauwerk auf den letzten Metern seiner Laufbahn zu ramponieren. Und wie so oft sind auch in seinem Fall eine fatale Mischung aus Kontrollwahn und Selbstüberschätzung der Ausgangspunkt des Dramas.

Konzernführung düpiert

Münch hat versucht, den Krankenhauskonzern auf die gleiche Art und Weise zu verkaufen, wie er ihn zuerst als Vorstandschef und später als Aufsichtsratsvorsitzender stets geführt hat: im Alleingang. Er wollte den Käufer aussuchen, er wollte die Bedingungen diktieren, er wollte bis zur letzten Sekunde die Kontrolle behalten. Dabei hat er auf nichts und niemanden Rücksicht genommen.

Der von ihm selbst eingesetzte Konzernchef Wolfgang Pföhler sollte nach dem Zusammenschluss mit Fresenius weichen und war damit nach Bekanntgabe des ersten Übernahmeangebots mehr oder weniger demontiert. Den übrigen Vorstand und den Aufsichtsrat hat er bei seinen Verkaufsplänen weitgehend ignoriert und damit nachhaltig düpiert. Schlimmer noch: Konkurrenten und Lieferanten fühlten sich durch die Macht des geplanten Klinikgiganten nachhaltig bedroht.

Obwohl Münch lediglich 13 Prozent der Anteile am Rhön-Klinikum kontrolliert, war er sich seiner Sache völlig sicher. Schließlich hatte er die Satzung des Konzerns so konstruiert, dass nichts im Unternehmen ohne seine Zustimmung lief. Grundlegende Entscheidungen wie Übernahmen, Kapitalerhöhungen sowie Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge kann die Hauptversammlung nur mit einer Mehrheit von 90 Prozent absegnen. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass jeder Käufer, der das Unternehmen beherrschen will, mehr als 90 Prozent der Aktien unter seine Kontrolle bringen muss.

Dass die zum Schutz seiner Interessen errichtete Hürde zum Scheitern des Deals führen könnten, den er zusammen mit Fresenius-Chef Ulf Schneider ausgehandelt hatte, davor hatten ihn Investmentbanker und Anwälte von Anfang an gewarnt. Auf die Empfehlung, die strittigen Passagen der Satzung auf der Hauptversammlung im Sommer streichen zu lassen, wollte er nicht hören. Münch war bis zum Schluss nicht bereit, auf Macht und Einfluss verzichten.

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