Signal an die Märkte Siemens beschließt milliardenschweren Aktienrückkauf

Wenn die Lage schlecht ist, die Börse schwächelt und die Zinsen niedrig sind, sorgt man eben selbst für gute Stimmung unter Aktionären: Siemens kauft bis Jahresende eigene Aktien im Wert von drei Milliarden Euro zurück - fremdfinanziert. Die Aktie haussiert.
Von Cornelia Knust
Siemens-Zentrale in München: Der Rückkauf soll nicht über die Cashreserven finanziert werden, sondern über Kredite und Schuldverschreibungen

Siemens-Zentrale in München: Der Rückkauf soll nicht über die Cashreserven finanziert werden, sondern über Kredite und Schuldverschreibungen

Foto: dapd

München - Die Nachricht kam am späten Donnerstagabend. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser teilte in etwa mit, sein Haus werde die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt und den (gesunkenen) Siemens-Aktienkurs nutzen, um ein gutes Geschäft zu machen. Bis Jahresende sollen Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro zurückgekauft werden.

Teilweise werden sogar Aktien eingezogen und das Grundkapital von 914 Millionen auf 881 Millionen herabgesetzt, heißt es in der Mitteilung. Der Rest werde für Mitarbeiter und Manager gebraucht sowie für Inhaber von Wandelschuldverschreibungen. Die Hauptversammlung 2011 hatte eine entsprechende Ermächtigung für einen solchen Aktienrückkauf erteilt.

Weil Siemens  ihrer Meinung nach zu viel Geld in der Kasse hat ("Sie sind doch nicht Dagobert Duck"), hatten Aktionärssprecher immer wieder Sonderausschüttungen oder Aktienrückkäufe gefordert, um stärker am Unternehmenserfolg beteiligt zu werden. Nun verwendet Siemens aber nicht etwa diese Cashreserven zum Rückkauf, sondern Kredite oder Schuldverschreibungen.

Potential für den Kurs

Der seit langem dahindümpelnde Aktienkurs dürfte durch die Maßnahme einen Auftrieb erfahren. Am Freitag im frühen Handel legte die Aktie um mehr als 4 Prozent zu.

Doch das ist angeblich nicht der Grund für den Aktienrückkauf. Siemens wolle bestimmte Kapitalstrukturziele erreichen, wie sie im mehrjährigen Optimierungsprogramm "One Siemens" festgeschrieben seien, heißt es ziemlich vage in der Mitteilung.

Dennoch gibt der Konzern mit seiner Anlageentscheidung ein Signal in den Markt: dass seine Aktie unterbewertet ist und eine sichere Bank. Schon auf der Hauptversammlung im Januar hatte Vorstandschef Peter Löscher Siemens als "Safe haven" gepriesen, wie ihn die Anleger im Schatten der Euro-Krise so händeringend suchen.

Schon im nächsten Jahr können sich die Aktionäre dann über eine weitere Sonderausschüttung freuen, die aber nicht ganz so "safe" daher kommt: Wenn sie auf der Hauptversammlung Anfang 2013 zustimmen, dann wird Siemens ihnen drei Viertel der Lichttochter Osram als Sachdividende schenken.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.