Mittwoch, 23. Oktober 2019

Prognose erhöht Bayer-Chef legt die Messlatte höher

Kann mit dem operativen Geschäft zufrieden sein: Bayer-Chef Dekkers erhöht nach einem starken zweiten Quartal die Jahresprognose

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat nach einem starken zweiten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Die hohe Nachfrage nach Agrarchemikalien und ein schwacher Euro beflügelten das Ergebnis. Sondereinflüsse drückten den Nettogewinn aber um mehr als ein Drittel.

Frankfurt am Main - Bayer lässt sich von der Euroschuldenkrise nicht aus dem Tritt bringen und hebt nach einem überraschend starken zweiten Quartal seine Jahresziele an. Kräftige Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln der Sparte CropScience in Nordamerika und viel Rückenwind durch einen schwachen Euro trieben die Geschäfte an.

Zudem half der Gesundheitssparte HealthCare eine hohe Nachfrage in vielen Schwellenländern. Die Wachstumsdynamik sei ungebrochen, teilte der Leverkusener Konzern für die Monate April bis Juni mit. Ein Wermutstropfen waren hohe Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in den USA. Sie ließen den Quartalsüberschuss deutlich schrumpfen.

An der Börse sorgte Bayer mit seinem Zahlenwerk für gute Stimmung. Mit einem Kursplus von zeitweilig 3,7 Prozent zählte die Bayer-Aktie am Dienstag zu den stärksten im Dax. Damit markierte sie zugleich den höchsten Stand seit Januar 2008.

"Nach dem guten Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2012 - insbesondere bei CropScience und HealthCare - sind wir auch für die zweite Jahreshälfte zuversichtlich", sagte Konzernchef Marijn Dekkers. Der Bayer-Chef steuert nun 2012 einen Umsatzanstieg von 4 bis 5 Prozent auf 39 bis 40 Milliarden Euro an - bereinigt um Währungseffekte sowie Firmenkäufe und -verkäufe.

Seinen um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn will Bayer jetzt im oberen einstelligen Prozentbereich erhöhen. Bislang hatte Dekkers einen rund dreiprozentigen Zuwachs des Jahresumsatzes auf etwa 37 Milliarden Euro und einen leichten Anstieg des bereinigten operativen Gewinns in Aussicht gestellt.

Vergleiche in den USA drücken Nettergebnis

Im Zeitraum April bis Juni setzte Bayer 10,18 Milliarden Euro um und damit 10 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der bereinigte operative Gewinn nahm um 6,7 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro zu. Analysten hatten weniger erwartet.

Jedoch verbuchte Bayer allein 496 Millionen Euro an Rückstellungen für Prozesse in den USA im Zusammenhang mit den Pillen Yasmin und Yaz. In den USA beschäftigt die Auseinandersetzung um Gefahren von Drospirenon-haltigen Antibaby-Pillen, zu denen auch die Bayer-Präparate gehören, schon seit Jahren die Gerichte. Bis Mitte Juli schloss Bayer bereits mit 1877 Klägerinnen Vergleiche für 402,6 Millionen Dollar. Außerplanmäßige Abschreibungen und Kosten für Sparschritte ließen darüber hinaus den Konzerngewinn um mehr als ein Drittel auf 494 Millionen Euro schrumpfen.

In der Gesundheitsparte HealthCare nahm der bereinigte operative Gewinn um 8 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro zu. Der Quartalsumsatz der Sparte, zu der neben dem Pharmageschäft auch die Tiermedizin und das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien wie Aspirin gehört, nahm um 10 Prozent zu. "Zu dieser Entwicklung hat insbesondere das erfreuliche Geschäft in den Wachstumsmärkten beigetragen", sagte Dekkers. Im Pharmageschäft erzielte Bayer Zuwächse in Nordamerika und in China, während die Umsätze in Westeuropa zurückgingen.

Bayer traut inzwischen vier neueren Präparaten aus seiner Pharmasparte Blockbuster-Status zu, also Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro. Dekkers will den Konzern wieder in die Top Ten der größten Pharmakonzerne führen. Dabei baut er unter anderem auf das Thrombose-Mitel Xarelto, das einmal einen Spitzenumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr erreichen soll. Im abgelaufenen Quartal kam Xarelto auf 68 Millionen Euro Umsatz nach 19 Millionen Euro vor Jahresfrist.

Agrarsparte liefert Rekordquartal ab

Das Glanzlicht im zweiten Jahresviertel war die Agrarchemiesparte CropScience. Sie steigerte ihren bereinigten operativen Gewinn um 16,6 Prozent auf 549 Millionen Euro. Die Anbausaison in der Nordhalbkugel lief für den Konzern rund, insbesondere in Nordamerika.

Agrarchemie-Produzenten profitieren momentan von den hohen Preisen für Agrarrohstoffe, denn diese veranlassen Landwirte, mehr in Pflanzenschutzmittel zu investieren. So waren die Preise für Soja, Weizen und Mais allein seit Anfang Juni um 30 bis 50 Prozent nach oben geschossen. Die USA leiden derzeit unter der schlimmsten Dürre seit 1956. Auch die Pflanzenschutz-Konkurrenz hatte zuletzt mit starken Zahlen aufgewartet. So kletterte der Halbjahresumsatz des Schweizer Rivalen Syngenta um 7 Prozent.

Im Kunststoffgeschäft MaterialScience verhalfen Bayer höhere Preise, Einsparungen sowie Währungseinflüsse zu einem 3,5-prozentigen Zuwachs des bereinigten operativen Gewinns auf 385 Millionen Euro. Dagegen drückten höhere Rohstoffkosten auf das Ergebnis. Bayer ist unter anderem Branchenprimus im Geschäft mit Hartschaum-Rohstoffen (MDI) und Polycarbonaten.

rei/rtr

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