Montag, 23. September 2019

Gaselieferant Linde wird noch "unkaputtbarer"

Gas-Zylinder von Linde: Unternehmen auf Wachstumskurs

5. Teil: Nicht alles läuft rund

Aktuelles Beispiel für die Verknüpfung des Gase- und Anlagenbaugeschäfts ist eine Vereinbarung mit Tata Steel. Linde wird den indischen Stahlkonzern künftig nicht nur mit Industriegasen beliefern, sondern an dessen Standort im Industriekomplex im ostindischen Bundesstaat Odisha zwei große Luft-Zerlegungsanlagen errichten.

Ein ähnliches Projekt vereinbarten die Münchener erst im April mit der arabischen Sadara Petrochemical Company, einem Joint Venture der Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) und dem US-Chemiegiganten Dow Chemical. Den Sadara-Produktionsstandort im saudi-arabischen Jubail wird Linde künftig nicht nur mit Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Ammoniak versorgen. Vorgesehen ist auch der von Linde projektierte Bau von Anlagen zur Produktion dieser Stoffe.

Es sind solche Aufträge, die zugleich zeigen, wie global der Konzern inzwischen aufgestellt ist. Mit den besonders überschuldeten Krisenländern Portugal, Italien, Spanien und Griechenland erwirtschaftet Linde nur rund 4 Prozent der Konzernumsätze. Die größten Zuwächse stammen indes allen voran aus China, Indien und dem Nahen Osten. Die Geschäfte liefen im ersten Halbjahr so gut, dass Reitzle und Co. ihre mittelfristigen Ziele, vier Milliarden Euro Gewinn, angehoben haben und diese nun bereits im kommenden Jahr statt 2014 erreichen wollen.

Flecken in der Bilanz

Bei so viel Zuversicht verblassen die kleinen Flecken in der Bilanz beinahe. So gilt zwar das interne Effizienzprogramm HPO als Erfolg, die Integration vor allem der IT-Strukturen der Konzerntöchter gilt aber weiterhin als offene Flanke. Ein Problem, dass durch die Übernahme von Lincare eher an Bedeutung gewinnen dürfte.

Darüber hinaus geht es im von Linde definierten Wachsumsfeld Gesundheit zwar voran. Im zweiten Wachstumsfeld Umwelt und Energie macht allerdings vor allem die Wette des Konzerns auf wasserstoffbetriebene Automobile kaum Fortschritte.

Und schließlich ist da noch das Textilreinigungsgeschäft, mit dessen Aufbau Reitzle 2006 zeitgleich mit der Übernahme des Konkurrenten BOC begann. Auf umweltfreundlicher Kohlesäurebasis wollte der Konzern unter der Marke "Fred Butler" eine Kette umweltschonender Textilreinigungen etablieren. Doch das Geschäft lief schlecht. So entschied sich der Konzern im vergangenen Jahr, sich von der ungeliebten Tochter zu trennen. Und zwar auf eher unüblichem Wege - ganz still und leise.

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