Montag, 16. September 2019

Gaselieferant Linde wird noch "unkaputtbarer"

Gas-Zylinder von Linde: Unternehmen auf Wachstumskurs

4. Teil: Anlagebau und Gasegeschäft ergänzen sich

Nachdem dies geglückt war, setzte Reitzle auf eigene Faust zum Sprung an die Weltspitze an, indem er 2006 die britische Brins Oxygen Company (BOC) übernahm. Inklusive Schulden und Pensionszahlungen summierte sich der Preis der Übernahme auf rund 15 Milliarden Euro. Und doch lieferte Reitzle den Beweis, dass solche Milliarden-Merger - anders als im Falle BMWs - glücken können.

Vor allem beim Schuldenabbau machte der Konzern schnell Fortschritte - vor allem durch den Verkauf der Gabelstaplersparte Kion kurz nach der Übernahme von BOC. In den folgenden Jahren ging es rasant weiter. Ende 2011 lagen die Nettoverbindlichkeiten noch bei knapp 5,1 Milliarden Euro. Wobei die Nettoverschuldung nur noch dem 1,6-fachen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) entsprach. Im Jahr 2006 - kurz nach der Übernahme von BOC - lag dieser Wert noch bei 4,8.

Die Zukäufe des kontinentaleuropäischen Homecare-Geschäftes von Air Products und der Lincare-Kauf dürften diese Quote allerdings erheblich in die Höhe treiben. Analysten sehen dies allerdings gelassen.

Der Konzern hat die Verschuldung im Griff

"Die Verschuldungssituation hat sich in den vergangenen Jahren weiter stabilisiert", sagt Christoph Schöndube von Independent Research. Das Verhältnis aus Nettoverschuldung und Ebitda dürfte zwar durch die Übernahmen ansteigen, allerdings weiterhin innerhalb der vom Unternehmen als Rahmen definierten Werte 2 und 3 liegen.

Auch Equinet-Analystin Nadeshda Demidova, sieht in der nun wieder höheren Verschuldung des Konzerns kein grundsätzliches Problem. Für das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda rechnet sie durch die Übernahme mit einem mittelfristig Wert von weniger als 2,5. Zudem erlaube der starke operative Cash-flow, der bei 17 bis 18 Prozent vom Umsatz liege, ein schnelles "Abtragen" der Schulden.

Wichtig sei darüber hinaus die Anfang Juli durchgeführte Eigenkapitalerhöhung um gut 1,4 Milliarden Euro gewesen. "Diese Maßnahme war notwendig, um das aktuelle Kreditrating beizubehalten", sagt Demidova. Denn dieses sei unter anderem bei der Vergabe von Engineering-Projekten von zentraler Bedeutung.

Die Bedeutung des Anlagenbaus, mit dem Linde rund ein Fünftel der Konzernumsätzen erwirtschaftet, betont auch Heiko Feber, Analyst beim Bankhaus Lampe. "Die Synergien zwischen dem Engeneering- und dem Gasegeschäft werden inzwischen immer sichtbarer", sagt der Analyst.

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