Weltweiter Preiseinbruch Für Stahlkocher wird es brenzlig

Die Stahlbranche leidet unter einem weltweiten Preiseinbruch und der schwachen Konjunktur in Südeuropa. Marktführer ArcelorMittal will offenbar erheblich Kosten sparen, ThyssenKrupp denkt an Kurzarbeit. KlöCo drohen höhere Kreditzinsen, und Salzgitter stehen Verluste ins Haus.
Stahlkocher am Werk: Die Branche leidet am Konjunkturrückgang

Stahlkocher am Werk: Die Branche leidet am Konjunkturrückgang

Foto: dapd

Hamburg - Die Lage der Stahlindustrie trübt sich immer weiter ein. Auf nahezu allen Märkten weltweit seien im Juni die Preise eingebrochen, teilte das britische Marktforschungsinstitut MEPS am Mittwoch in Sheffield mit. Die Unternehmen denken inzwischen über harte Konsequenzen nach.

Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal  will Presseberichten zufolge bei seiner Verwaltung in Europa drastisch sparen. ArcelorMittal wollte am Mittwoch die Berichte der belgischen Zeitungen "L'Echo" und "De Tijd" nicht kommentieren, wonach das Unternehmen die administrativen Kosten um ein Viertel drücken will. Jede dritte Stelle könnte wegfallen, hatten die Blätter unter Berufung auf Arbeitnehmervertreter geschrieben.

"Wir haben für den 11. Juli zu einem regelmäßigen europäischen Betriebsratstreffen eingeladen, auf dem wir auch einen Überblick über Flachstahl Europa geben werden", sagte der Sprecher von ArcelorMittal auf Anfrage. Bis dahin werde es keine Informationen geben.

Südeuropa belastet

ArcelorMittal leidet besonders unter der Wirtschaftsschwäche in Südeuropa. Als Reaktion hat der Konzern derzeit 7 seiner 25 europäischen Hochöfen abgeschaltet.

Auch die deutschen Stahlunternehmen können sich der schwachen Entwicklung nicht entziehen. ThyssenKrupp  etwa will den Anfang des Jahres stillgelegten Hochofen 9 in Duisburg - einer von vier an dem Standort - in diesem Jahr nicht wieder anfahren.

Zudem wird der Konzern wegen der schwachen Nachfrage in seinem europäischen Stahlgeschäft möglicherweise Kurzarbeit einführen. Dies werde derzeit zusammen mit dem Betriebsrat geprüft, sagte ein Sprecher am Dienstag. An welchen Standorten es ab wann Kurzarbeit geben könne, sei offen. Zum Auslastungsgrad der Hochöfen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) zufolge könnten bereits im August erste Anlagen betroffen sein. Der deutsche Branchenzweite Salzgitter  plant nach eigenen Angaben derzeit keine Kurzarbeit, musste aber in der vergangenen Woche seine Prognose fürs Stahlgeschäft kassieren und erwartet nun in diesem Jahr einen Verlust in seiner wichtigsten Sparte.

KlöCo drohen höhere Kreditzinsen

Derweil senkte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Stahlhandelskonzerns Klöckner & Co. (KlöCo)  wegen der schwachen Aussichten. KlöCo drohen nun höhere Zinsen bei neuen Krediten. Die Ratingagentur senkte ihre Einschätzung für die MDax-Gesellschaft um eine Stufe auf "Ba3". Schon zuvor hatte KlöCo keinen Investmentstatus. Die Ratingagentur sieht in dem Unternehmen also eine spekulative Anlage.

Mit der Abstufung reagierte Moody's nach eigenen Angaben auf die anhaltend geringe Profitabilität des Unternehmens und die schwachen Aussichten auf dem Stahlmarkt. Zudem bemängelte die Ratingagentur die nach den Übernahmen von Macsteel in den USA und Frefer in Brasilien gestiegene Verschuldung.

Den Ausblick setzten die Experten aber auf stabil. Die Gefahr einer weiteren Abstufung ist also gering. Zur Begründung verwies Moody's auf die relativ hohe Liquidität von KlöCo sowie die eingeleiteten Einsparungen.

Voestalpine tritt auf die Bremse

Auch der österreichische Stahlkonzern Voestalpine tritt im Stahlgeschäft auf die Bremse. In seinem klassischen Stahlgeschäft., das rund ein Drittel der Erlöse ausmacht, wolle Voestalpine "nicht mehr in zusätzliche Kapazitäten investieren", sagte Konzernchef Wolfgang Eder in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" in dieser Woche. "Hier geht es uns künftig vor allem um Technologie und Qualitätsverbesserung im vorhandenen Geschäft."

Investieren und möglicherweise auch zukaufen wolle Voestalpine in den übrigen Geschäftsbereichen, in denen der Konzern Stahl zu Produkten unter anderem für die Auto-, Maschinenbau- und Bauindustrie weiterverarbeitet. "Wir werden vor allem in den klassischen Wachstumsmärkten der Schwellenländer expandieren - in Südostasien einschließlich China, in Südamerika, vor allem Brasilien, und in einzelnen Nischenbereichen durchaus auch in den USA", sagte Eder.

Die Aktionäre von Voestalpine sollen sich in diesem Jahr mit einer unveränderten Dividende von 80 Cent begnügen. Eder stellte höhere Ausschüttungen in Zukunft in Aussicht, sollte sich die Konjunktur in den nächsten zwei Jahren nicht noch weiter verschlechtern.

cr/dpa-afx/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.