Nervenkrieg um Rhön Klinikum Asklepios torpediert Milliardendeal von Fresenius

Die geplante milliardenschwere Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius droht am Konkurrenten Asklepios zu scheitern. Asklepios hat sich 5 Prozent der Aktien gesichert - das Ziel von Fresenius-Chef Ulf Schneider, 90 Prozent der Rhön-Anteile einzusammeln, wird damit kaum noch erreichbar sein.
Rhön-Klinikum AG: 90 Prozent der Anteile hat Fresenius angestrebt - doch nun hält Konkurrent Asklepios mit seinem Einstieg dagegen

Rhön-Klinikum AG: 90 Prozent der Anteile hat Fresenius angestrebt - doch nun hält Konkurrent Asklepios mit seinem Einstieg dagegen

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Der Hamburger Klinikbetreiber kaufte sich kurz vor Ablauf der Übernahmefrist überraschend mit gut 5 Prozent bei Rhön ein und macht Fresenius damit vorerst einen Strich durch die Rechnung.

"Wir sind ein langfristig orientiertes Familienunternehmen, und wir wollen uns bei Rhön-Klinikum alle Gestaltungsmöglichkeiten offen halten", sagte ein Asklepios-Sprecher am Mittwoch. An der Börse brachen die im MDax notierten Aktien von Rhön-Klinkum (Kurswerte anzeigen) so stark ein wie noch nie, auch die im Dax notierten Titel von Fresenius (Kurswerte anzeigen) gaben deutlich nach.

Fresenius wollte am Mittwoch bis Mitternacht mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln, damit die 3,1 Milliarden Euro schwere Übernahme gelingt. Diese Hürde hat sich Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorgesehen ist.

Dass dieses Ziel nach dem Asklepios-Einstieg noch zu schaffen ist, ist nach Einschätzung von Experten sehr unwahrscheinlich.

Privatkliniken: Asklepios, Rhön und Helios streiten um Marktanteile

Asklepios, Rhön und die Fresenius-Tochter Helios sind die größten privaten Klinikbetreiber in Deutschland - durch einen Zusammenschluss von Rhön und Helios würde ein unangefochtener Marktführer entstehen. In der Krankenhausbranche wurde deshalb seit langem spekuliert, ob die Rivalen Asklepios oder Sana die Übernahme verhindern, indem sie bei Rhön einsteigen.

Wie viele Rhön-Aktionäre ihre Papiere verkauft haben und ob die Übernahme gelingt, wird vermutlich frühestens am Freitag bekanntgegeben. "Wir werden abwarten, wie das Ergebnis ausfällt", sagte ein Fresenius-Sprecher. "Bislang haben wir von niemandem einen Hinweis erhalten, dass er ein Gegenangebot vorlegen oder den Deal blockieren will."

Investoren gehen inzwischen davon aus, dass die Übernahme scheitert. Die Rhön-Aktie brach nach der Mitteilung zeitweise um rund 15 Prozent ein.

Auch Branchenexperten halten es für unwahrscheinlich, dass der Deal noch gelingt. "Asklepios hat die Aktien sicher nicht gekauft, um sie für 22,50 Euro an Fresenius weiterzuverkaufen", sagte ein Insider.

Asklepios investiert Millionen - und nimmt Millionenverluste in Kauf

Asklepios hat für den Einstieg bei Rhön-Klinikum Schätzungen zufolge etwa 150 Millionen Euro auf den Tisch gelegt - und durch den Kurseinbruch alleine am Mittwoch rund 20 Millionen Euro verloren. Dies sei für Asklepios-Eigentümer Bernard Broermann jedoch vermutlich einfacher wegzustecken, als in den nächsten Jahren stets mit einem übermächtigen Rivalen Helios-Rhön konkurrieren zu müssen, sagte ein Branchenvertreter.

Im vergangenen Jahr habe es zwischen allen vier großen Krankenhausbetreibern in Deutschland Gespräche über mögliche Zusammenschlüsse gegeben, sagten mehrere Insider. Ihrer Ansicht nach will Asklepios mit dem Vorstoß verhindern, dass Fresenius und Rhön voranschreiten und Nägel mit Köpfen machen. Dadurch seien in der Zukunft weiter alle Kombinationen denkbar.

Schlappe für Hedgefonds - Verluste auch für Paulson

Der Vorstand von Rhön-Klinikum hat seinen Aktionären eine Annahme des Fresenius-Angebots empfohlen und wurde vom Einstieg von Asklepios Unternehmenskreisen zufolge überrascht. Auch Fresenius wurde offenbar auf dem falschen Fuß erwischt. Bis Dienstag hätte der Konzern laut Angebotsunterlagen die Annahmequote von 90 Prozent als Bedingung für ein Gelingen der Übernahme noch senken können. Am Mittwoch war dies nicht mehr möglich.

Wird die Schwelle von 90 Prozent verfehlt, ist die größte Übernahme am deutschen Klinikmarkt definitiv gescheitert. Damit droht auch zahlreichen Hedgefonds eine empfindliche Schlappe. Bekannte Investoren wie John Paulson, der mit seinen Wetten gegen US-Ramsch-Hypotheken Milliarden verdiente, waren zuletzt bei Rhön eingestiegen und wollten die Aktien mit einem kleinen Gewinn an Fresenius weiterreichen. Der Kurs-Einbruch am Mittwoch dürfte ihnen nun deutliche Verluste einbrocken.

Wie es nach einem Platzen der Fusion im deutschen Krankenhausmarkt weitergehen wird, steht in den Sternen. Rhön-Gründer und Großaktionär Eugen Münch hat bereits angekündigt, andersartige Zusammenschlüsse auszuloten, falls der Verkauf an Fresenius scheitern sollte.

von Andreas Kröner und Frank Siebelt, Reuters
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