Börsengang Evonik-Eigner zaudern weiter

Dass der Chemiekonzern Evonik in zwei Wochen an die Börse geht, wird immer unwahrscheinlicher. Die Eigentümer haben weder die Preisspanne noch das Volumen festgelegt. Offenbar sehen mögliche Investoren den Wert des Unternehmens anders als die Eigner. Jetzt sollen weitere Gespräche folgen.
Bereits zweimal verschoben: Die Evonik-Eigner würden den angekündigten Börsengang vermutlich auch ein drittes Mal verschieben

Bereits zweimal verschoben: Die Evonik-Eigner würden den angekündigten Börsengang vermutlich auch ein drittes Mal verschieben

Foto: Franz-Peter Tschauner/ picture-alliance/ dpa

Essen - Der Haupteigner des Essener Chemiekonzerns Evonik vertagt wegen der nervösen Märkte die Entscheidung über den geplanten Börsengang. Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirke eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden, teilte das Kuratorium der RAG-Stiftung, am späten Sonntagabend nach einer Telefonkonferenz mit.

Die Stiftung hält 74,99 Prozent an Evonik, die übrigen Anteile liegen bei dem Finanzinvestor CVC Capital Partners. Der Börsengang war in der Vergangenheit bereits zwei Mal wegen der Finanzkrise verschoben worden.

Eine angemessene Bewertung der Evonik und Transaktionssicherheit müssten gesichert sein; anderenfalls werde der Börsengang abgebrochen, hieß es in der Mitteilung. Das Kuratorium habe beschlossen, in dieser Woche weitere Gespräche mit Investoren zu führen. Noch im Juni solle eine fundierte Entscheidung über den möglichen Schritt an den Kapitalmarkt fallen.

Es wäre bei dem kolportierten Umfang von einem Drittel der Anteile und rund fünf Milliarden Euro angepeiltem Erlös der größte deutsche Börsengang seit über zehn Jahren. Aus Finanzkreisen waren in den vergangenen Wochen angesichts der angespannten Märkte aber auch Zweifel an einer entsprechend hohen Bewertung geäußert worden.

Staat müsste Steuergeld nachschießen

Die Erlöse des Evonik-Börsengangs sollen im wesentlichen nicht in das Unternehmen fließen, sondern zur Abdeckung der sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohle-Bergbaus genutzt werden.

Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten. Bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück, müsste der Staat Steuergeld nachschießen. Das Kuratorium ist stark politisch beeinflusst. Mitglieder sind unter anderem die Bundesminister Philipp Rösler (FDP/Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (CDU/Finanzen) sowie die Ministerpräsidentinnen von NRW und des Saarlandes, Hannelore Kraft (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Wenn das Kuratorium Grünes Licht gegeben hätte, hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Evonik-Prospekt laut Stiftungskreisen noch Anfang der Woche freigegeben. Am 25. Juni sollte die Aktie nach unbestätigten Berichten das erste Mal gehandelt werden. Dieser Termin wird sich nun aller Voraussicht nach verzögern.

Evonik gilt als möglicher Dax-Kandidat

Evonik gilt mit einem Umsatz von 14,5 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) von 2,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr als lukratives Investment und Kandidat für den Dax. Anleihen des Unternehmens stießen in der Vergangenheit am Kapitalmarkt auf große Nachfrage.

Von den Eigentümern gab es zu Spekulationen über Umfang und Erlös des Börsengangs keinen Kommentar. Ein Sprecher der RAG-Stiftung sagte vor dem Wochenende nur, die Situation an den Börsen werde weiter "sehr aufmerksam" beobachtet.

Am Wochenende war die Euro-Krise mit der Anmeldung von Hilfsbedarf in Milliardenhöhe für die spanischen Banken weitergegangen. Mögliche weitere Krisenimpulse befürchten Finanzmanager, wenn am 17. Juni die Wahl in Griechenland zu einem Austritt des Landes aus der Eurozone führen sollte.

rei/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.