Dienstag, 26. Mai 2020

Air Berlin Das Kreuz mit dem Drehkreuz

Flugzeuge von Air Berlin auf dem Flughafen Tegel: Eine Task Force soll alles koordinieren.

Air Berlin steht heute vor einer unruhigen Hauptversammlung. Die Fluglinie ist chronisch klamm, die verpatzte Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens trifft sie härter als andere. Und in den nächsten Monaten kommen noch größere Probleme auf Air Berlin zu.

Hamburg - Das Jahr 2012 hatte eigentlich so gut begonnen. Höherer Umsatz, gesteigerte Auslastung, besseres Nettoergebnis - und die Aussicht auf mehr Passagiere dank Oneworld-Allianz und dem arabischen Partner Etihad Airways. In den Flugzeugen der zweitgrößten deutschen Airline verteilten die Stewardessen bereits Currywürste, um die Fluggäste auf den Start des neuen Großstadtflughafens einzustimmen.

Dann der Schock. Die Eröffnung des neuen Flughafens, des neuen Hubs von Air Berlin Börsen-Chart zeigen, verzögert sich um fast ein Jahr auf März 2013. "Das wird nicht ganz billig", sagte Air-Berlin-Chef Mehdorn bei der Präsentation der Quartalszahlen, nur wenige Tage nachdem er von der Hiobsbotschaft erfahren hatte.

"Wir wurden von der Verschiebung der Inbetriebnahme völlig überrascht", sagte Mehdorn. Welche Umsatzeinbußen damit für seine Fluggesellschaft verbunden sind, wollte er ebenso wenig beziffern wie die möglichen Zusatzkosten. "Das ist eine ganz lange Liste, das tragen wir jetzt zusammen."

Wir - das ist vor allem die "Task Force Tegel", die Mehdorn schon in der ersten Nacht nach Bekanntwerden des verschobenen Eröffnungstermins eingesetzt hat. 85 Mitarbeiter aus allen betroffenen Bereichen des Unternehmens sind seither damit befasst, den Schaden erstens zu begrenzen und zweitens zu beziffern. Wann sie ein Ergebnis präsentieren, ist bis zur heutigen Hauptversammlung offen. "Es gibt keinen bestimmten Termin, an dem die gesamten Mehrkosten final ermittelt sind", teilt eine Sprecherin der Fluggesellschaft mit.

33 Prozent Marktanteil in Berlin

Klar ist nur, dass die entstehenden Kosten gerade für Air Berlin im Vergleich zur Konkurrenz erheblich sein werden. Denn die Airline hat allein in Berlin einen Marktanteil von 33 Prozent. Abgesehen davon ist sie die einzige Fluggesellschaft, die Berlin als Drehkreuz nutzt. Rund 7,9 Millionen Gäste hat Air Berlin im vergangenen Jahr über den Flughafen Berlin Tegel gelotst. Der Anteil der Umsteiger betrug allein im vergangenen Sommer bis zu 23 Prozent.

Täglich starten von Tegel aus nach Angaben Mehdorns jetzt 110 statt 70 Jets am Tag. Darüber dürfte durch die Kooperationspartner Oneworld und Etihad die Anzahl der Umsteiger weiter wachsen. Um dies abzufangen, stockt Air Berlin vor allem personell kräftig auf. Duty Traffic Manager sollen Verkehrsstaus, Queue-Manager Menschenschlangen auflösen. Zusätzlich geschultes Schalter- und Servicepersonal soll verwirrte Passagiere umsorgen. Unterstützt werden sie von Mitarbeitern mit arabischen Sprachkenntnissen für die Gäste von Air Berlins größtem Anteilseigner und Kooperationspartner: Etihad.

Da vor allem in den Morgenstunden mit großem Passagieraufkommen gerechnet wird und der Berliner Senat eine Ausweitung der Öffnungszeiten nicht genehmigt hat, werden darüber hinaus zusätzliche Kofferträger und Sicherheitsleute eingestellt. Und selbst am noch nicht in Betrieb befindlichen neuen Hauptstadtflughafen BER arbeitet seit dieser Woche ein Air Berlin-Team im neu eingerichteten Hub-Control Center, das eigentlich alle Prozesse des Hub-Flughafens vom geplanten neuen Standort aus betreuen sollte.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung