Mittwoch, 27. Mai 2020

Weniger Staatsaufträge Strabag bekommt Schuldenkrise zu spüren

Strabag-Bauarbeiter: Der Bauboom in Polen steht vor dem Ende

Der Baukonzern Strabag hat seine Verluste im ersten Quartal ausgeweitet. Der Sparzwang der Länder aufrund der Euro-Schuldenkrise vermasselt den Österreichern das Geschäft. Dennoch hält das Unternehmen an seiner Prognose fest.

Wien - Für das laufende Jahr geht das Unternehmen weiterhin von einem operativen Gewinn (Ebit) von über 300 Millionen Euro aus, wie Strabag mitteilte. Das ist zwar weniger als die 335 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dennoch sei die Prognose angesichts des schwierigen Baumarkts durch die Schuldenkrise "mehr als ehrgeizig", bekräftigte der Konzern.

"In den vergangenen Wochen hat sich bestätigt, dass wir bei unserer Einschätzung des Geschäftsverlaufes 2012 sehr umsichtig vorgehen müssen", sagte Firmenchef Hans Peter Haselsteiner. An der Börse verlor die Strabag-Aktie Börsen-Chart zeigen daraufhin knapp 2 Prozent an Wert.

Strabag ist eine der größten Baufirmen in Europa und in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn aktiv. Zu schaffen macht der Firma zum einen der Sparzwang von Bund und Ländern durch die Schuldenkrise: Dadurch gibt es weniger Aufträge für den Bau neuer Straßen. Zudem steht der Bauboom in Polen, von dem die österreichische Firma in den vergangenen Jahren profitiert hatte, vor einem Ende: Auch dort hat der Staat einen Großteil seines Baubudgets bereits verplant.

Gute Geschäfte in Deutschland

Trotz der schwierigen Lage konnte Strabag zu Jahresbeginn zwei neue Großaufträge an Land ziehen: Die Firma baut für eine Milliarde Euro eine Autobahn für die Umfahrung von Mailand und über die deutsche Tochter Züblin für rund 320 Millionen Euro Teile des neuen Bahnhofs "Stuttgart 21" - unter anderem die Eingangshalle.

Der Auftragsbestand stieg daher um 3 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig weitete sich der Betriebsverlust (Ebit) im traditionell schwachen ersten Quartal um 13 Prozent auf 165 Millionen Euro aus.

Während die Aussichten im Straßenbau durch die Schuldenkrise und einem Preiskampf zwischen den Baukonzernen weiterhin mau sind, macht der Hoch- und Ingenieurbau im Kernmarkt Deutschland dem Unternehmen mehr Freude. Hier ist der Konzern nicht von öffentlichen Aufträgen, sondern von privaten Geldgebern abhängig und erwartet ein "solides Geschäft". Insgesamt entfällt mehr als die Hälfte der Bauleistung auf Deutschland und Österreich - etwa 30 Prozent des Geschäfts macht Strabag in Osteuropa.

Auch die Konkurrenz hat teilweise durchwachsene Bilanzen vorgelegt: Deutschlands größter Baukonzern Hochtief Börsen-Chart zeigen schrieb im Auftaktquartal Verluste, weil Pannen bei zwei Großprojekten der australischen Tochter Leighton die Bilanz verhagelten. Der kleinere deutsche Konkurrent Bilfinger Berger Börsen-Chart zeigen, der stark auf das nicht so schwankungsanfällige Dienstleistungsgeschäft setzt, schrieb im ersten Quartal Gewinn und erwartet für das Gesamtjahr steigende Erträge.

mg/rtr

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