Mittwoch, 27. Mai 2020

Trotz Bauboom Warum Hochtief und Bilfinger nicht vom Heimatmarkt profitieren

Deutsche Bauwirtschaft: Lahme Wachstumsbremse schaltet auf Turbo
dapd

2. Teil: Österreicher sind die Baukönige in Deutschland

Das Bilfinger Börsen-Chart zeigen in Deutschland Gefängnisse betreibt und in Großbritannien Polizeiquartiere baut und verwaltet, passt in dieses neue Selbstverständnis. Die Kehrseite der Medaille: Das Geschäft mit Straßen- und Brückenbau und vor allem mit Großprojekten wie Bahnhöfen und Flughäfen machen mittlerweile immer öfter andere. Darunter große Player wie die niederländische BAM-Gruppe mit ihrer Tochter Wayss & Freytag oder der französische Gigant Vinci Börsen-Chart zeigen mit den deutschen Töchtern Eurovia und SKE.

Die größte Bauleistung in Deutschland wird inzwischen allerdings unter österreichischer Flagge erbracht: von der Wiener Strabag AG Börsen-Chart zeigen. Der Konzern, der heute seine wie erwartet schwachen Quartalszahlen vorgelegt hat, kann sich derzeit zumindest auf eines verlassen: sein Deutschlandgeschäft. Dabei zehren die Österreicher vor allem von zahlreichen kleinen und großen Übernahmen, die sie in den vergangenen Jahren auf dem deutschen Markt getätigt haben.

Die wichtigsten Meilensteine legte Strabag-Vormann Hans Peter Haselsteiner dabei bereits im Jahr 2005 durch den Teilkauf der insolventen Walter-Bau-Gruppe und dem damit verknüpften Einstieg beim Stuttgarter Bauunternehmen Züblin. 2006 schluckten die Österreicher dann das mittelständische Bauunternehmen Preusse aus Braunschweig. Im darauf folgenden Jahr kamen das Bauunternehmen Alpen aus Schleswig-Holstein und Wettern aus Köln dazu. 2008 folgte die Immobilientochter der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen - DeTeImmobilien. Im selben Jahr schlug Strabag bei den zwei Straßenbauunternehmen F. Kirchhoff und Kirchner zu. Und erst 2011 übernahmen die Österreicher das Bremer Unternehmen Behmann Feuerfestbau und das Cuxhavener Wasserbauunternehmen Ludwig Voss.

Strabag hat Bilfinger und Hochtief auf die Plätze verwiesen

Kurzum, während Hochtief Börsen-Chart zeigen heute weniger als 10 Prozent seiner Geschäfte in Deutschland und nur 4 Prozent im deutschen Baugeschäft erwirtschaftet, und während Bilfinger nur noch ein Fünftel seiner Umsätze am Bau erwirtschaftet, hat Strabag sich gezielt für die großen Bauprojekte im Nachbarland positioniert.

Längst hat Strabag die deutsche Konkurrenz auf die Plätze verwiesen. 2010 lag die Bauleistung des Konzerns in der Bundesrepublik bei gut 5 Milliarden Euro. Bilfinger brachte es auf 3,3 Milliarden, Hochtief auf 1,8 Milliarden.

Die Perle im Portfolio der Österreicher ist allen voran die deutsche Tochter Züblin, an der Strabag mit 53,6 Prozent beteiligt ist. Erst in der vergangenen Woche vermeldeten die Stuttgarter einen Auftragsrekord. Ein Grund dafür ist der Auftrag für das Bahnprojekt "Stuttgart 21" - ein lukratives Heimspiel auf Champions-League-Niveau.

Rund 300 Millionen Euro erhält Züblin unter anderem für die Errichtung der Bahnhofshalle und der zwei Zufahrtstunnel. Insgesamt hat sich der Auftragseingang der Züblin-Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als 38 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro erhöht. Der Auftragsbestand wuchs um rund 22 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro - der höchste Wert der Konzerngeschichte.

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