Montag, 24. Juni 2019

Coty-Milliardäre Familie Reimann, Warren Buffett und der nächste große Deal

Avon an der New Yorker Börse: Coty wollte ursprünglich den Konzern übernehmen, zog das Angebot jedoch zurück - und hat neue Pläne

Nach der geplatzen Übernahme des Kosmetikspezialisten Avon bastelt die deutsche Milliardärsfamilie Reimann nun an einem Alternativplan. Neben einem Börsengang des Parfumkonzerns Coty sondiert sie weitere Akquisitionen. Coty-Chairman Bart Becht gewährt manager magazin nähere Einblicke.

Hamburg - Jahrelang agierte die Familie Reimann völlig im Verborgenen. Über die Erben des Ludwigshafener Chemiefabrikanten Ludwig Reimann war lediglich bekannt, dass sie der Rhein-Neckar-Region entstammen und über ein Milliardenvermögen verfügen.

Ihr Geld steckt in drei prosperierenden Unternehmen: dem Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser ("Calgon", "Durex"), dem Parfumhersteller Coty ("Astor", "Calvin Klein") sowie der Luxusholding Labelux ("Bally, "Bellstaff").

Im März machte die Familie plötzlich mit einem spektakulären Plan auf sich aufmerksam. Über ihr Parfumunternehmen Coty wollten sie den wesentlich größeren New Yorker Kosmetikkonzern Avon übernehmen. Als Co-Investoren holten sie sogar Warren Buffett mit ins Boot. Der Deal scheiterte, weil das Avon-Management sich quer stellte.

Doch nun arbeitet die Familie bereits am nächsten Milliardengeschäft. Ein großer Report in der aktuellen Printausgabe des manager magazins (erschienen am 25. Mai) beleuchtet erstmals die Familie, ihre Strukturen und Geschäftsstrategien.

Milliardenschwere Kriegskasse

Als nächstes wollen die Reimanns Coty an die Börse bringen. "Das Unternehmen hat sich sehr gut entwickelt", erklärt Coty-Chairman Bart Becht. Bereits in der Vergangenheit habe man sich immer wieder mit der Möglichkeit eines Börsenganges auseinander gesetzt. "Nun, da wir Avon nicht mehr im Blick haben, werden wir uns erneut mit dem Thema auseinander setzen." Angesichts des komplizierten Verfahrens der Börsennotierung in den USA werde sich das Projekt jedoch mindestens neun Monate hinziehen.

Doch der Gang aufs Parkett wäre nur ein erster Schritt. Denn die Reimanns füllen ihre Kriegskasse auf, um weitere Akquisitionen tätigen zu können. Anfang Mai haben sie bereits ein 5-Prozent-Paket ihrer Reckitt Benckiser-Aktien verkauft - für rund 1,5 Milliarden Euro. Der Coty-Börsengang könnte zusätzliche 800 Millionen Euro einspielen.

Gegenüber manager magazin bestätigte Becht, man suche "weiterhin nach Kaufoptionen in der Konsumgüterbranche." Diese sieht er beispielsweise in der Schönheitsindustrie, die "sehr zersplittert" sei.

Das bedeutet: Nach dem gescheiterten Plan, Avon zu kaufen, könnte die Familie Reimann schon bald den nächsten Kosmetikkonzern ins Visier nehmen. Und das mit prominenter Unterstützung.

Coty-Chairman Becht will ausdrücklich nicht ausschließen, dass Warren Buffett auch beim nächsten Deal mitmacht.

Coty-Eigentümer: Millardärfamilie Reimann hat Deutschland verlassen

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