Samstag, 18. Januar 2020

ArcelorMittal Die Erzmacht des Stahlbarons

Lakshmi Mittal: Konsequent auf Stahl gesetzt
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Lakshmi Mittal: Konsequent auf Stahl gesetzt

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal ist noch im Krisenmodus. Zufrieden können die Aktionäre, die sich in Luxemburg versammeln, nicht sein. Aber der Riese zeigt auch, wie ein Debakel nach Art des deutschen Wettbewerbers ThyssenKrupp zu vermeiden ist.

Hamburg - Bald werden sie wohl Nachbarn sein, an der Bucht von Sepetiba nahe Rio de Janeiro. ArcelorMittal bewirbt sich seit März gemeinsam mit dem brasilianischen Stahlkonzern Usiminas um den Bau eines neuen Erzterminals im Hafen von Itaguaí - in Blickweite zu dem Gelände, wo ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen für sein neues Stahlwerk komplett mit Hafen und Kokerei Milliarden im Mangrovensumpf versenkt hat.

Für die Essener ist der brasilianische Standort das Sinnbild für alles, was im Konzern schief läuft, was das manager magazin im aktuellen Titel als "Morbus Krupp" beschreibt: Die aus dem Ruder gelaufenen Kosten der kapitalintensiven Stahlproduktion behindern das Wachstum der zweiten, ThyssenKrupp eigentlich lieberen Konzernsparte Technologies um Anlagenbau und Aufzüge.

ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen dagegen setzt so konsequent auf Stahl, dass der Konzern sein Wachstum in dessen Vorprodukten Eisenerz und Kokskohle sieht - daher der Hafen zur besseren Anbindung der eigenen Bergwerke im Hinterland.

Wenn ArcelorMittal-Chef Lakshmi Mittal seinen an diesem Dienstag in Luxemburg versammelten Coaktionären Erfolge präsentieren kann, dann geht es zumeist um die Bergbauaktivitäten des Konzerns. Vor Tagen verkündete ArcelorMittal Ergebnisse einer geologischen Studie, der zufolge die bestehenden Minen in Kanada bis zu 30 Millionen Tonnen Erz im Jahr liefern könnten.

Stahlkrise kostet Mittal seinen Spitzenplatz im Milliardärsranking

Zusammen mit neuen Projekten wie in der kanadischen Arktis oder in Liberia peilt der Konzern 100 Millionen Tonnen bis 2015 an. Bereits jetzt nennt sich ArcelorMittal mit 54 Millionen Tonnen viertgrößter Erzproduzent, gleich hinter den allmächtigen Rohstoffgiganten Vale Börsen-Chart zeigen, BHP Billiton Börsen-Chart zeigen und Rio Tinto Börsen-Chart zeigen. Etwa die Hälfte des eigenen Bedarfs wird damit gedeckt, ein Teil an andere verkauft. Auch die acht Millionen Tonnen hauseigene Kokskohle stellen bereits eine Marktmacht dar; selbst die Ruhrkohle hat in Mittals Rohstoffstrategie einen Platz, wie die Übernahme der Kokerei Prosper in Bottrop von der RAG zeigt.

"Das Wachstum der Eisenerzproduktion sollte den Gewinnen Unterstützung bieten", loben die Analysten von der Investmentbank Nomura. Im Vergleich zu anderen europäischen Stahlherstellern, die unter fallenden Preisen für ihre eigenen Produkte bei gleichzeitig hohen Rohstoffkosten leiden, treffe ArcelorMittal wenigstens der zweite Punkt nicht so hart. Genau wegen dieser Kosten sagt Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel den deutschen Wettbewerbern Salzgitter Börsen-Chart zeigen und ThyssenKrupp weitere Verluste in den für kommende Woche geplanten Quartalsberichten voraus.

Allerdings geht die Stahlkrise, die ThyssenKrupp neben den eigenen Managementfehlern belastet, auch am Branchenführer nicht vorbei. Selbst die Chinesen haben ihr scheinbar unaufhaltsames Wachstum der Stahlproduktion im vergangenen Sommer wegen der schwachen Nachfrage gestoppt und wenden sich wie im Fall von Wuhan Iron & Steel jetzt völlig anderen Aktivitäten wie der Schweinezucht zu.

ArcelorMittal verbuchte im Schlussquartal 2011 mit genau einer Milliarde Dollar Verlust das schlechteste Ergebnis in zwei Jahren. Der Sturz des Aktienkurses kostete Lakshmi Mittal im vergangenen Jahr laut US-Magazin "Forbes" 10 Milliarden Dollar, den weltgrößten Vermögensverlust, und brachte ihn um seinen Platz unter den Top Ten im Milliardärsranking, wiewohl er immer noch die Nummer eins in Großbritannien ist.

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