Sonntag, 5. April 2020

Schwing Chinesen kaufen nächsten Pumpenspezialisten

Betonmischer der Schwing-Marke Stetter: Chinas XCMG wird neuer Mehrheitseigentümer

Die beiden größten deutschen Betonpumpenhersteller kommen in chinesische Hände: Nach der Übernahme von Marktführer Putzmeister durch Sany bekommt nun auch die westfälische Schwing-Gruppe einen neuen Eigentümer aus dem Reich der Mitte.

Herne - Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) steigt als Mehrheitseigner bei dem Familienunternehmen Schwing ein, wie die beiden Firmen am Donnerstag mitteilten. Die deutschen Standorte in Herne und Memmigen mit rund 1000 Mitarbeitern blieben für die nächsten fünf Jahre bestehen, betonte Geschäftsführer Gerhard Schwing. Er und das Management seien weiter verantwortlich für den Betrieb, den sein Vater 1934 gegründet hatte. "Wir behalten ein Höchstmaß an Eigenständigkeit", sagte Schwing.

Welchen Anteil zu welchem Preis die Chinesen nun konkret kauften, wollte er nicht sagen. Über Details sei Stillschweigen vereinbart worden.

Mit Hilfe des finanzstarken Konzerns aus China will die Schwing-Gruppe, die weltweit rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt, nach drei harten Jahren wieder auf Wachstumskurs gehen. Die Firma hatte 2009 und 2010 kräftige Umsatzeinbrüche verkraften müssen. 2011 seien die Erlöse wieder um eine zweistellige Prozentzahl gestiegen und die Firma sei profitabel gewesen, berichtete ein Insider. Geschäftsführer Schwing beziffere den Konzernumsatz 2011 auf knapp 500 Millionen Euro.

"Wir sind auf Partnersuche gegangen und es hat sich schnell gezeigt, dass XCMG unser Wunschpartner ist", sagte Schwing-COO Achim Schröder in einer Telefonkonferenz. Die Partnerschaft stoße für Schwing, im Ausland bereits in Brasilien, Indien und USA Marktführer bei Betonbaumaschinen, die Tür nach Asien auf. XCMG, Chinas größter Baumaschinenhersteller, fasse dafür Fuß in Europa. "Der Zusammenschluss ermöglicht zwei Marktführern, sich hinsichtlich geografischer Marktabdeckung und Angebot perfekt zu ergänzen", erläuterte XCMG-Chef Wang Min die Gründe für die Partnerschaft.

China-Einkaufswelle in Deutschland

Schwing ist auf Betonbaumaschinen wie Pumpen, Mischmaschinen, Fahrmischer und Recyclinganlagen spezialisiert und verkauft diese weltweit. Betonpumpen von Schwing sind zum Beispiel beim Bau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main und des One World Trade Centers in New York im Einsatz. XCMG vertreibt Baumaschinen wie Lkw, Krane, Straßenbau- und Erdbewegungsgeräte. "Der asiatische Markt bietet das global größte Wachstum für Schwing", beschrieb Gerhard Schwing die Perspektiven, die sich durch die Kooperation ergeben.

Auch Putzmeister, der vor wenigen Wochen in Chinas Sany einen neuen Eigentümer fand, will in neue Dimensionen vorstoßen und in den Schwellenländern expandieren. Die Liste chinesischer Investitionen in Deutschland wird jedenfalls immer länger. Im Januar stieg der Solarriese LDK Solar bei der Firma Sunways aus Konstanz ein. Erst in der vergangenen Woche kündigte Lingyun die Übernahme des Autozulieferers Kiekert aus Heiligenhaus bei Düsseldorf an. Kiekert ist der weltgrößte Hersteller von Pkw-Türschlössern.

kst/rtr

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung