Freitag, 19. April 2019

Teures Kerosin Fluglinien kämpfen um jeden Tropfen Sprit

Spritalternative: Fluglinien hoffen auf die magische Nuss
DPA

Fluggesellschaften sind vom Öl abhängig, der steigende Rohstoffpreis erschwert das Geschäft. Airlines versuchen deshalb alles, um Treibstoff einzusparen. Biokerosin könnte die Abhängigkeit vom Öl verringern helfen.

Hamburg - Die Luftfahrtbranche ächzt unter dem hohen Ölpreis. Nach Angaben des Branchenverbandes IATA haben die Airlines im vergangenen Jahr rund 176 Milliarden Dollar für Kerosin gezahlt. Im Schnitt waren das etwa 30 Prozent der operativen Kosten der Unternehmen. Insgesamt musste die Airlines 37 Milliarden Dollar mehr zahlen als im Jahr 2010 - und rund viermal so viel wie noch 2003.

Die Kosten für den Treibstoff sind längst zu einem entscheidenden Faktor für das Überleben der Fluglininien geworden: "Die Ausgaben für Kerosin betragen bei einzelnen Airlines bis zu 60 Prozent der operativen Kosten. Der steigende Ölpreis tut da natürlich weh", sagt Christian Lambertus von der Unternehmensberatung Aviationexperts. Betroffen davon ist auch Deutschlands größte Luftfahrtfirma Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Im Jahr 2011 gab das Unternehmen bereits rund 6,3 Milliarden Euro für Kerosin aus. Im Jahr davor waren es noch fünf Milliarden Euro - und das, obwohl die Lufthansa wie andere Airlines auch seit vielen Jahren sogenanntes Hedging betreibt: Sicherungsgeschäfte mit Optionen auf Rohöl, die mögliche Preisanstiege des Rohstoffs Öl dämpfen. Und seit Oktober 2009 noch viel mehr unternimmt - hausintern Programm "Fuel Efficiency" genannt -, um die eskalierenden Spritpreise irgendwie im Griff zu behalten. Dennoch wird das Problem für die Lufthansa immer größer: Schon für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen Ausgaben von 7,5 Milliarden Euro für Treibstoff, sagt eine Lufthansa-Sprecherin.

Kerosin einzusparen ist deshalb eine der größten Herausforderungen der Branche. Besonders Unternehmen aus Ländern mit einem hohen Lohnniveau treiben die Entwicklung voran: "Airlines mit hohen Arbeitskosten haben zusätzlichen Druck, Treibstoff einzusparen, um diesen Wettbewerbsnachteil zu verringern", sagt Unternehmensberater Lambertus.

Flieger im Mehrfrontenkampf

Den Kampf um jeden Tropfen Treibstoff führen die Unternehmen gleich an mehreren Fronten. Eine davon ist das Gewicht: Denn je leichter das Flugzeug, desto weniger Treibstoff braucht es.

Entsprechend erfinderisch sind die Unternehmen in Sachen Gewichtsreduzierung. So lassen viele Airlines mittlerweile auf Langstrecken die Decken für die Passagiere weg oder haben zumindest die Zahl reduziert. Der Grund: Nach Erfahrungswerten wollen nie alle Passagiere eine Decke. Auch die Bordtoiletten wurden auf Effizienz getrimmt: Seither fliegen die Maschinen mit einem geringeren Wasser-Reservoir, das besser an den tatsächlichen Verbrauch angepasst ist. Auch sind die Airlines dazu übergegangen, den Container mit Zeitschriften für die Passagiere außerhalb der Maschine zu lassen.

Die Sparstrategie betrifft auch den Duty-Free Verkauf. Viele Airlines gehen dazu über, die Produkte wie Uhren oder Parfums aus den Maschinen zu verbannen. Kunden können während des Flugs ein Produkt kaufen. Die Ware erhalten sie dann aber erst am Zielflughafen, oder sie wird direkt nach Hause versandt.

Eine weitere Maßnahme betrifft das Catering. Statt Tabletts nutzen manche Airlines bereits jetzt Pappkartons, wenn das Essen serviert wird. Eine japanische Airline führte Besteck ein, das wenige Gramm leichter war als die alten Löffel und Gabeln. Dass einzelne Unternehmen sogar das Kabinenpersonal in regelmäßigen Abständen auf die Waage bitten, ist bislang allerdings nur ein unbestätigtes Gerücht.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung