Spartenverkauf K+S konzentriert sich aufs Kerngeschäft

K+S rechnet im laufenden Jahr wegen des milden Winters mit weniger Gewinn. Anleger kaufen die Papiere dennoch: Der Düngemittel- und Salzhersteller will eine Sparte abstoßen - und das womöglich schneller als geplant.
K+S-Werk am Niederrhein: Das Unternehmen hebt die Dividende an trotz gesunkenen Gewinns

K+S-Werk am Niederrhein: Das Unternehmen hebt die Dividende an trotz gesunkenen Gewinns

Foto: obs / K+S

Frankfurt am Main - Wegen des milden Winters sei das Geschäft mit Auftausalz ungewöhnlich schwach verlaufen und werde hinter dem Wert des Vorjahres zurückbleiben, sagte Konzernchef Norbert Steiner. Für 2012 rechnet der für seine zurückhaltenden Prognosen bekannte K+S-Chef mit stabilen Umsätzen und einem moderaten Gewinnrückgang, nachdem er im November noch einen stabilen Gewinn in Aussicht gestellt hatte. "Gleichwohl bestehen gute Chancen auf eine mindestens stabile Dividende für das Geschäftsjahr 2012", sagte Steiner.

Besonders dank der hohen Düngemittelnachfrage der Landwirte in den ersten drei Quartalen kletterte das operative Ergebnis (Ebit I) im abgelaufenen Jahr um 37 Prozent auf 976 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, der bereinigte Überschuss um die Hälfte auf 674 Millionen Euro. Mit beiden Kennzahlen schnitt K+S besser ab als von Analysten erwartet. "Trotz der allgemeinen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise in Europa ist es uns gelungen, im abgelaufenen Geschäftsjahr das bislang zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte zu erzielen", sagte Steiner.

Für das vergangene Jahr sollen die K+S-Aktionäre 1,30 Euro je Anteilsschein erhalten nach einem Euro im Vorjahr. Die Papiere waren am Donnerstag mit einem Plus von 5,6 Prozent größter Gewinner im Leitindex Dax .

Im wichtigsten Geschäftsfeld mit Kalidüngemittel spürte K+S Ende 2011, dass sich Landwirte und Zwischenhändler wegen der unklaren Wirtschaftsaussichten mit Bestellungen zurückhielten. Auch die K+S-Konkurrenten Potash, Uralkali, Mosaic und Agrium hatten Ende 2011 und Anfang 2012 eine rückläufige Nachfrage verzeichnet.

Nitrogen soll verkauft werden

Branchenführer Potash aus Kanada hat bis Ende März sogar die Produktion in zwei seiner Bergwerke gestoppt, um Überkapazitäten und fallende Preise zu verhindern. Alle großen nordamerikanischen Hersteller gehen jedoch davon aus, dass die Düngemittelnachfrage im zweiten Quartal zum Start der Anbausaison wieder anzieht. Die Preise für Weizen, Mais und andere Agrarprodukte sind seit Sommer 2011 zwar leicht zurückgegangen, befinden sich aber weiter auf einem hohen Niveau. "Das derzeitige Preisniveau für Agrarrohstoffe bietet attraktive Einkommensperspektiven für Landwirte und sollte in den für K+S relevanten Absatzregionen zu einer guten Nachfrageentwicklung bei unseren Düngemitteln führen", sagte Steiner.

Der K+S-Chef geht davon aus, dass der Absatz von Kali-Düngemittel 2012 weltweit minimal zurückgeht auf rund 58 Millionen Tonnen, K+S werde wie im Vorjahr rund 6,9 Millionen Tonnen absetzen. Mit steigenden Umsätzen auf Konzernebene rechnet Steiner allerdings erst im nächsten Jahr. Sofern des Auftausalzgeschäft normal laufe, seien dann auch ein moderater Gewinnanstieg sowie eine höhere Dividende zu erwarten, stellte Steiner in Aussicht.

Das margenschwache Geschäft mit Stickstoffdüngemitteln stellt K+S derweil zur Disposition. "Hinsichtlich der Zukunft der K+S Nitrogen prüfen wir derzeit alle Optionen", sagte Steiner. Das Unternehmen aus Kassel ist noch bis Ende 2014 verpflichtet, Stickstoffdüngemittel von BASF zu beziehen. Der Chemieriese hatte allerdings im September 2011 angekündigt, den größten Teil dieser Geschäfte an den russischen Hersteller EuroChem zu verkaufen, der an K+S beteiligt ist.

Branchenkenner spekulieren deshalb, dass K+S die Vertriebsaktivitäten schon früher an EuroChem verkaufen könnte. "Es wäre zu begrüßen, wenn K+S das Stickstoffdüngemittelgeschäft schon vor 2014 an EuroChem abtreten könnte, da der Bereich die Gewinnmarge des Konzerns verwässert", sagte DZ-Bank-Analyst Heinz Müller. K+S-Chef Steiner betonte, der Konzern wolle Managementressourcen und finanzielle Mittel künftig verstärkt für die zwei Kerngeschäftsfelder Kalidüngemittel und Salz einsetzen.

ts/rtr

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