Außerordentliche HV Q-Cells-Chef verteidigt Restrukturierung

Die Gläubiger sollen 95 Prozent der Aktien erhalten: Mit diesem radikalen Schritt will sich Q-Cells der Insolvenz entziehen. Doch die Papiere rangieren auf Penny-Stock-Niveau. Eine Trendwende in der Solarbranche sieht Q-Cells-Chef Nedim Cen derzeit nicht - im Gegenteil.
Nedim Cen: "Wir erwarten einen weiteren Preisrückgang"

Nedim Cen: "Wir erwarten einen weiteren Preisrückgang"

Foto: DPA

Bitterfeld-Wolfen/Leipzig - Der Vorstand des angeschlagenen Solarunternehmens Q-Cells hat seinen Restrukturierungsplan verteidigt. "Nur so ist das Unternehmen sanierungsfähig", sagte der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Leipzig.

Der Plan sieht im Kern vor, dass die Gläubiger 95 Prozent der Aktien erhalten, für die Aktionäre sollen nur noch 5 Prozent der Anteile bleiben. "Anders ist das Unternehmen nicht überlebensfähig", so Cen. "Die Insolvenz wäre unausweichlich."

Papiere von Q-Cells sind in den vergangenen drei Jahren von rund 80 Euro auf Penny-Stock-Niveau gestürzt. Die Aktie verlor am Freitag 3,9 Prozent auf 24 Cent.

Hauptsächlich die Konkurrenz aus China und der Preisverfall in der Branche seien der Grund für die Situation, sagte Cen. Er sei zuversichtlich, dass die Restrukturierung von Q-Cells bis zum Herbst abgeschlossen werden kann. Bereits im Jahr 2013 strebe das Unternehmen wieder schwarze Zahlen an.

Cen sieht derzeit keine Trendwende am Markt. Das Angebot übersteige die Nachfrage auf allen Wertschöpfungsstufen. "Wir erwarten einen weiteren Preisrückgang für Solarzellen, Module und Systeme." Die Folge sei eine weitere Konsolidierung der Branche in diesem und im kommenden Jahr. Wie sich die Änderung der Förderbedingungen für die Solarbranche auf Q-Cells auswirkt, sei derzeit nicht absehbar.

"Trauriger Tag für die Aktionäre"

Q-Cells war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust war fast so hoch wie der gesamte Umsatz. "Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 846 Millionen Euro", sagte Cen. Als Konsequenz fällt das Unternehmen mit 2300 Beschäftigten, das einst sogar als Kandidat für den Dax  gehandelt wurde, am 19. März aus dem TecDax .

Das börsennotierte Unternehmen war gesetzlich verpflichtet, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, weil das Eigenkapital aufgezehrt ist, sagte Sprecherin Ina von Spies. Auf der Versammlung, die sehr sachlich verlief, sollten die Aktionäre lediglich informiert werden, eine Abstimmung über den Restrukturierungsplan stand nicht auf der Tagesordnung. Entscheiden sollen die Aktionäre Anfang Juni auf einer weiteren außerordentlichen Hauptversammlung in Leipzig. Zuvor gibt es noch mehrere Gläubigerversammlungen.

"Es ist ein trauriger Tag für die Aktionäre", sagte Professor Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Düsseldorf auf der Hauptversammlung. Wichtig für das Überleben des Unternehmens sei ein Zahlungsaufschub der Gläubiger über eine Wandelanleihe von 200 Millionen Euro bis Ende April gewesen. "Das schafft dem Unternehmen etwas Luft." Insgesamt hat Q-Cells drei Anleihen in Höhe von insgesamt 580 Millionen Euro.

Im Bereich der Solarwirtschaft sind in Deutschland bereits mehr als 100.000 Menschen tätig. Gerade die großen Solarparks werden aber überwiegend mit billigen Modulen aus China bestückt, wo es riesige Überkapazitäten gibt. Daher geht es der deutschen Branche trotz des Zubaubooms in Deutschland schlecht - ein Teil der auf 20 Jahre garantierten Fördergelder, die deutlich über Marktpreisen liegen, kommt chinesischen Firmen zugute.

ts/dpa-afx
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