Sonntag, 31. Mai 2020

Rote Zahlen Bilfinger Berger stiehlt Hochtief die Schau

Hochtief-Arbeiter: Schlechte Bilanz für 2011

Während der Baukonzern Hochtief für das vergangene Jahr einen hohen Verlust verbucht, meldet Wettbewerber Bilfinger Berger Fortschritte in der Expansion zu neuen Geschäftsfeldern. Für den neuen Hochtief-Eigner ACS aus Spanien fällt die Dividende aus.

Düsseldorf - Nach hohen Verlusten im vergangenen Jahr setzt Konzernchef Frank Stieler nun auf Planung und Bau von Windparks und neuen Stromleitungen, die in der Bundesrepublik benötigt werden, um aus der Atomkraft auszusteigen. Im vergangenen Jahr hatten hohe Abschreibungen bei der australischen Tochter Leighton und lukrative Abfindungspakete für ausscheidende Vorstände den Essener Konzern in die Verlustzone gedrückt.

Das sind auch keine guten Nachrichten für den spanischen Mehrheitseigner ACS Börsen-Chart zeigen: Erstmals seit mindesten fünf Jahren erhalten die Hochtief-Aktionäre Börsen-Chart zeigen keine Dividende. Hochtief-Chef Frank Stieler sieht den Konzern beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur in den Startlöchern: "So wollen wir in den kommenden fünf Jahren bei der Leistung im Energiesektor um 40 Prozent und im Bereich der Verkehrsinfrastruktur um 30 Prozent wachsen", versprach er am Mittwoch in Düsseldorf.

Stieler hatte jüngst ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Ventizz aus der Taufe gehoben, das Windparks in der Nordsee realisieren soll. Stieler will auch vom dringend benötigten Bau neuer Stromleitungen profitieren, mit denen der auf hoher See gewonnene Strom auch zu den Verbrauchern in Süddeutschland geleitet werden soll - er hat dazu ein Bündnis mit der auf den Leitungsbau spezialisierten ACS-Tochter Cobra geschmiedet. Hochtief verfolge zudem Pläne, auch in den US-Markt für regenerative Energien einzusteigen.

Das Jahr 2011 schloss Hochtief mit einem Verlust vor Steuern (Ebt) von 127 Millionen Euro ab - nach einem Gewinn von 756,6 Millionen Euro im Jahr 2010. Unter dem Strich stand ein Minus von 160,3 Millionen Euro. 2011 hatte Stieler einen weiteren Rückschlag verkraften müssen. Der Verkauf der Hochtief-Flughäfen gelang nicht, das Projekt liegt auf Eis. Eine Veräußerung sei aber weiter das Ziel, hieß es im Geschäftsbericht. Hochtief geht 2012 nun mit gut gefüllten Orderbüchern an: Der Auftragseingang lag Ende 2011 bei 25,37 Milliarden Euro, der Auftragsbestand bei 48,67 (Vorjahr: 47,49) Milliarden Euro. Hochtief ist damit rein rechnerisch für mehr als 22 Monate ausgelastet.

Bilfinger Berger verkündet Zukauf und neues Joint-Venture

Für 2012 erwarte Hochtief weiter ein Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn leicht unterhalb des Rekordjahres 2010, bekräftigte Stieler. Für das kommende Jahr schränkte der Konzern seine Gewinnprognosen aber ein: Hochtief rechne mit einer "Verbesserung des Ergebnisniveaus". Bislang hatte Konzernchef Stieler mehr als eine Milliarde Euro beim Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn von rund 450 Millionen Euro rein aus dem operativen Geschäft in Aussicht gestellt.

In der Branche herrscht für 2012 angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung und der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern nicht nur Optimismus. Der österreichische Konkurrent Strabag hatte sich für 2012 betont vorsichtig gegeben - er schließt angesichts konjunktureller Unsicherheiten ein Betriebsergebnis unter dem des Vorjahres nicht aus. Grund für die mageren Aussichten ist unter anderem das Auslaufen von staatlichen Bauförderungen - etwa in Polen.

Die stärker auf das Dienstleistungsgeschäft fokussierte Bilfinger Berger erwartet hingegen weitere Zuwächse im laufenden Jahr. Für 145 Millionen Euro übernehmen die Mannheimer die niederländische Tebodin, einen Spezialisten für Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen, wie Bilfinger Berger am Mittwoch mitteilte. Die Niederländer sind international tätig und kommen mit 3200 Mitarbeitern auf eine Jahresleistung von 225 Millionen Euro.

Zum anderen gründet der Konzern zusammen mit dem russischen Kraftwerksausrüster Tyazhmash ein Joint-Venture, an dem Bilfinger Berger mit 51 Prozent die Mehrheit halten wird. Das neue Unternehmen mit dem Namen Bilfinger Babcock Tyazhmash solle von der Erneuerung des russischen Kraftwerkparks profitieren, hieß es in der Mitteilung. Bilfinger Berger hat sich bis 2016 ein Plus von 50 Prozent für seine Konzernleistung und eine Verdoppelung des Konzerngewinns vorgenommen.

ak/rtr/dpa-afx

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