Montag, 6. April 2020

Teurer Treibstoff Luftfahrtbranche vor Ölpreisschock

Im Sinkflug: Fluggesellschaften ächzen unter hohen Treibstoffpreisen
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Im Sinkflug: Fluggesellschaften ächzen unter hohen Treibstoffpreisen

Während Ölgroßkunden wie die Chemieriesen noch Ruhe bewahren, geraten Fluggesellschaften in Bedrängnis. Hochschießende Ölpreise und Treibstoffkosten werfen jede Kalkulation der Fluglinien über den Haufen. Experten sprechen von einer echten Bedrohung für die Branche.

Hamburg - Es scheint wie verhext. Erst drückt die Euro-Krise auf das Geschäft, dann stoppen Streiks die Flieger und jetzt kommen den Airline-Beschäftigten auch noch explodierende Rohstoffpreise in die Quere. Besonders der hochschießende Ölpreis drückt in der Luftfahrt auf die Stimmung, an der allein in Deutschland Zehntausende Jobs hängen. "Die derzeitige Entwicklung ist eine Bedrohung für die Branche", sagt Gerd Pontius von der Unternehmensberatung Prologis. "Die Unsicherheit zerreißt jede Kalkulation."

Zuletzt gab der Ölpreis zwar ein wenig nach, aber noch Anfang der Woche lag er bei über 125 Dollar für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent. Ähnlich hoch waren die Ölnotierungen zuletzt im April 2011. Sogar ein Überschreiten des bisherigen Allzeithochs aus dem Jahr 2008, als das Barrel (159 Liter) mehr als 147 Dollar kostete, scheint möglich. Erste Rohstoffexperten warnen bereits, dass sich der Ölpreis perspektivisch sogar verdoppeln könnte. Doch schon jetzt machen die Kosten für den Flugzeugtreibstoff, das Kerosin, bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten für die Airlines aus. Die Folgen sind dann auch schon jetzt in ihrer Härte erkennbar.

Der enorme Anstieg der Kerosinpreise setzt beispielsweise der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus Börsen-Chart zeigen schwer zu. Trotz eines Umsatzplus' von 6 Prozent im Jahr 2011 rann den Iren bereits im Vorjahr der Gewinn mehr und mehr durch die Hände. Und nach einer Quasi-Gewinnwarnung gestern wegen der eskalierenden Ölpreise geriet der Aktienkurs der Gesellschaft kräftig ins Rutschen.

Grund für den steigenden Ölpreis sind die Unsicherheiten auf dem Rohstoffmarkt: Die diplomatische Krise zwischen dem Westen und Iran schwelt weiter und droht zu eskalieren. Im Streit um die angeblichen Versuche des Iran, an einer Atombombe zu arbeiten, hat die Europäische Union (EU) entschieden, ab dem 1. Juli ein Ölembargo gegen das Land zu verhängen. Der Iran konterte, indem es Frankreich und Großbritannien den Hahn zudrehte. Zugleich wächst die Sorge vor einer militärischen Eskalation zwischen Israel und Iran. In einem solchen Fall könnte der Ölpreis explodieren. "Ich vermag keine sinkenden Ölpreise zu sehen, erst recht mit der Situation rund um den Iran", sagt Simon Wardell, Ölanalyst Analyseunternehmen IHS CERA, das sich auf Energie spezialisiert hat.

Berater Pontius: "Viele Airlines können sich das nicht leisten"

Keine beruhigende Aussicht für die Airline-Branche, im Gegenteil. Katastrophal vielleicht sogar für jene Fluggesellschaften, die ohnehin angeschlagen sind - und die sich jetzt eigentlich nicht mal mehr den Kampf um das nackte Überleben leisten können.

"Kurzfristig müssen sich die Airlines mit Treibstoffsicherungsgeschäften behelfen. Alles andere wäre russisches Roulette", sagt Pontius; die Fluggesellschaften spekulieren dann beim sogenannten "Fuel Hedging" zumeist mithilfe von Optionsgeschäften auf den künftigen Rohölpreis und versuchen sich so gegen steigende Preise abzusichern. Aber das ist teuer. "Viele Airlines mit knappen Margen und schwacher Kapitalausstattung können sich das nicht leisten", sagt der Unternehmensberater. Und das trifft Dutzende Fluggesellschaften weltweit. "Die Branche ist traditionell margenschwach, viele Unternehmen machen Verluste", sagt Analyst Eric Heymann von DB Research.

Damit stecken die angeschlagenen Flugfirmen in geradezu verzweifelter Lage. Denn auf die Schnelle einfach mal Treibstoff sparen können die Fluggesellschaften auch kaum. Dabei waren die Airlines dabei in der Vergangenheit durchaus kreativ: Manche versuchten, das Gewicht und damit den Spritverbrauch der Maschinen zu senken, indem sie das Geschirr an Bord durch Kunststoffteller und Tassen ersetzten. Andere Fluglinien sparten beim Wasser für die Bordtoiletten. Solche Versuche waren letztlich wenig erfolgreich: "Es gibt kaum kurzfristige Maßnahmen, um den Treibstoffverbrauch zu senken", sagt Pontius.

Wer jetzt nicht weiter weiß, muss dann schlicht die Ticketpreise raufsetzen. Und darauf hoffen, dass Konkurrenten aus Zwang fix nachziehen - und deshalb nicht gleich Tausende Reisende zur Konkurrenz abwandern. So kündigte dann auch die Lufthansa Börsen-Chart zeigen an, den ohnehin bestehenden Kerosinzuschlag am heutigen 28. Februar zu erhöhen: Bei Flügen innerhalb Deutschlands und Europa soll der Zuschlag um vier Euro auf dann 35 Euro steigen, auf Langstrecken will die Lufthansa den Zuschlag um 12 Euro auf 134 Euro anheben. Das kommt bekannt vor.

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