Donnerstag, 27. Juni 2019

Expansion Siemens weiß, was Städte wünschen

Smog über Manila: Wachstum in einem geordneten Prozess?

Seit Oktober 2011 ist Roland Busch Siemens-Vorstand für Infrastruktur. Im Gespräch mit manager magazin Online sagt er, wie klamme Kommunen in aller Welt dem Konzern Wachstum liefern sollen. Die Rolle der hauseigenen Bank dabei erklärt deren Chef Roland Chalons-Browne.

mm: Herr Busch, sind Sie ein Stadtmensch?

Busch: Aufgewachsen bin ich in Erlangen. Ist das eine Stadt? Es ist eine kleine Stadt. Ich habe aber auch in Grenoble gelebt, im kalifornischen Palo Alto, in Shanghai. Ich wohne gerne in der Stadt, auch hier in München: Abends vor die Haustür zu gehen, in eine Kneipe um die Ecke, ein Restaurant oder ins Theater.

mm: Schon der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat das Wachstum der Städte als Megatrend bezeichnet. Als Strategiechef unter Peter Löscher haben Sie einen eigenen Sektor daraus geformt. Warum?

Busch: Angefangen hat es damit, dass die Gebäudetechnik ein bisschen einsam dastand: andere Vertriebsstruktur, andere Kunden, anderes Portfolio. Dann wollten wir Siemens auf das Umsatzziel von 100 Milliarden Euro ausrichten. Das bedingt die Fokussierung auf Märkte mit Wachtumspotential. Der Industriesektor war sehr breit aufgestellt. So haben wir das vorhandene Portfolio neu aufgeteilt. Ein Sektor kümmert sich jetzt voll um Industriekunden, ein anderer um öffentliche Infrastruktur.

mm: Das ist ja das ureigene Geschäft von Siemens Börsen-Chart zeigen. Also hat man keinen Markt neu entdeckt, sondern bearbeitet ihn nur anders?

Busch: Die Fokussierung ist neu. Es kümmert sich jetzt ein Sektor mit 87.000 Mitarbeitern und 17 Milliarden Euro Umsatz um einen relativ klar abgrenzbaren Markt. Den Markt für urbane Mobilität, Energieverteilung, dezentrale Energieerzeugung, Gebäudetechnik. Natürlich finden Sie da sowohl den Stadtkunden, der eine Metro bestellt, als auch den Privatkunden, der ein Gebäude errichtet. Aber das Gesamtbild ist ziemlich homogen. 300 Milliarden Euro groß ist dieser Markt für Siemens, für meinen Sektor allein 225 Milliarden. Der Rest entfällt auf Wasserversorgung oder Gesundheit, die in den anderen Siemens-Sektoren angesiedelt sind.

mm: Weil das so ein großer und stark wachsender Markt ist, nehmen Sie in Ihrer Planung vergleichsweise geringe Renditen in Kauf?

Busch: Wir planen mit einer Bandbreite von 8 bis 12 Prozent Rendite. Wir glauben an diesen Markt, weil er auf Siemens zugeschnitten ist, weil wir den Stadtplanern nicht nur Produkte verkaufen können, sondern Lösungen. Wenn ich mit einem Bürgermeister rede, spricht er nicht mit mir über den neuesten, hocheffizienten Antrieb unserer Metro, sondern er sagt: Ich habe ein Verkehrsproblem. Und wir sind in der Lage, für ihn ein ganzes Verkehrsmanagement zu entwickeln.

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