Umsatzrückgang General Electric will in Europa sparen

Der Siemens-Rivale General Electric tritt in Europa auf die Bremse. Der Umsatz ging zum Jahresende deutlich zurück, auch der Gewinn des Mischkonzerns schrumpfte. Konzernchef Jeffrey Immelt kündigte Konsequenzen für die europäischen Firmenteile an.
GE-Chef Immelt: "Wir werden unser Geschäft anpassen"

GE-Chef Immelt: "Wir werden unser Geschäft anpassen"

Foto: MIKE SEGAR/ Reuters

Fairfield (Connecticut) - Der Mischkonzern legte am Freitag wegen schwacher Geschäfte auf dem Kontinent eine Bilanz mit drastischem Umsatzrückgang vor und kündigte Konsequenzen an. "Wir werden unser Geschäft in Europa an die Marktbedingungen anpassen", teilte Firmenchef Jeffrey Immelt mit. Noch im Dezember hatte General Electric erklärt, die Geschäfte dort liefen gut. Bei der Vorlage der Bilanz hieß es nun aber, sie seien im abgelaufenen Quartal nicht so stark gewachsen wie erwartet.

GE-Aktien  gaben kurz nach Handelsbeginn deutlich nach und lagen bei minus 2 Prozent. Auch Siemens-Titel  tendierten schwach.

In Europa lief nach GE-Angaben vor allem das Geschäft mit medizinischen Geräten schlecht. Im vierten Quartal sanken dort die Umsätze in der Sparte um 7 Prozent. In den USA betrug der Rückgang 2 Prozent. In den Schwellenländern gab es indes ein Plus von 16 Prozent. GE ist vom Geschäft in Europa nicht so stark abhängig wie die Rivalen Siemens und Philips . Philips hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, die Euro-Schuldenkrise werde sich negativ auf die Bilanz auswirken.

Im Schlussquartal sank GEs Umsatz von 41,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf knapp 38 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Hier macht sich der Verkauf des Mehrheitsanteils an der TV-Senderkette NBC Universal bemerkbar. Ohne den Verkauf legte der Umsatz noch leicht zu. Analysten hatten aber auch ohne das Fernsehgeschäft mit 40 Milliarden Dollar gerechnet.

Analysten sprechen von "fauler Ausrede"

Den operativen Gewinn konnte der Konzern das siebte Quartal in Folge zweistellig steigern. Der Nettogewinn nach Steuern ging indes wegen ausbleibender positiver Sondereffekte, die den Vorjahresgewinn noch nach oben getrieben hatten, um ein Fünftel auf 3,8 Milliarden Dollar zurück.

Der Gewinn pro Aktie lag bereinigt mit 39 Cent um einen Cent höher als von Analysten erwartet, was die Experten aber kalt ließ: "Wir sind besorgt wegen der verfehlten Umsatzerwartung", sagte Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services. "Der Umsatz ist es, der für uns in dieser Bilanzsaison wichtig ist. Ob man beim Gewinn pro Aktie um einen Cent über oder unter den Erwartungen liegt, ist nicht so wichtig. Da kann man ja in der Bilanz etwas hin- und herschieben."

Nicht alle Experten waren mit der GE-Begründung für den schwachen Umsatz zufrieden. "Für mich ist das eine faule Ausrede", sagte Analyst Jack de Gan von Harbor Advisory. "Ich hätte erwartet, dass das schwache GE-Kapitalgeschäft auf die Zahlen drückt."

Auch das laufende Jahr werde schwankungsanfällig verlaufen, erklärte GE. Darauf sei der Hersteller von Triebwerken, Eisenbahnlokomotiven und medizinischen Geräten aber vorbereitet. Unter anderem solle in neue Produkte investiert und die Position in Schwellenländern ausgebaut werden.

Konzernchef Immelt zeigte sich mit dem Geschäftsverlauf zufrieden und verwies auf das dicke Auftragsbuch des Konzerns. Zwar rechne der Manager im laufenden Jahr mit Schwankungen, glaube aber trotz der Unsicherheiten an ein kräftiges Wachstum des Industrie- und Finanzgeschäfts. Das Geschäft in Europa will Immelt umbauen, um die Marktbedingungen widerzuspiegeln. Nähere Details nannte der Manager zunächst nicht.

General Electric gilt angesichts seiner breiten Angebotspalette als Gradmesser für die gesamte US-Wirtschaft. In Deutschland ist GE vor allem mit einer Windanlagen-Fertigung und einer starken Forschung vertreten. Der deutsche Rivale Siemens will seine Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2011/2012 (Ende Dezember) am 24. Januar zur Hauptversammlung veröffentlichen.

ak/rtr/dpa-afx
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