Donnerstag, 19. September 2019

Hauptversammlung ThyssenKrupp hadert mit Amerika-Desaster

ThyssenKrupp-Chef Hiesinger: Weiterhin negatives Spartenergebnis für Steel Americas

Der Milliardenschaden aus den Stahlwerken in Brasilien und den USA beherrscht ThyssenKrupps Hauptversammlung. Konzernchef Hiesinger stellt die Aktionäre auf weitere rote Zahlen ein.

Bochum - Der Mischkonzern ThyssenKrupp wird bei seinen von Pleiten, Pech und Pannen geplagten neuen Stahlwerken in Übersee auf Sicht keine Gewinne erzielen. "Die Ergebnis- und Finanzsituation der Amerikaprojekte lässt sich auch nicht kurzfristig ins Positive drehen, sondern wird noch einige Zeit benötigen", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger am Freitag auf der Hauptversammlung in Bochum.

Eine wesentliche Verbesserung der Situation bei der Sparte Steel Americas erwarte er zwar im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres. Das Spartenergebnis werde aber im Geschäftsjahr deutlich negativ sein.

Hiesinger traute sich auch wegen der schwierigen Situation der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA keine Prognose für das Gesamtjahr zu. Nach Informationen von manager magazin erwägt der Konzern inzwischen auch einen Rückzug aus Brasilien.

Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 wohl wie erwartet deutlich niedriger als im Vorjahr ausgefallen. Die Zahlen legt der Konzern im Februar vor. Der ehemalige Siemens-Manager bekräftigte, den Mischkonzern mit rund 180.000 Beschäftigten stärker auf das Technologiegeschäft zu fokussieren, in dem ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen unter anderem Aufzüge und Fahrtreppen herstellt. Die Stahlkonjunktur habe sich weltweit abgeschwächt.

Hiesingers Strategie wird durch die Probleme bei den Stahlwerken in Übersee beschränkt. Zusätzliche Mittel will er unter anderem durch den Verkauf von Beteiligungen gewinnen. Die Edelstahlsparte wolle er wie geplant bis Ende des Jahres abtrennen. Dabei komme weiter ein Börsengang, eine Abspaltung und ein Verkauf in Frage.

Cromme würdigt Verdienste von Ex-Chef Schulz

Der ThyssenKrupp-Chef stärkte seinem Vorgänger Ekkehard Schulz den Rücken, der wegen der Kostenexplosion der Stahlwerke seinen Posten im Aufsichtsrat und der mächtigen Krupp-Stiftung niedergelegt hat. "Sie haben mich und unser gesamtes Vorstandsteam stets umfassend über Stärken und Schwächen im Unternehmen informiert und in unserer Phase der Neuausrichtung unterstützt", sagte er zu dem im Saal anwesenden Schulz.

Auch Aufsichtratschef Gerhard Cromme zollte Schulz Anerkennung und löste damit während seiner Rede nach über einer Viertelstunde erstmals Applaus im Saal aus. "Seine Verdienste bestehen unverändert fort." In der Öffentlichkeit aufgekommene Zweifel an Schulz seien unangemessen und entsprächen nicht der Lebensleistung von Schulz. Dies bedauere er sehr. Der langjährige Aufsichtsratschef Cromme steht selbst in der Kritik, er habe in seiner Funktion im Kontrollgremium die Kostenexplosion nicht verhindert.

Die Kosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA waren in den vergangenen Jahren auf rund zehn Milliaden Euro explodiert. Der Konzern musste im vergangenen Geschäftsjahr vor allem wegen der Probleme bei diesen Werken im Herbst 2,9 Milliarden abschreiben. Dadurch schrieb ThyssenKrupp 2010/11 einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro. Einige Aktionärsvertreter haben den Rücktritt von Cromme gefordert. Dieser erklärte, das Gremium habe sich stets umfassend über den Fortgang der Pläne informiert. "Manche Annahmen waren im Nachhinein zu optimistisch", räumte er ein. So seien vor allem die Kosten in Brasilien deutlich unterschätzt worden.

ak/rtr

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