Nach Rekordjahr Airbus beschleunigt die Produktion

Der europäische Flugzeugbauer Airbus ist nach seinem Rekordjahr 2011 für acht Jahre ausgelastet. Mit 4000 Neueinstellungen soll die Produktion den Aufträgen angepasst werden. Selbst für den langjährigen Problemfall A380 hat das Unternehmen noch größere Pläne.
Arbeiten an A320 in französischem Airbus-Werk: Erfolgreichstes Jahr der Unternehmensgeschichte

Arbeiten an A320 in französischem Airbus-Werk: Erfolgreichstes Jahr der Unternehmensgeschichte

Foto: REUTERS

Hamburg - Vor allem dank des spritsparenden Mittelstreckenjets A320 sammelte die EADS-Tochter im vergangenen Jahr netto Aufträge für 1419 Flugzeuge ein und übertraf damit ihren bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2007. Die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge wuchs auf den neuen Spitzenwert von 534 Maschinen.

Der Mutterkonzern EADS  hat dank des Höhenflugs seiner Tochter Airbus im vergangenen Jahr beim Umsatz kräftig zugelegt. "Die Erlöse liegen schön über denen des Vorjahres", sagte EADS-Chef Louis Gallois. Damals hatte EADS 45,8 Milliarden Euro umgesetzt. Mit dem Erfolg der wichtigsten Konzerntochter werde es allerdings immer schwieriger, den Umsatz von Airbus und den übrigen Konzernsparten - dem Hubschrauberhersteller Eurocopter, der Rüstungssparte Cassidian und der Raumfahrttochter Astrium - auf ein Verhältnis von 50:50 einzupendeln. "Aber das ist ein Luxusproblem."

Für 2012 peilt Airbus-Chef Tom Enders 570 Flugzeug-Auslieferungen an, wie er am Dienstag im Hamburger Airbus-Werk ankündigte. Verkaufschef John Leahy will unterdessen Aufträge für 600 bis 650 Maschinen einsammeln.

"Die A320neo ist das sich am schnellsten verkaufende Flugzeugprojekt der Luftfahrtgeschichte", sagte Leahy. Die auf Spritsparen getrimmte neue Mittelstreckenfamilie, zu der auch die Typen A319neo und A321neo gehören, wurde im vergangenen Jahr alleine 1226-mal bestellt. Die modernisierte Version der herkömmlichen A320-Familie soll dank neuer Triebwerke und neu gestalteter Flügel 15 Prozent weniger Sprit verbrauchen als ihr Vorgänger.

Der doppelstöckige Riesenflieger A380 wurde netto nur 19-mal bestellt, bei 26 Auslieferungen. Für das laufende Jahr hat sich Airbus 30 fertige Exemplare für das Modell zum Ziel gesetzt - und mindestens so viele Bestellungen.

Zu viele Aufträge: Airbus will Boeing den Vortritt lassen

Der Erfolg der A320neo brachte Airbus einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Erzrivalen Boeing ein. Der US-Flugzeugbauer hatte nach den Produktionsproblemen seines Hoffnungsträgers 787 "Dreamliner" insgesamt nur 477 Maschinen ausgeliefert. Mit Neuaufträgen für 805 Maschinen blieben die Amerikaner deutlich hinter den Europäern zurück.

"Unser Marktanteil lag nach der Zahl der bestellten Maschinen 2011 bei 64 Prozent", sagte Leahy. Im laufenden Jahr werde er allerdings auf etwa 50 Prozent sinken, vielleicht auch darunter. Dies ist Airbus nicht unrecht, muss der Hersteller doch erst einmal den Auftragsberg abarbeiten. Derzeit hat die EADS-Tochter Aufträge für 4437 Flugzeuge mit einem Listenpreis von 588 Milliarden US-Dollar (464 Milliarden Euro) in den Büchern. Damit sei die Produktion acht Jahre lang ausgelastet. Airbus will im laufenden Jahr 4000 neue Mitarbeiter einstellen.

Die Listenpreise für Flugzeuge haben mit den tatsächlichen Verkaufspreisen nur am Rande zu tun. Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich sind an der Tagesordnung. "Boeing setzt uns bei den Preisen unter Druck", sagte Leahy. Dennoch habe Airbus bei den Kunden für die A320neo, die A350 und die A380 höhere Preise durchsetzen können, als im Geschäftsplan vorgesehen gewesen seien.

Unterdessen musste Airbus einen im Sommer verbuchten Auftrag von American Airlines über 130 Flugzeuge auf Eis legen. Die angeschlagene Gesellschaft hat im Dezember Gläubigerschutz beantragt, Airbus hat den Auftrag vorerst aus den Büchern genommen. "Wir werden erst am Ende des Gläubigerschutzes wissen, ob der Auftrag gilt oder nicht", sagte Verkaufschef Leahy.

Airbus weckt Hoffnungen auf einen noch größeren Passagierflieger als die doppelstöckige A380. "Ich denke, dass die Langversion der A380 Ende des Jahrzehnts im Dienst ist", sagte Leahy. Viele Kunden, die A380 bereits in Betrieb hätten, fragten nach der Stretch-Version. "Noch ist aber nichts entschieden", betonte der Manager. Die Langversion würde 100 bis 150 Passagieren zusätzlich Platz bieten. Gerade auf überlasteten Flughäfen sei die Maschine erwünscht: So ließen sich bei der gleichen Zahl Flugbewegungen mehr Passagiere befördern.

Airbus hatte die A380 im Jahr 2007 erstmals ausgeliefert. Weil die Produktion noch nicht völlig rund läuft, musste Airbus bei den bisher ausgelieferten Maschinen Geld drauflegen. Airbus erwartet weiterhin, mit der Maschine spätestens im Jahr 2015 operativ schwarze Zahlen zu schreiben. Die milliardenschweren Entwicklungskosten hat das Unternehmen dann allerdings noch lange nicht hereingeholt.

ak/dpa-afx
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