Mittwoch, 22. Mai 2019

Flugzeugbauer Embraer beendet Brasiliens Traum

Vernebelte Aussicht: Embraer-Hauptwerk São José dos Campos

Der Flugzeugbauer Embraer steht für eine der großen Erfolgsgeschichten in Brasiliens Wirtschaft. Doch noch größere Pläne sind offenbar nicht drin. Das Unternehmen bläst den Angriff auf Airbus und Boeing ab - und stellt sich der Aufgabe, Platz 3 in der Branche zu verteidigen.

Hamburg - Vor Dilma Rousseff steht ein hartes Stück Diplomatie. Wieder einmal wird die brasilianische Präsidentin sich für den heimischen Flugzeugbauer Embraer einsetzen, doch diesmal wird es besonders heikel: Kurz vor ihrem anstehenden Staatsbesuch in Washington hat die US-Regierung den erst Ende Dezember verkündeten ersten Auftrag ihrer Luftwaffe an die Brasilianer gestoppt.

Nicht nur der unterlegene Bieter Hawker Beechcraft ist empört, dass die leichten "Super Tucanos" statt seiner AT-6 afghanische Taliban jagen sollen - "einiges dabei macht einfach keinen Sinn", schäumt Beechcraft-Chef Bill Boisture. "Jeder Starrflüglerpilot im US-Militär hat mit unserem Flugzeug trainiert." Auch Abgeordnete aus Beechcrafts Heimatstaat Kansas, wo die Flugzeugindustrie großes Gewicht hat, protestieren gegen den Auftrag an eine ausländische Firma.

Präsident Obama hat mit dem jüngst verkündeten Sparkurs ohnehin einen schweren Stand beim Militär und patriotisch gesinnten Wählern - da nützt es nichts, dass Embraer den Auftrag extra martialisch als "Sieg für Amerikas Krieger" bewirbt, ein eigenes Werk in Florida baut und 80 Prozent amerikanische Produktion verspricht; dass der US-Ausrüster Sierra Nevada Corporation als Hauptauftragnehmer firmiert, die "Super Tucanos" sich in Kolumbiens Krieg gegen die linke Guerilla bewährt haben und mit einem Zehntel der Betriebskosten der AT-6 auskommen sollen.

Für sich genommen ist der Auftrag über 20 Flieger mit Option auf 35 weitere und einem Gesamtvolumen von einer knappen Milliarde Dollar nicht allzu bedeutend. Allerdings steht er symbolisch für die Aussichten Embraers, an das sensationelle Wachstum der vergangenen 15 Jahre und den Aufstieg zur weltweiten Nummer drei der Branche anzuknüpfen.

In dieser Zeit hat Embraer erfolgreich vor allem eine Nische besetzt: kleine Regionalflieger mit Platz für bis zu 120 Passagiere, die besonders von Billigfluggesellschaften nachgefragt werden. In diesem Geschäft haben die Brasilianer mit ihren oft effizienteren E-Jets der kanadischen Firma Bombardier die Marktführerschaft abgejagt und halten nun nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 43 Prozent. Seit dem Start des ersten Embraer-Düsenjets ERJ 145 ist der Jahresumsatz der Firma von knapp 300 Millionen auf mehr als fünf Milliarden Dollar gestiegen.

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