Dienstag, 24. September 2019

Flugzeugbauer Embraer beendet Brasiliens Traum

Vernebelte Aussicht: Embraer-Hauptwerk São José dos Campos

3. Teil: Angriff auf Cessna und Learjet

Stattdessen sollen die alten E-Jets bis 2018 mit neuen, Sprit sparenden Getrieben überarbeitet werden, genau wie es Airbus mit der A320 Neo oder Boeing mit der 737 Max tun. Konzernchef Frederico Curado begründet den Schritt mit geringeren Entwicklungskosten von zwei Milliarden Dollar, gegenüber drei Milliarden für einen komplett neuen, großen Jet. Zudem gelten die Absatzchancen wegen der neuen Modelle aus Amerika und Europa als gering.

Woher also soll künftig weiteres Wachstum kommen? In den vergangenen Jahren hatte Embraer sich bereits einer zweiten Marktnische zugewendet, kleinen Geschäfts- und Privatfliegern. Die Businessjets vom ultraleichten Viersitzer Phenom 100, der neuerdings auch in Florida gebaut wird, bis zum 50 Millionen Dollar teuren Ölscheich-Carrier Lineage 1000 tragen bereits 21 Prozent zu Embraers Umsatz bei. In dem hart umkämpften Markt sind die Brasilianer jetzt drittgrößter Hersteller knapp hinter Cessna und Bombardier. Noch in Entwicklung sind Legacy 450 und 500, mittlere Modelle für sieben bis zwölf Passagiere, die Bombardiers Learjet den Rang ablaufen sollen.

Doch insgesamt hat sich das Geschäft mit Businessjets nicht von der Krise erholt. In den ersten neun Monaten 2011 brachen Embraers Auslieferungen von 144 auf 49 Flieger ein. "Rund um die Welt geht es der Sparte nicht gut", räumt Embraer-Manager Sousa e Silva ein. Erst "in den nächsten zwei bis drei Jahren sollte es vorbei sein".

Großaktionär Bozano macht Kasse

Bleibt als weiterer Hoffnungsträger das Rüstungsgeschäft, dem sich Embraer in den vergangenen Jahren stärker zugewendet hat. Damit kehrt die Firma, die 1969 während der Militärdiktatur gegründet wurde, zu ihren Wurzeln zurück. Die Hoffnungen ruhen auf dem Militärtransporter und -tanker KC390 - und eben dem "Super Tucano", der noch zum Jahreswechsel den Durchbruch auf dem US-Markt geschafft zu haben schien. Bleibt es beim Nein, wird sich Brasilien wohl vom Traum verabschieden müssen, dass ihr Global Player Embraer mehr kann als die bereits erreichten Erfolge.

Zumindest einen Brasilianer scheint das nicht zu stören: Júlio Bozano, Großinvestor der ersten Stunde, hat seine Embraer-Aktien zum Großteil versilbert und hält noch 6 Prozent der Anteile, die er ebenfalls verkaufen will. Embraers Erfolg hat der frühere Investmentbanker in echte Werte umgemünzt, darunter ein Haus im Hedgefonds-Mekka Greenwich, Connecticut, und Brasiliens größte Rennpferdezucht. Eingestiegen war der "Baron der Privatisierungen" in das damals notorisch unprofitable Unternehmen für nur 118 Millionen Dollar. Mögen die Aktien auch weit unter ihren Höchstkursen notieren, der Milliardär liegt in jedem Fall im Plus.

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