Montag, 23. September 2019

Flugzeugbauer Embraer beendet Brasiliens Traum

Vernebelte Aussicht: Embraer-Hauptwerk São José dos Campos

2. Teil: Angriff auf Airbus und Boeing abgesagt

"Während die Brasilianer früher stolz auf ein heimisches Unternehmen waren, das Flugzeuge bauen kann, sind sie heute noch erfreuter, dass Embraer auch Gewinn machen kann", beschreibt OECD-Forscherin Andrea Goldstein den Aufstieg. Ökonom Sebastian Edwards von der Universität Kaliforniens in Los Angeles sieht Embraer als "hervorragendes Beispiel eines neuen Typs lateinamerikanischer Konzerne", die gut geführt, profitabel und weltweit aktiv seien. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat mehrfach auf Embraer verwiesen als Beleg für den Erfolg staatlicher Industriepolitik - und nach der Privatisierung 1994 für den Vorzug der Kontrolle einheimischer Kapitalgeber.

Viel mehr solcher Unternehmen brauche das Land, rät die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie. Deutsche-Bank-Ökonom Markus Jaeger verweist darauf, dass Brasilien zu abhängig von Rohstoffexporten sei und High-Tech-Güter (die wiederum einen hohen Anteil importierter Vorleistungen enthalten) nur 14 Prozent der Industrieausfuhren ausmachten.

Immerhin stehen dank Embraer Flugzeuge an dritter Stelle in Brasiliens Exportstatistik, noch vor Agrargütern wie Soja, Zucker und Ethanol, wo das Land weltweit führt, aber hinter Eisenerz und Öl. 98 Prozent der Produktion gehen ins Ausland - fast einmalig in der ansonsten eher geschlossenen und auf den riesigen Binnenmarkt ausgerichteten Wirtschaft. Embraer ist das Symbol für Brasiliens Aufbruch in die globale High-Tech-Zukunft.

Kleinere Rivalen greifen an

Doch die Ambitionen sind über die eroberte Marktnische der Regionalfliegerei hinausgewachsen. In den ersten neun Monaten 2011 lieferte das Unternehmen 73 Regionaljets aus, einer der schlechtesten Werte der vergangenen Jahre. Mit dem 2004 gestarteten Erfolgsmodell E 190 scheint das Maximum erreicht zu sein. "Etwas Wachstum" erwartet Embraers Spartenchef Paulo César Souza e Silva für das Segment in diesem Jahr, "aber keine großen Zahlen".

Hinzu kommt wachsender Wettbewerb von neuen Anbietern, die wie einst Embraer den Markt mit kleineren, billigeren Flugzeugen aufmischen wollen: Im vergangenen Jahr wurde der russische Suchoi Superjet 100 erstmals ausgeliefert, der bereits mehr als 200 Bestellungen zählt, ebenso wie das chinesische Modell Comac ARJ21. Um dessen Erfolg zu fördern, blockiert Peking die von Embraer geplante Produktion des E 190 im seit 2002 bestehenden chinesischen Werk Harbin. Für den Mitsubishi Regional Jet aus Japan wird in diesem Jahr der Jungfernflug erwartet.

Erzrivale Bombardier weicht in ein höheres Marktsegment aus und plant ebenfalls für 2012 den Erstflug der C-Series, die bis zu 145 Passagiere fassen und so in direkte Konkurrenz zu Airbus und Boeing treten soll. Mit dieser Überlegung hatte Embraer sich auch lange getragen, den Plan im November aber abgeblasen.

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