Umbau Finanzkrise bremst Hochtiefs Pläne

Hochtief kommt mit dem Verkauf seiner Flughafenbeteiligungen nicht voran. Konzernchef Peter Stieler begründet dies mit dem "schwieriger gewordenen Kapitalmarktumfeld". Der Abgang des für den Verkauf verantwortlichen Vorstands habe keine Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit, so Stieler.
Hochtief-Baustelle in Düsseldorf: Der Konzernumbau kommt nicht voran

Hochtief-Baustelle in Düsseldorf: Der Konzernumbau kommt nicht voran

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa

Essen/Hamburg - Die Finanzkrise bremst den Umbau des Baukonzerns Hochtief. "Große Transaktionen sind im jetzigen Kapitalmarktumfeld schwieriger geworden", sagte Konzernchef Frank Stieler der Financial Times Deutschland. Das sei auch der Grund für die kürzlich gemeldeten Verzögerungen beim geplanten Verkauf der acht Flughafenbeteiligungen von Hochtief, darunter Düsseldorf, Athen und Sydney.

Hochtief befinde sich aber weiter in Gesprächen mit mehreren Investoren, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Entgegen anderslautenden Medienberichten liefen auch "intensive Verkaufsverhandlungen mit der chinesischen Luftfahrt- und Logistikgruppe HNA", betonte der Sprecher. Die Süddeutsche Zeitung hatte unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, das Interesse der Chinesen sei vorläufig erloschen.

Beim zweiten Interessenten, dem französischen Baukonzern Vinci , blockiere nicht der Preis einen Abschluss, hieß es am Mittwoch aus Finanzkreisen. Schwierig sei wohl eher die Finanzierung des über eine Milliarde Euro teuren Beteiligungspaketes.

Immobilientochter Aurelis könnte auch in Teilen verkauft werden

Die Hochtief-Immobilientochter Aurelis mit rund 1300 früheren Bahn-Objekten, teils in besten Innenstadtlagen, könnte laut dem Stieler-Interview möglicherweise zum Verkauf auch aufgeteilt werden. "Wir haben bei Aurelis einen großen Grundstücksbestand, den wir heute schon an Projektentwickler abverkaufen", sagte Stieler. "Diesen Prozess könnten wir beschleunigen und auch in einzelnen Paketen verkaufen, wenn es sinnvoll erscheint." Aurelis sei für einen Verkauf als Ganzes oder in Teilen gut vorbereitet.

Der Wert der Immobilien liegt nach früheren Angaben bei rund 1,7 Milliarden Euro. Hochtief  rechnet wegen der Verkaufserlöse für 2012 mit einem Vorsteuerergebnis und Konzerngewinn jeweils deutlich über dem bisherigen Rekordergebnis aus 2010 (288 Millionen Euro Konzerngewinn). Für 2011 erwartet Hochtief allerdings einen Verlust von rund 100 Millionen, falls der Verkauf des Flughafenpakets im Geschäftsjahr nicht mehr klappt. Das hatte Stieler Mitte November angekündigt. Der Abgang von zahlreichen führenden Managern im Gefolge der Mehrheitsübernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS  schadet aus Sicht von Stieler dem Geschäft unterdessen nicht. "Die Handlungsfähigkeit von Hochtief war nie beeinträchtigt", sagte er. Der Konzern habe von seinen weltweit rund 230 Führungskräften nur etwa drei Prozent verloren und die Lücken in kürzester Zeit geschlossen.

Erneutes Stühlerücken im Vorstand

Am Vortag war der Abgang von Vorstand Martin Rohr zum Jahresende vermeldet worden. Er war der letzte der führenden Manager mit einer Abfindungsklausel bei einem Kontrollwechsel. Wie Hochtief am Dienstag in Essen berichtete, macht der Manager bei seinem Ausscheiden zum Jahresende von seinem sogenannten Sonderkündigungsrecht bei einem Kontrollwechsel Gebrauch. Der 56-Jährige kann dadurch mit einer Abfindung in Millionenhöhe rechnen.

Rohr war bislang in dem auf nur noch drei Mitglieder geschrumpften Hochtief-Vorstand unter anderem für das zum Verkauf stehende Flughafengeschäft verantwortlich. Über einen Nachfolger werde zeitnah entschieden, hieß es. Nach Angaben eines Hochtief-Sprechers war er der letzte Manager aus dem ehemals fünf Köpfe zählenden Hochtief-Vorstand, dessen Vertrag noch eine entsprechende Abfindungs-Klausel bei einem Kontrollwechsel vorsah.

Zuvor hatten schon der einstige Hochtief-Konzernchef Herbert Lütkestratkötter und die Vorstände Peter Noé und Burkhard Lohr hingeschmissen. Vorstandsmitglied Frank Stieler war nach dem Ausscheiden von Lütkestratkötter zum Konzernchef aufgestiegen. Als neuer Finanzchef und Nachfolger von Lohr war Peter Sassenfeld neu in den Vorstand gekommen.

dpa/rtr/krk
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