Bilanzskandal Japanische Ermittler filzen Olympus-Zentrale

Großrazzia beim japanischen Kamerahersteller Olympus: Die wegen eines Bilanzskandals ermittelnde Staatsanwaltschaft hat die Zentrale und andere Büros des Konzerns durchsucht. Derweil hoffen Aktionäre auf Hilfe externer Geldgeber.
Traditionsfirma am Abgrund: Besuch von der Polizei in der Tokioter Olympus-Zentrale

Traditionsfirma am Abgrund: Besuch von der Polizei in der Tokioter Olympus-Zentrale

Foto: Toru Hanai/ REUTERS

Tokio - Fahnder haben am Mittwoch Büros im Hauptsitz des Elektronikriesen Olympus und in mehr als 20 weiteren Einrichtungen des Konzerns durchsucht. Die Aktion stehe im Zusammenhang mit dem Finanzskandal, der das Unternehmen seit Wochen erschüttere, berichteten örtliche Medien. Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie der Börsenaufsicht durchsuchten gleichzeitig auch mehrere Filialen und die Wohnungen ehemaliger Firmenchefs und Manager. Sie suchten nach Dokumenten, die Aufschluss über die jahrelange Vertuschung von Verlusten in der Firmenbilanz geben sollen

Ziel der Ermittler ist es, nicht zuletzt Beweismaterial gegen frühere Topmanager wegen der Verschleierung von Verlusten in Milliardenhöhe sicherzustellen. Gegen sie soll laut Medien voraussichtlich bis März das Verfahren eröffnet werden. An der Razzia beteiligten sich am Mittwoch eine Sondereinheit der Tokioter Staatsanwaltschaft sowie die Polizei und die Wertpapier-Aufsichtskommission. Als Drahtzieher des Bilanzskandals gelten der frühere Konzernchef Tsuyoshi Kikukawa, Ex-Vize-Chef Hisashi Mori und der frühere Buchprüfer Hideo Yamada.

Olympus  hatte nach Erkenntnissen einer vom heutigen Management eingesetzten Prüfungskommission über mehr als ein Jahrzehnt Verluste von insgesamt 134,8 Milliarden Yen (aktuell rund 1,3 Milliarden Euro) verschleiert. Die Fehlbeträge aus Anlagegeschäften in den 90er Jahren waren mit überhöhten Zahlungen bei Übernahmen vertuscht worden, statt sie in der Bilanz zu verbuchen.

Auch die Börsenleitung schaut sich das Ausmaß der Fälschungen an und könnte die Aktie vom Handel ausschließen. Etwa, wenn sich die Affäre noch ausweiten sollte oder doch noch eine Verbindung zur organisierten Kriminalität nachgewiesen würde.

Japan AG hilft sich gegenseitig

Am Dienstag hatten sich die Aktien des angeschlagenen Unternehmens deutlich erholt. Einem Medienbericht zufolge will Olympus mit Hilfe von Sony  und Fujifilm  seine Kapitalausstattung stärken. Auch wenn Olympus dementierte, eine Entscheidung getroffen zu haben, gewannen die Papiere des Traditionsunternehmens mehr als 16 Prozent. Am Mittwoch verloren sie nach den Meldungen über die Durchsuchungen aber wieder 1,4 Prozent auf 1050 Yen.

Vor kurzem hatte der derzeitige Chef Shuichi Takayama einen radikalen Neuanfang mit scharfen Kontrollen für das Management versprochen. Der geschasste Olympus-Chef Michael Woodford, der den Bilanzskandal aufgedeckt hatte, bekräftigte, dass er mit Unterstützung von Aktionären an die Firmenspitze zurückkehren will. Der Brite war nach seinem Interesse für die verdächtigen Deals gefeuert worden und ging danach sofort an die Medien, was den Stein ins Rollen brachte. Es ist unklar, ob Woodford genug Rückhalt bei den Aktionären finden kann, um wieder auf den Chefposten zurückzukehren.

ak/kst/dpa-afx/rtr
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