Einstieg Etihad hilft Air Berlin aus der Klemme

Air Berlin meldet Vollzug: Die arabische Fluggesellschaft Etihad steigt in großem Stil bei Deutschlands zweitgrößter Airline ein und gewährt zudem Kredit. manager magazin hatte bereits vor zwei Wochen von dem anstehenden Einstieg berichtet. Die Aktie von Air Berlin legt deutlich zu.
Partner gefunden: Die arabische Fluglinie Etihad übernimmt 29,2 Prozent an Air Berlin

Partner gefunden: Die arabische Fluglinie Etihad übernimmt 29,2 Prozent an Air Berlin

Foto: dapd

Berlin - Die arabische Fluggesellschaft Etihad steigt bei Deutschlands zweitgrößter Airline Air Berlin ein. Etihad werde ihren Anteil von derzeit 2,99 Prozent im Zuge einer Kapitalerhöhung für knapp 73 Millionen Euro auf 29,21 Prozent aufstocken, teilte Air Berlin am Montag mit.

Etihad werde dabei 31.574.312 neue Aktien für 2,31 Euro - dem Schlusskurs vom Freitag - je Anteilsschein kaufen. Die Araber greifen der angeschlagenen deutschen Fluggesellschaft auch finanziell unter die Arme und wollen Mittel von bis zu 255 Millionen Dollar mit einer Laufzeit bis Ende Dezember 2016 bereitstellen.

Der groß angelegte Einstieg der arabischen Fluggesellschaft Etihad bei Air Berlin ruft die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan. "Wir schauen uns das an", sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde am Montag. Für eine formelle Prüfung sei es zu früh. Insidern zufolge geht es unter anderem um die Frage, ob die Araber mit einem Dementi vor zwei Wochen die Kapitalmärkte in die Irre geführt haben könnten.

Ein Etihad-Sprecher hatte damals einen Bericht des manager magazins über einen kurz bevorstehenden Einstieg mit folgender Email kommentiert: "Der ganze Bericht ist fehlerhaft." manager magazin hatte damals unter Berufung auf Branchenkreise gemeldet, dass Air Berlin innerhalb weniger Tage den Einstieg der staatlichen Fluglinie verkünden werde.

Aktie von Air Berlin legt zu - "starker Ankerinvestor"

"Die strategische Partnerschaft mit Etihad Airways eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft unseres Unternehmens", sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn nun. "Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Marktentwicklung und die Realisierung von Synergien."

An der Börse hob die Aktie von Air Berlin (Kurswerte anzeigen) ab und war mit einem Plus von mehr als acht Prozent auf 2,49 Euro mit Abstand größter Gewinn im Kleinwerteindex SDax.

Der Zeitpunkt und der niedrige Preis für die Aktien aus der Kapitalerhöhung sei zwar als ein Zeichen von Schwäche für Air Berlin zu werten, das Unternehmen sei aber nun auf der sicheren Seite, urteilte DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kurzkommentar. "Etihad ist ein starker Ankerinvestor."

Für Etihad, die derzeit Partnerschaften mit 34 Fluggesellschaften hat, ist es die erste Beteiligung an einer anderen Airline. Air Berlin und Etihad vereinbarten eine umfassende strategische Zusammenarbeit, die vor allem den Abschluss einer weitreichenden Code-Share-Vereinbarung vorsieht. Dabei bieten die beiden Gesellschaften zusammen Flüge an.

Aufnahme von Air-Berlin-Flugverbindungen nach Abu Dhabi

Air Berlin erhofft sich dadurch im kommenden Jahr Einsparungen von 35 bis 40 Millionen Euro. "Eines der zentralen Elemente der neuen Partnerschaft ist die Aufnahme von Air-Berlin-Flugverbindungen nach Abu Dhabi, das unser neues Tor nach Asien und Australien sein wird", sagte Mehdorn.

Bis zum Frühjahr will Air Berlin weiterhin Mitglied der Luftfahrt-Allianz Oneworld mit der Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG) der Fluglinien British Airways und Iberia werden.

Air Berlin steckt nach Jahren schneller Expansion tief in den roten Zahlen und hat einen Schuldenberg von mehr als 600 Millionen Euro angehäuft. Die Air-Berlin-Aktie befindet sich bislang überwiegend im Streubesitz. Zu den größten Aktionären gehören die ESAS Holding, die im Besitz der türkischen Industriellen-Familie Sabanci ist, mit gut 16 Prozent und der Investor Hans-Joachim Knieps mit mehr als sieben Prozent.

la/reuters/dpa-afx
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