Schmiergeldprozess Ex-Ferrostaal-Manager handeln Bewährungsstrafe aus

Die angeklagten Topmanager von Ferrostaal haben mit dem Gericht einen Deal geschlossen. Sie gaben zu, ausländische Amtsträger bestochen zu haben und kommen dafür wohl mit Bewährungsstrafen und Geldbußen davon.
Ferrostaal-Zentrale in Essen: Konzern akzeptiert Millionen-Bußgeld

Ferrostaal-Zentrale in Essen: Konzern akzeptiert Millionen-Bußgeld

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

München - Sie zeigten sich geständig und könnten dafür mit einer vergleichsweise glimpflichen Strafe davonkommen. Der Ex-Ferrostaal-Vorstand Johann Friedrich Haun und sein damaliger Prokurist räumten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht München grundsätzlich ein. Vom Jahr 2000 an hatten die beiden Topmanager 62 Millionen Euro Bestechungsgeld an Amtsträger in Griechenland und Portugal gezahlt, um an lukrative U-Boot-Aufträge zu bekommen. Im Gegenzug für das Geständnis stellte die Kammer Bewährungsstrafen von höchstens zwei Jahren und Geldstrafen in Aussicht.

Das Gericht will aber trotzdem noch Zeugen anhören und Beweise sichern. Dem Richter zufolge sollen damit die Aussagen der Angeklagten abgesichert werden. Laut Anklage hatte sich Ex-Vorstand Haun bei dem damaligen griechischen Verteidigungsminister erkundigt, was er gegen ein französisches Konkurrenzangebot tun könne. Der Minister hatte ihm daraufhin einen Freund als Kontaktmann genannt.

Dieser Freund kassierte demzufolge Millionen in bar, weitere Bestechungsgelder in Millionenhöhe wurden dann an Entscheidungsträger verteilt - über einen gut vernetzten so genannten Gebetskreis und mithilfe von Briefkastenfirmen. Ob auch der Verteidigungsminister selbst kassiert habe, wisse er nicht, sagte Ex-Vorstand Haun.

Nachdem Griechenland bis 2002 mehrere U-Boote bei Ferrostaal in Auftrag gegeben hatte, wurde 2003 der damalige portugiesische Honorarkonsul in München mit einem Beratervertrag über knapp zwei Millionen Euro geschmiert. Portugal bestellte wenig später ebenfalls zwei U-Boote.

Ferrostaal akzeptiert 140-Millionen-Euro-Geldbuße

Im Zuge des Deals wird Ferrostaal 140 Millionen Euro an die bayerische Justizkasse zahlen. Der Unternehmensanwalt erklärte, der jetzige Vorstand distanziere sich von den früheren Praktiken und sei deshalb mit der Geldstrafe einverstanden. Ob Ferrostaal Schadensersatz von den Ex-Managern fordert, ließ das Unternehmen offen. Die Angeklagten kommen mit Geldstrafen von 36.000 und 18.000 Euro davon, die Höchststrafe für die Angeklagten wäre zehn Jahre Haft gewesen. Laut Staatsanwaltschaft wurde aber vor allem das Alter - beide Angeklagten sind 73 Jahre alt - strafmildernd berücksichtigt.

Wegen der Schmiergeld-Affäre musste MAN  den Verkauf der Ferrostaal-Mehrheit an den arabischen Staatsfonds IPIC in Abu Dhabi rückabwickeln und 350 Millionen Euro zurückzahlen. Vor zwei Wochen verkaufte MAN Ferrostaal, das unter sinkenden Auftragseingängen leidet und rote Zahlen schreibt, an das Hamburger Handelshaus MPC Capital . Im Ferrostaal-Komplex ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft noch gegen rund 50 Beschuldigte; weitere Anklagen gelten als wahrscheinlich.

nck/dapd/dpa-afx/rtr

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