Donnerstag, 21. November 2019

Milliardenabschreibung ThyssenKrupp rutscht tief in die Verlustzone

ThyssenKrupp-Werk in Duisburg: Knapp drei Milliarden Euro musste der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr abschreiben

Milliardenschwere Wertberichtigungen in seinem Stahlgeschäft treiben ThyssenKrupp in die Verlustzone. Hintergrund ist eine Kostenexplosion beim Bau eines neuen Stahlwerks in Brasilien. Angesichts der unsicheren Lage traut sich das Management keine Prognose für das neue Geschäftsjahr zu.

Essen - Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp ist durch Probleme mit seinem Stahlgeschäft tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich schließt der Konzern das Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) mit einem Fehlbetrag von 1,78 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Jahresüberschuss von 927 Millionen Euro erwirtschaftet. Beim Umsatz konnte das Unternehmen um 15 Prozent auf 49,09 Milliarden Euro zulegen.

Durch die Probleme beim Stahl seien Wertberichtigungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro bei der US-Sparte Steel Americas und 800 Millionen Euro bei der Edelstahlsparte Inoxum notwendig geworden, hieß es. Hintergrund seien unter anderem Kostenüberschreitungen beim Bau des neuen Stahlwerks in Brasilien sowie eine Abwertung bei der Edelstahlsparte Inoxum in Höhe von 800 Millionen Euro. Der Konzern hatte seine ursprünglich für Dienstag angekündigte Bilanzvorlage überraschend auf diesen Freitag vorgezogen.

Trotz des hohen Jahresverlustes hält das Management an der "auf Kontinuität" ausgerichteten Dividendenpolitik fest. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung vorschlagen, für das abgelaufene Geschäftsjahr wie im Vorjahr eine Dividende in Höhe von 0,45 EUR je Stückaktie auszuschütten.

ThyssenKrupp steckt mitten im Konzernumbau

Der seit Januar amtierende ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger kündigte an, er wolle die strategische Weiterentwicklung des Konzerns weiter entschlossen umsetzen. "Das aktuelle Umfeld ist nicht einfach. Die beiden Wertberichtigungen zeigen: Wir gehen die Dinge an, die notwendig sind - mit Konsequenz und Offenheit", sagte er.

Hiesinger hat sich vor allem einen Abbau des milliardenschweren Schuldenbergs und Kostensenkungen zum Ziel gesetzt. Zum Ende des Geschäftsjahres bezifferte ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen den Schuldenberg auf fast 3,6 Milliarden Euro.

Die hohen Verbindlichkeiten sind der größte Hemmschuh für den vom neuen Vorstandschef geplanten Konzernumbau. Er will bei ThyssenKrupp vor allem die Technologiesparte ausbauen und im Gegenzug Geschäftsteile mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes verkaufen. Dickster Brocken dabei ist die Edelstahlsparte Inoxum mit rund 11.000 Beschäftigten.

Bereichsvorstand vor Entlassung

Medien berichteten am Freitag, dass der für die Stahlwerke in Brasilien und den USA zuständige Bereichsvorstand Hans Fischer vor der Entlassung stehe. Der Manager bekomme die Probleme vor allem in Brasilien nicht in den Griff, schreibt das "Handelsblatt". Die "Financial Times Deutschland" berichtet, dass Fischer eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen übernehmen wolle. Dagegen solle der Vertrag von Stahl-Konzernvorstand Edwin Eichler um fünf Jahre verlängert werden.

Vor allem bei Arbeitnehmervertretern wächst der Zeitung zufolge der Unmut über die ungelösten Probleme bei den neuen Stahlwerken. So liefen etwa noch immer nicht alle Teile der Kokerei in Brasilien, was laut Insidern hohe Folgekosten für den Zukauf von Strom, Dampf oder Gas mit sich bringt.

Keine Prognose für das neue Geschäftsjahr

Angesichts der unklaren Entwicklung der Schuldenkrise in der Euro-Zone gibt der Konzern keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2011/12 ab. Der Verlauf könne nicht verlässlich abgeschätzt werden, hieß es.

Lediglich für das schon Ende des Monats auslaufende erste Quartal gab es eine Indikation. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen werde "deutlich" unter den 273 Millionen Euro von vor einem Jahr liegen. Neben weiteren Verlusten in den neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA erwartet der Vorstand auch angesichts der großen Unsicherheit bei den Kunden Rückgänge im europäischen Stahlgeschäft.

mg/afp/rtr/dpa-afx

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