Manroland Insolvenzverwalter Schneider gilt als "Erhalter"

Insolvenzverwalter standen lange in dem Ruf der Leichenfledderei. Doch der Betriebswirt Werner Schneider hat das Image des Erhalters. Die Rechtsordnung lässt immer mehr Spielraum für eine Fortführung des Unternehmens - wenn die Banken mitspielen.
Von Cornelia Knust
Werner Schneider: 6500 Arbeitsplätze im Dauerkrisenunternehmen Manroland bedroht

Werner Schneider: 6500 Arbeitsplätze im Dauerkrisenunternehmen Manroland bedroht

München - Er ist einer der prominentesten. Der Insolvenzverwalter Werner Schneider aus Neu-Ulm, der jetzt bei Manroland zum vorläufigen Verwalter bestellt worden ist, gilt in der Branche als erfahren und erfolgreich. Seit drei Jahrzehnten ist er im Geschäft und fungierte auch als Sprecher des so genannten Gravenbrucher Kreises, in dem die Insolvenzverwalter in Deutschland zusammengeschlossen sind.

"Schneider ist als Fortführer bekannt", sagte einmal Michael Pluta über ihn, einer der Ulmer Konkurrenten Schneiders. Er sei ein "wirtschaftlicher Mensch", eben kein Jurist, sondern Betriebswirt. Als solcher richte er sein Augenmerk immer auf die Chancen, ein notleidendes Unternehmen am Leben zu erhalten, so Pluta über Schneider.

Schneiders bisher spektakulärster Fall war die Pleite der Walter Bau AG (Dywidag, Heillit+Wörner, Züblin). Das operative Geschäft verkaufte er 2005 an den österreichischen Baukonzern Strabag. Dass die Insolvenz den Verwalter immer noch beschäftigt, erfuhr die Öffentlichkeit in diesem Sommer: Schneider ließ das Flugzeug des Thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn am Münchener Flughafen kurzerhand beschlagnahmen und für einen Monat festhalten, weil das Land noch Schulden bei dem Augsburger Bauunternehmen hatte. Erst als eine Garantiezahlung von 38 Millionen Euro auf einem Treuhandkonto einging, durfte die Boeing 737 weiterfliegen. Seitdem umweht den seriösen Verwalter der Hauch des Draufgängertums.

Zerschlagung, Verkauf, Abwicklung

Pragmatisch zeigte er sich 2004 beim vertrackten Insolvenzverfahren des Ulmer Unternehmens Kögel AG, einem Hersteller von Anhängern und Aufbauten für Lastwagen. Eine zunächst geplante Insolvenz in Eigenverwaltung scheiterte. Das operative Geschäft übertrug Schneider zähneknirschend an eine Investorengruppe rund um Thomas Haffa, den Gründer des skandalumwitterten Medienunternehmens EM.TV. So gingen die Aktionäre zwar leer aus, doch blieben 700 Arbeitplätze in Deutschland erhalten. Doch 2009 musste Kögel ein weiteres Mal Insolvenz anmelden. Schneiders Kanzlei-Partner Arndt Geiwitz verkaufte Kögel an den Augsburger Mittelständler Humbaur.

Zerschlagung, Verkauf, Abwicklung - das ist noch immer die vorherrschende Realität bei deutschen Firmenpleiten. Dabei existiert in Deutschland - nach dem Vorbild des amerikanischen Chapter 11 - schon seit 1999 die Möglichkeit, bei einer drohenden Schieflage frühzeitig einen Insolvenzplan zu erstellen, aus dem hervorgeht, wie das Unternehmen wieder Tritt fassen kann.

Dies geschieht normalerweise im Einvernehmen mit den Gläubigern. Der Amtsrichter kann dann die Fortführung des Unternehmens genehmigen - unter Umständen sogar in "Eigenverwaltung". In diesem Fall stellt das Gericht dem Management nur einen Sachwalter zur Seite, der ein prüfendes Auge darauf hat, wie die Schulden umstrukturiert und frische Mittel eingeworben werden. Das Ziel lautet: die Zerschlagung verhindern. Jetzt ist das deutsche Insolvenzrecht sogar nochmals weiter in Richtung Sanierung gedreht worden: Ende vergangener Woche billigte der Bundesrat eine weitere Reform der Insolvenzordnung, die noch stärker in diese Richtung geht: frühzeitige Insolvenz mit dem Ziel der Erhaltung.

Bald ein Fall fürs Lehrbuch?

Beim Druckmaschinenhersteller Manroland soll es möglichst so laufen, weswegen vom Gericht gleichzeitig mit Schneider der Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter für die Restrukturierung ernannt worden ist. Ob Schneider und Kebekus mit Manroland endlich einen Fall fürs Lehrbuch schaffen?

6500 Arbeitplätze sind in Gefahr. Der Insolvenzverwalter Schneider dürfte heute mit einem ganzen Stab an Mitarbeitern in Augsburg angerückt sein. Viel Arbeit wartet. Es gilt Banken und Altgesellschafter (Allianz Capital Partners und MAN) in die Pflicht zu nehmen, potentielle Investoren zu suchen, Landesregierungen zu Bürgschaften zu überreden. Doch zunächst muss Schneider den laufenden Betrieb aufrecht erhalten und schnell Verwertbares losschlagen.

Die Löhne werden zwar zunächst von der Arbeitsagentur bezahlt. Altlasten, teure Mietverträge oder Pensionsverpflichtungen wird man per Insolvenz los, Abfindungs- und Sozialplankosten sind niedriger. Die Kehrseite: Auch die Auftraggeber haben ein Sonderkündigungsrecht, und da sind die Konkurrenten schnell zur Stelle. Um Aufträge zu erhalten und neue hinzuzugewinnen, braucht man Bürgschaften der Banken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lieferanten ab Insolvenz nur noch gegen Vorkasse aktiv werden.

Spezialist mit Bodenhaftung

Doch für Schneider ist das täglich Brot. 1943 in Ulm geboren, hatte er Betriebswirtschaftslehre in Wien und Erlangen studiert. 1972 war er fertiger Steuerberater und machte in Augsburg und Ulm eigene Kanzleien auf. Nebenher arbeitete er als Assistent am Steuer-Lehrstuhl an der Universität Augsburg. 1979 sattelte er den Wirtschaftsprüfer-Abschluss drauf, ein Jahr später verlegte er seine Kanzlei nach Neu-Ulm.

1990 gründete er die WPS Revision und Treuhand GmbH. 1999 tat er sich mit Partnern zusammen und schuf die SKP Schneider & Partner als Spezialist für die Insolvenzverwaltung. Heute heißt die Kanzlei SchneiderGeiwitz und Partner mit Arndt Geiwitz als herausgehobenem Junior-Partner. Das Imperium hat heute nicht nur Büros in Neu-Ulm, Augsburg, München und Stuttgart, sondern insgesamt acht Standorte und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter.

Trotzdem scheint Schneider die Bodenhaftung nicht verloren zu haben, zeigt etwa im Kontakt zur Presse keinerlei Diva-Allüren und spielt in seiner Freizeit ein "stark verbesserungswürdiges Golf". Die wünschenswerten Eigenschaften eines Insolvenzverwalter beschrieb er einmal so: "Er muss unabhängig und gewissenhaft sein. Sein Handeln muss im Sinne der Gläubigerbefriedigung zielorientiert und darf nicht durch die Darstellung seiner eigenen Person begründet sein."

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