Großauftrag mit Ohrfeige Qatar Airways verhöhnt Airbus

Die Fluggesellschaft Qatar Airways hat den europäischen Flugzeughersteller Airbus öffentlich abgewatscht - und kurz darauf dennoch einen Großauftrag erteilt.
A320-Produktion in Hamburg: "Lernen, wie man Flugzeuge baut"

A320-Produktion in Hamburg: "Lernen, wie man Flugzeuge baut"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Dubai - Nach einem ungewöhnlichem Hickhack auf der Luftfahrtschau in Dubai bestellte die Gesellschaft des Golfemirats Katar am Dienstag fünf Exemplare des Großraum-Modells A380 sowie 50 Maschinen aus der spritsparenden Reihe A320neo. Der Auftrag hat einen Listenpreis von 6,5 Milliarden Dollar. Hinzu kommen 30 Optionen auf weitere A320neo-Maschinen.

Zuvor las Qatar-Chef Akbar Al Baker den Europäern aber die Leviten: Airbus müsse noch "lernen, wie man Flugzeuge baut", erklärte Al Baker ausgerechnet auf einer Veranstaltung des Erzrivalen Boeing , bei der er einen Vertrag für zwei Frachtflugzeuge des Typs 777 unterzeichnete und dieses Modell als "besten Frachter der Welt" lobte. "Wir sind in eine Sackgasse geraten", sagte Al Baker zu den Verhandlungen mit Airbus. "Wenn wir da herauskommen, fein. Wenn nicht - dann Tschüss." Kurz darauf wurde der Deal doch noch verkündet. Airbus-Verkaufschef John Leahy griff die Vorwürfe mit den Worten auf, Airbus lerne sehr schnell.

Al Baker ist bekannt für harte Worte - auch gegenüber Boeing - und hat wiederholt seiner Enttäuschung über verspätete Auslieferungen und seiner Unzufriedenheit mit dem Design des neuen Langstreckenjets A350 Luft gemacht. Die Konzernmutter EADS  hat erst in der vergangenen Woche das wichtigste Flugzeugprojekt um sechs Monate in die erste Jahreshälfte 2014 verschoben. Bereits das Großraumflugzeug A380 wurde erst mit mehrjähriger Verspätung ausgeliefert.

Unter welchen Zugeständnissen die beiden Seiten doch noch zu einer Einigung kamen, blieb zunächst offen. Die Kritik kommt für Airbus zur Unzeit, denn der Konzern setzt wie die US-Konkurrenz auf einen Nachfrageboom im Nahen Osten in den kommenden Jahren. Die Fluglinien der Region kaufen massiv Passagier- und Frachtflugzeuge, um den asiatischen und amerikanischen Markt zu bedienen.

Traditionell werden Branchentreffen wie die Dubai Air Show dazu genutzt, Geschäfte festzuzurren und dort bekanntzugeben. Zunächst machte aber am Sonntag Boeing mit dem größten Auftrag seiner Geschichte Furore. Emirates bestellte 50 Langstrecken-Maschinen des Typs 777 im Wert von 18 Milliarden Dollar.

Der Airbus-Verkaufsschlager A320 erfreut sich weiter großer Beliebtheit. Spirit Airlines unterzeichnete am Dienstag eine Kaufabsichtserklärung über insgesamt 75 Maschinen des Typs, darunter 45 der modernisierten Version A320neo. Der Auftrag hat ein Volumen von 6,7 Milliarden Dollar. Da sich der Kurz- und Mittelstreckenjet so gut verkauft, erwägt Airbus, die monatliche Produktionsrate auf 44 heraufzusetzen. Eine Entscheidung solle in Kürze fallen, sagte Verkaufschef John Leahy.

ak/rtr/dpa
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