Fresenius Dialysegeschäft verliert an Bedeutung

Der Gesundheitskonzern Fresenius bekommt die Abhängigkeit von seiner Dialysetochter FMC zu spüren. Da das Geschäft mit der Blutwäsche in Nordamerika weniger abwirft, hat Fresenius seine Umsatzprognose gesenkt. Die anderen Töchter scheinen sich aber vielversprechend zu entwickeln.
Fresenius-Chef Schneider: "Mit einem Konzernergebnis von 202 Millionen Euro und einer Ebit-Marge von 16 Prozent haben wir neue Höchstwerte erreicht"

Fresenius-Chef Schneider: "Mit einem Konzernergebnis von 202 Millionen Euro und einer Ebit-Marge von 16 Prozent haben wir neue Höchstwerte erreicht"

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Das jahrelang dominierende Dialysegeschäft verliert für den Gesundheitskonzern Fresenius zunehmend an Bedeutung. Die Blutwäsche-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) fuhr im dritten Quartal wegen staatlicher Sparmaßnahmen in den USA weniger Umsatz und Gewinn ein als von Anlegern erwartet.

Die Aktie von FMC verlor am Mittwoch rund zwei Prozent und war damit größter Verlierer im Leitindex Dax . Der Mutterkonzern Fresenius musste wegen der schwachen Entwicklung der Tochter FMC seine Umsatzprognose senken. Er rechnet im laufenden Jahr währungsbereinigt nur noch mit einem Erlösplus von 6 statt wie bisher von 7 bis 8 Prozent.

Freude bereiten Konzernchef Ulf Schneider dagegen die Krankenhaustochter Helios und der brummende Absatz von Nachahmermedikamenten in der Sparte Kabi. Schneider hob die Gewinnprognose für 2011 deshalb bereits zum dritten Mal in diesem Jahr an. Das Ergebnis soll nun in der oberen Hälfte des in Aussicht gestellten währungsbereinigten Anstiegs von 15 bis 18 Prozent liegen. Auch mit der Entwicklung des dritten Quartals zeigte sich der Manager zufrieden. "Mit einem Konzernergebnis von 202 Millionen Euro und einer Ebit-Marge von 16 Prozent haben wir neue Höchstwerte erreicht."

Amerika-Geschäft zeigt Schwächen

Analysten zeigten sich trotz der schwachen Entwicklung von FMC gnädig. Die Umsatz- und Margen-Entwicklung des weltgrößten Blutwäsche-Unternehmens sei zwar etwas enttäuschend, sagte Analyst Stefan Mühlbauer von Silvia Quandt Research. "Aber der Konzern arbeitet in einem sehr stark regulierten Markt - da gibt es hin und wieder Rückschläge." Auch die Integration der jüngsten Zukäufe habe FMC möglicherweise etwas gebremst.

Der Konzern begründete den Umsatzrückgang im wichtigsten Markt Nordamerika unter anderem mit geringeren Preisen für Dialysemedikamente. Diese Einbußen habe FMC durch einen höheren Absatz nicht völlig wettmachen können. Die US-Krankenversicherung Medicare rechnet Dialysebehandlungen seit Anfang 2011 pauschal ab - eine Umstellung, die Anfangs auch andere Anbieter wie DaVita belastete.

"Wichtiger als FMC ist aus meiner Sicht derzeit aber die Entwicklung von Helios und Kabi", betonte Analyst Mühlbauer. "Beide Bereiche entwickeln sich sehr gut und werden auch in Zukunft stark wachsen - dadurch wird die Bedeutung von FMC für den Gesamtkonzern weiter abnehmen." Die Kräfteverhälnisse im Gesamtkonzern werden damit auf Kopf gestellt. Jahrelang trug FMC einen Großteil zum Gewinn und Umsatz von Fresenius bei - eine Abhängigkeit, die viele Investoren kritisch sahen.

Fresenius-Umsatz fällt - Krankenhaustochter Helios setzt sich höhere Ziele

Von Juli bis Ende September ging der Umsatz von Fresenius leicht zurück auf 4,1 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte dagegen um rund fünf Prozent auf 202 Millionen Euro.

DZ-Bank-Analystin Christa Bähr sprach von "exzellenten operativen Ergebnissen". Auch künftig habe Fresenius als weltweit diversifizierter Gesundheitskonzern blendende Wachstumsperspektiven. Das Unternehmen aus Bad Homburg profitiert davon, dass in vielen westlichen Ländern die Zahl älterer und gebrechlicher Menschen zunimmt. Zudem steigt in vielen Schwellenländern wie China mit dem wachsenden Wohlstand auch die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleitungen.

Besonders gut läuft es derzeit in der Sparte Kabi, die im Vergleich zum starken Vorjahresquartal organisch erneut um 3 Prozent wuchs. Vor einem Jahr war Kabi wegen Produktionspannen der Konkurrenz im größten Pharmamarkt USA zeitweise der einzige Anbieter des Narkosemittels Propofol. Inzwischen gibt es dieses Monopolstellung nicht mehr. Allerdings profitiert Fresenius von Lieferengpässen bei rund 30 anderen Medikamenten.

Auch bei der Krankenhaustochter Helios, die zuletzt durch die Übernahme der Damp-Gruppe und des Katholischen Klinikums Duisburg Schlagzeilen machte, läuft es rund. Das Unternehmen, das neben Rhön-Klinikum und Asklepios zu den größten privaten Klinikbetreibern in Deutschland gehört, baute seinen Gewinn im dritten Quartal kräftig aus. Für das Gesamtjahr hob Helios seine Prognose leicht an und rechnet nun mit einem Betriebsgewinn (Ebit) von 260 bis 270 Millionen Euro.

mg/reu/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.