Pharma- und Chemiekonzern Merck haussiert nach Gewinnsprung

Gelungene Überraschung für die Investoren: Der Pharma- und Chemiekonzern Merck meldet für das dritte Quartal steigende Gewinne nach einem Verlust im Vorquartal. An der Börse schoss der Aktienkurs nach oben, die Jahresprognose für das operative Ergebnis hat der Konzern bestätigt.
Merck-Medikamentenherstellung: Investoren feiern den Gewinnanstieg mit einem Kursfeuerwerk

Merck-Medikamentenherstellung: Investoren feiern den Gewinnanstieg mit einem Kursfeuerwerk

Foto: DPA/ Merck

Darmstadt - Nach einem Verlust im zweiten Quartal hat der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern die Monate Juli bis September mit einem Gewinnanstieg abgeschlossen - und das trotz erneuter Abschreibungen im Arzneimittelgeschäft. An der Börse sorgten die Zahlen für ein Kursfeuerwerk. Der Überschuss verbesserte sich um 7,5 Prozent auf 227 Millionen Euro. Damit übertraf Merck  die Erwartungen von Analysten. Diese hatten mit einem kräftigen Rückgang gerechnet. Details zum Konzernumbau gab der Dax-Konzern nicht bekannt.

Merck treibe den Veränderungsprozess im Unternehmen weiter voran, sagte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley am Mittwoch in Darmstadt. Der im Sommer gesenkte Ausblick für das operative Ergebnis des laufenden Jahres wurde bestätigt. Die Umsatzerwartung dagegen erneut leicht gesenkt.

Merck-Aktie schießt an die Dax-Spitze

Bis zum Mittag hielten sich Merck-Aktien mit einem Plus von 6,60 Prozent auf 63,94 Euro an der Dax-Spitze. Analyst Volker Braun von der Commerzbank sprach von guten Zahlen, die er vor allem auf ein starkes Pharmageschäft zurückführte. LBBW-Analyst Karl-Heinz Scheunemann lobte die Laborsparte Millipore.

Merck steht nach den Enttäuschungen im Arzneimittelgeschäft mit der gescheiterten Zulassung des Multiple Sklerose-Mittels Cladribin und dem Aus für das Parkinson-Mittel Safinamid vor einer mühsamen Neuausrichtung. Es sei bekannt, dass es in der Arzneimittelsparte Merck Serono Veränderungsbedarf gebe, sagte Kley. "Wir wollen und wir können besser werden.ô Merck will die Schlagkraft von Forschung und Entwicklung erhöhen sowie Kosten sparen. Im ersten Halbjahr 2012 sollen Details folgen.

Ein personeller Neuanfang im Pharmageschäft, das 63 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt, wurde zum Jahresanfang mit Stefan Oschmann eingeläutet. Im Sommer folgte dann Matthias Zachert als neuer Finanzvorstand. Der frühere Roche-Manager Robert Yates übernahm die Leitung der Laborsparte Merck Millipore.

In der Sparte Consumer Health Care, in der Merck das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Mitteln wie Nasivin gebündelt hat, soll die Rentabilität weiter steigen. "Mit unserer einstelligen Marge liegen wir deutlich hinter den Wettbewerbern mit zehn, fünfzehn oder 20 Prozentô, sagte Zachert. An der Verbesserung will Merck in den kommenden zwei Jahren arbeiten. Ob die Sparte dann verkauft wird oder nicht, blieb offen. Ein Blick auf Konkurrenten wie Bayer , Boehringer Ingelheim oder den Pharmakonzern Novartis offenbart die Schwäche: Die Konkurrenz liefert operative Renditen von 15 bis 20 Prozent.

Operative Jahresprognose bestätigt, Umsatzerwartung gesenkt

Operativ hat Merck wegen gestiegener Forschungsausgaben und geringerer Umsätze im Pigmentgeschäft 333,3 Millionen Euro und damit 8,3 Prozent weniger als im Vorjahr verdient. Wie bereits im Vorquartal standen Abschreibungen in Millionenhöhe in der Bilanz, die zum Großteil das Arzneimittelgeschäft Merck Serono betrafen. Während der Umsatz in der Sparte stieg, sank der operative Gewinn um fast ein Fünftel.

Ein leicht besser als erwarteter Umsatz bei Merck Serono mit den beiden Medikamenten Rebif (Multiple Sklerose) und Erbitux (Krebsmittel) sowie ein Erlösplus bei Merck Millipore ließen den Konzernumsatz um fast vier Prozent auf 2,53 Milliarden Euro steigen.

Prognose für operatives Ergebnis bestätigt

In der Chemie brach das Geschäft der Sparte Performance Materials ein. "Bei den Pigmenten sehen wir die Zurückhaltung der Kunden wegen der Eurokrise", sagte Kley. Der Spartenumsatz gab nach und das operative Ergebnis brach um fast ein Viertel ein. Die Schwäche im Chemiegeschäft dürfte im vierten Quartal anhalten, sagte Finanzchef Zachert.

Merck bestätigte die im Sommer wegen Einmaleffekten von zuvor bis zu 1,6 Milliarden Euro auf rund einer Milliarde gesenkte Prognose für das operative Ergebnis (VJ: 1,11). Die Erwartung für den Konzernumsatz wurde gesenkt: Merck rechnet nun mit zehn bis 10,2 Milliarden Euro. Mit Vorlage der Halbjahresbilanz hatte das Management die Umsatzprognose von zuvor bis zu 10,7 Milliarden Euro auf bis zu 10,4 Milliarden Euro gekappt (Vorjahr: 9,29).

wed/dpa-afx
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