Schweizer Franken Roche leidet unter starker Währung

Der starke Franken sowie schleppende Verkäufe des Krebsmedikaments Avastin belasten den Schweizer Pharmakonzern Roche. Dennoch bestätigte das Unternehmen den Gewinnausblick für das ganze Jahr.
Roche: Probleme mit der starken Heimatwährung

Roche: Probleme mit der starken Heimatwährung

Foto: CHRISTIAN HARTMANN/ REUTERS

Basel - Der starke Franken und geringere Erlöse mit dem Krebsmittel Avastin haben den Schweizer Pharma- und Diagnostik-Konzern Roche  in den ersten neun Monaten erneut ausgebremst. Am Umsatzrückgang hatte zwar die starke Aufwertung des Frankens den größten Anteil, doch auch die Umsatzverluste beim bisherigen Bestseller Avastin trugen zur Schwäche bei. Der Konzernumsatz des weltgrößten Herstellers von Krebsmedikamenten sank um 13 Prozent Prozent auf 31,5 Milliarden Franken (rund 25,5 Milliarden Euro), wie der Konkurrent von Novartis  am Donnerstag mitteilte. An der Börse sorgte die Bilanz für einen deutlichen Kursrückgang.

Damit lag Roche leicht unter Markterwartungen. Bereinigt um Wechselkurseffekte stagnierten die Erlöse wie bereits in den ersten sechs Monaten. Würde Roche, wie die meisten internationalen Konkurrenten seine Zahlen in Dollar ausweisen, wäre der Umsatz dagegen um sechs Prozent gestiegen, sagte Konzernchef Severin Schwan. Der Manager zeigte sich ungeachtet der Belastungen durch staatliche Sparmaßnahmen in Europa, den USA und Japan zuversichtlich: "Die solide Umsatzentwicklung in den ersten neun Monaten entspricht den Erwartungen. Damit werden wir die für 2011 gesteckten Ziele erreichen", sagte der Roche-Chef in einer Telefonkonferenz.

Im laufenden Geschäftsjahr sollen der Konzern wie die Pharmasparte in Lokalwährungen ein Verkaufswachstum im unteren einstelligen Bereich ausweisen. Für das kleinere Diagnostika-Geschäft mit Produkten rund um die Blutzuckerkrankheit und Tests auf Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs wird ein deutlich über dem Marktwachstum liegendes Plus erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll rund zehn Prozent in Lokalwährungen zulegen, bestätigte Schwan die im Sommer angehobene Gewinnprognose.

In den ersten neun Monaten ging der Umsatz im größten Konzernbereich Pharma um 14 Prozent auf 24,4 Milliarden Franken zurück. Der Umsatz mit dem zweitwichtigsten Krebsmittel Avastin sank um acht Prozent auf 3,94 Milliarden Franken. Dies wird auf die Unsicherheiten für Avastin bei metastasierender Brustkrebs in den USA und auf die Auswirkungen der Sparbemühungen in Europa zurück geführt. Hingegen habe das Medikament in den Wachstumsmärkten und in Japan ein "gutes Wachstum" verzeichnet. Schwan traut dem Mittel einen Spitzenumsatz von sieben Milliarden Franken zu. Hauptwachstumsträger war das Krebsmittel MabThera/Rituxan, das Roche 4,4 Milliarden Franken in die Kassen spülte.

Harsche Reaktion der Börse

An der Börse verlor das Roche-Papier in den ersten Handelsminuten 2,4 Prozent auf 144 Schweizer Franken. Einige Analysten zeigten sich von der Erlösentwicklung enttäuscht. Insbesondere bei den drei umsatzstärksten Medikamenten Avastin, Rituxan und Herceptin seien die Konsensschätzungen im dritten Quartal klar verfehlt worden.

Mit dem Ende 2010 beschlossenen Sparprogramm kommen die Schweizer weiter gut voran. Finanzchef Alan Hippe stellte für 2011 unverändert Einsparungen von 1,8 Milliarden Franken in Aussicht. Ab 2012 sollen es jährlich 2,4 Milliarden Franken sein. Rund 4.800 Stellen werden gestrichen. Die Kosten für das Sparprogramm bezifferte Roche auf insgesamt rund 2,7 Milliarden Franken. Die Synergien aus der Komplettübernahme der Biotech-Tochter Genentech veranschlagte Hippe für 2011 weiterhin auf 1,0 Milliarden Franken.

Roche ist im Gegensatz zu Konkurrenten wie dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis weniger von Patentabläufen für wichtige Medikamente betroffen, leidet wie die Wettbewerber aber unter den Sparbemühungen der Regierungen. Diese wollen nicht mehr so viel Geld für teure Medikamente ausgeben. Dafür sollen vermehrt billigere Generika (Nachahmermedikamente) verschrieben werden. Roche ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, welche Rolle Forschung und Entwicklung für den Erfolg der Pharmakonzerne spielt. Neue Krebsmedikamente, vor allem aus den Labors von Genentech, haben den Schweizern im vergangenen Jahrzehnt zu kräftigem Wachstum verholfen. Misserfolge wie ungünstige Testresultate für Avastin in der Brustkrebstherapie machten sich zuletzt jedoch negativ in der Bilanz bemerkbar.

got/dpa-afx/rtr
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