Streikwelle in der deutschen Industrie Eon und Airbus stehen vor Streiks

In der deutschen Industrie rollt die nächste Streikwelle. Verdi droht Eon mit einem Streik wegen des geplanten Stellenabbaus. Und bei Airbus scheiterten am Nachmittag die Tarifverhandlungen. Die EADS-Tochter erwägt Standorte in Deutschland zu schließen.
Die Gewerkschaft Verdi droht Eon mit Warnstreiks

Die Gewerkschaft Verdi droht Eon mit Warnstreiks

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Hamburg - Der Streit um den geplanten massiven Stellenabbau beim größten deutschen Energiekonzern Eon  spitzt sich zu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das Vorgehen des Managements am Mittwoch scharf kritisiert und schließt einen Streik nicht mehr aus.

Der Strom- und Gaskonzern will mittelfristig weltweit bis zu 11 000 Arbeitsplätze streichen, hat bislang aber noch keine Details genannt. Vor allem in München, Hannover und Düsseldorf bangen Mitarbeiter um ihre Jobs. Eon beschäftigt im In- und Ausland rund 85 000 Menschen.

Für die kommende Woche kündigte Verdi eine Sitzung der Tarifkommission an, auf der über den Abschluss eines konzernweiten Beschäftigungssicherungsvertrages bei Eon beraten werden soll. Dieser sehe den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen vor. Bei der Durchsetzung dürften auch Streiks nicht ausgeschlossen werden, sagte Verdi-Bundesvorstand Sven Bergelin am Mittwoch in Düsseldorf.

Nach der Atomwende und den Geschäftseinbrüchen im Inland hat Konzernchef Johannes Teyssen dem Unternehmen einen rigiden Sparkurs verordnet. Über konkrete Maßnahmen will Eon in den nächsten Wochen entscheiden. Ein Konzernsprecher bestätigte, dass Teyssen und Personalchefin Regina Stachelhaus an einer Ausschusssitzung von Verdi teilgenommen hätten. Zu den Inhalten wollte er aber keine Angaben machen.

Eon-Mitarbeiter misstrauen dem Management

Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" (Mittwoch), soll Stachelhaus auf dieser Sitzung unter anderem eine "ausgewogene Dotierung der Sozialpläne" versprochen haben. Außerdem wolle das Unternehmen mit einer Transfergesellschaft helfen, dass Beschäftigte in anderen Unternehmen neue Arbeit fänden. Konzerninterne Versetzungen und Frühpensionierungen werden nach ihrer Ansicht nicht ausreichen, um die Sparziele zu erreichen.

"In einzelnen Unternehmensteilen herrscht Panik, blanke Angst", sagte Verdi-Bundesvorstand Erhard Ott. Es sei nur der Instrumentenkasten für den Personalabbau geöffnet worden, rügte der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Vorsitzender des Eon-Aufsichtsrates ist. Bei den rund 100 Verdi-Vertrauensleuten sei das Management auf eine "hohe Ablehnung und Widerspruch" gestoßen.

Die Ratingagentur Moody's stufte Eons Kreditwürdigkeit am Mittwoch herab. Die Bewertung der Bonität werde von "A2" auf "A3" runtergesetzt, teilte die Agentur in New York mit. Der Ausblick ist laut Moody's "stabil". Es ist also mittelfristig nicht mit einer weiteren Änderung zu rechnen. Moody's verwies auf den Atomausstieg, die Brennelementesteuer sowie an den Ölpreis gebundene Gaslieferverträge und niedrigere Stromerlöse, die allesamt das Eon-Ergebnis und damit auch die Kreditwürdigkeit belasteten. Das Sparprogramm sei in der Beurteilung bereits berücksichtigt.

Warnstreiks auch bei Airbus

Auch der Flugzeugbauer Airbus muss mit einem Warnstreik rechnen. Die Tarifverhandlungen sind am Mittwoch erneut ohne Ergebnis abgebrochen worden. "Durch die im Vorfeld ausgesprochenen Drohungen mit einer Produktionsverlagerung waren heute keine konstruktiven Verhandlungen möglich", sagte der Verhandlungsführer und IG Metall-Tarifsekretär Daniel Friedrich.

Damit wird es bei der EADS-Tochter voraussichtlich zu Warnstreiks kommen, die bereits in der vergangenen Woche beschlossen worden waren. Die Tarifkommission der Arbeitnehmerseite will innerhalb der nächsten Tage über den Zeitpunkt entscheiden.

Der Tarifkonflikt bei Airbus hatte sich nach monatelangen ergebnislosen Verhandlungen in der vergangenen Woche zugespitzt. Zuletzt hatte Airbus beklagt, die Auseinandersetzung gefährde den Produktionsplan des Unternehmens, weshalb über Alternativen wie die Verlagerung von Produktionsstandorten nachgedacht werden müsse.

In Deutschland sind rund 16.000 Airbus-Beschäftigte an den vier Standorten Bremen, Buxtehude, Hamburg und Stade betroffen.

ms/dpa-afx/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.