Trotz Schuldenkrise Deutsche Maschinen weiter gefragt

Der deutsche Maschinenbau strotzt vor Zuversicht. Ungeachtet der schwachen Weltkonjunktur bestellt die Industrie weiter eifrig Maschinen und Anlagen. Im August gingen bei den Unternehmen real 14 Prozent mehr Aufträge ein als vor einem Jahr. Der Verband VDMA bleibt für 2012 optimistisch.
Druckmaschinen aus Dresden: Der deutsche Maschinenbau ist mit seinem laufenden Geschäft zufrieden und zeigt sich optimistisch für das Jahr 2012

Druckmaschinen aus Dresden: Der deutsche Maschinenbau ist mit seinem laufenden Geschäft zufrieden und zeigt sich optimistisch für das Jahr 2012

Foto: dapd

Frankfurt am Main - "Die Stimmung im Maschinen- und Anlagenbau ist unverändert gut", sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Dienstag in Frankfurt. Die Umsätze bewegten sich auf einem hohen Niveau, die Auftragseingänge würden nicht abreißen. Zudem stelle die Branche weiter Personal ein: "Es gibt wirklich keinen Grund zu klagen."

Vor allem die Inlandskunden investierten im August kräftig: Das Deutschlandgeschäft stieg auf Jahressicht um 22 Prozent. Das zeige, dass deutsche Unternehmer weiterhin extrem zuversichtlich sind, sagte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann.

Dagegen fiel das Nachfrageplus aus dem Ausland mit 9 Prozent deutlich kleiner aus: "Nicht zuletzt, da die Aufträge aus den Euro-Partnerländern im traditionellen Ferienmonat August ihr Vorjahresniveau knapp verfehlten", sagte Wiechers. Aber auch die schwache Konjunktur in den Euro-Krisenländern sorgte dafür, dass die Ordereingänge aus der Eurozone drei Prozent unter Vorjahr lagen.

Geschäft mit Griechenland bricht ein - Ausblick bleibt positiv

Das Geschäft mit den kleinen Euro-Krisenländern brach ein: Die Exporte nach Griechenland purzelten im ersten Halbjahr um 34 Prozent, die Ausfuhren nach Portugal um 21 Prozent. Das Exportminus in die größeren Partnerländer Spanien (-1 Prozent) und Italien (-0,4 Prozent) blieb jedoch überschaubar. Hingegen zogen die Exporte nach Frankreich - dem nach China und den USA drittgrößten Markt der deutschen Maschinenbauer - sogar kräftig um 18 Prozent an.

In dem von Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Juni bis August 2011 ergibt sich bei den Auftragseingängen ein Plus von 8 Prozent im Vorjahresvergleich - bei den Inlandsaufträgen ein Plus von 8 Prozent und bei den Auslandsaufträgen ein Plus von 7 Prozent. Die Bestellungen zeigten sich unbeeindruckt von allen politischen und Finanzmarkt-Turbulenzen, sagte Wiechers. Die August-Zahlen sind auch deshalb von besonderer Bedeutung, da in diesem Monat der Kurssturz an den Börsen mit voller Wucht einsetzte.

Der VDMA sieht sich durch die neuesten Zahlen in seiner Wachstumprognose bestätigt, nach der die Produktion 2011 um 14 Prozent zulegen wird. "Stand Juli haben wir einen Zuwachs von über 16 Prozent", betonte Wiechers. Zwar gingen die Belastungen durch die Euro-Schuldenkrise nicht spurlos an den Unternehmen vorbei. "Gleichwohl sind wir optimistisch."

2012 werde die Produktion nochmals um 4 Prozent steigen und damit das Vorkrisenniveau von 2008 übertreffen: "Die Unternehmen haben gute Auftragsbestände von fast einem halben Jahr. Die Dynamik in den Auftragseingängen ist bislang ungebrochen. Insofern denken wir, dass wir ein neues Rekordjahr im nächsten Jahr schreiben werden."

Ziel von 20.000 neuen Stellen in diesem Jahr wird wohl erreicht

Auch die Zahl der Beschäftigten werde wie vorhergesagt steigen. Der Verband hatte für das laufende Jahr 20.000 neue Stellen im Maschinenbau vorhergesagt. "Es sieht gut aus, dass dieses Ziel erreicht wird", sagte Wortmann. Mit 929.000 Beschäftigten Ende Juli fehlten nur noch 4000 der angestrebten neuen Jobs.

Skeptischer beurteilt die Deutsche Bank die Aussichten der Branche: "Die Irritationen rund um die Eurokrise und der bis dato nur mäßige Erfolg der Politik hinsichtlich der Krisenbewältigung erzeugen ... zusehends Unsicherheiten nicht nur in der Finanzwirtschaft, sondern auch seitens potenzieller Investoren in der Realwirtschaft", schreibt das Institut in einer Analyse.

Das Auslandsgeschäft werde infolge der nachlassenden Dynamik in der Weltwirtschaft hinter den Erwartungen zurückbleiben, zumal mit Frankreich, Italien und den USA drei der fünf wichtigsten Exportländer der deutschen Maschinenbauer Anlass zur Sorge gäben: Diese Schwäche könne China allein nicht auffangen.

rei/dpa
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