Knappe Ressourcen Rohstoffrisiken bedrohen deutsche Firmen

Unternehmen in der Rohstofffalle: Jeder zweite Mittelständler in Deutschland rechnet damit, dass knappe Ressourcen und schwankende Rohstoffpreise zu Einbußen führen. Dennoch sind die meisten nicht gegen die Risiken abgesichert - viele verlassen sich auf ihre Innovationskraft. Ein gefährlicher Kurs.
Deutsche Industrie: Knappe Rohstoffe und starke Preisschwankungen bremsen das Wachstum

Deutsche Industrie: Knappe Rohstoffe und starke Preisschwankungen bremsen das Wachstum

Foto: dapd

Hamburg - Knappe Rohstoffe, stark schwankende Preise, zunehmende Spekulation auf den Weltfinanzmärkten mit Rohstoffen: Fast die Hälfte der mittelständischen Unternehmen in Deutschland geht davon aus, dass der weltweit steigende Bedarf an natürlichen Ressourcen die Wirtschaftsleistung in Deutschland bremsen wird.

Das größte Problem für viele Unternehmen sind dabei nicht einmal die geringer werdenden Vorräte: Schwerer wiegen für viele die Finanzspekulationen an den Rohstoffmärkten sowie instabile Verhältnisse in den Förderländern, da beide Faktoren kaum zu kalkulieren sind. Dies ist das Ergebnis der Studie "Rohstoffe und Energie: Risiken umkämpfter Ressourcen" der Initiative UnternehmerPerspektiven. Für die Studie hat die Commerzbank rund 4000 Unternehmen in Deutschland zum Thema Rohstoffrisiken befragt.

Vor allem die zunehmenden Spekulationen an den Rohstoffmärkten bereiten neun von zehn der Befragten Sorgen. Eine überwältigende Mehrheit sorgt sich auch um die weltweit steigende Nachfrage sowie um die politische Stabilität in den rohstoffreichen Ländern. Dennoch zeigen sich die befragten Mittelständler sehr pragmatisch: Sie erwarten von der Politik nicht so sehr, dass diese ihre Interessen im Ausland vertritt und den Zugang zu Rohstoffen sichert. Sie erwarten stattdessen, dass Innovation und Forschung gefördert werden, so dass die Unternehmen aus eigener Kraft ihre Probleme meistern können.

Viele Unternehmen vertrauen weiterhin auf ihre Ingenieurskunst und ihre Innovationskraft, um mit der Herausforderung knapper Rohstoffe fertig zu werden. Mehr als die Hälfe der Befragten glaubt, dass sich die Knappheit und die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie als Innovationstreiber erweisen werden. Der deutsche Mittelstand setzt darauf, mit den Themen Energieeffizienz und dem Ersatz natürlicher Rohstoffe auf dem Weltmarkt punkten zu können.

Röttgen: Regierung will Rohstoff- und Energieeffizienz vorantreiben

"Deutschland ist ein rohstoffarmes Land", sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen am Donnerstag während der Vorstellung der Studie. "Wir haben in Deutschland aber mit Innovationsfähigkeit und Kreativität die entscheidenden intellektuellen Ressourcen, um mit den knapper werdenden Ressourcen effizienter zu wirtschaften". Dieser Technologievorsprung, so Röttgen, sei eine wichtige "Rohstoffquelle" des Landes. Die Bundesregierung wolle daher ein nationales "Ressourceneffizienzprogramm" entwickeln: Effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen, nachhaltiger Rohstoffabbau, langlebiges Produktdesign und ein materialeffizienter Produktionsprozess seien Bestandteile des Programms, das sich auf die gesamte Wertschöpfungskette erstrecken soll.

Deutsche Ingenieurskunst ist umso stärker gefragt, weil klassische Mittel möglicherweise nicht mehr ausreichen werden, um mit steigenden und stark schwankenden Rohstoffpreisen fertig zu werden. Ein Großteil der im Rahmen der Studie befragten Unternehmen setzt weiterhin darauf, steigende Rohstoffpreise an die Kunden oder an die Zulieferer weiterreichen zu können. "Es ist fraglich, ob diese Strategie allein ausreicht, um die Rohstoffrisiken in den Griff zu bekommen", sagt Commerzbank-Vorstand Markus Beumer im Gespräch mit manager magazin Online.

Der Mittelstand versucht, steigende Kosten und Preisrisiken im Absatz weiterzugeben. Nur wenige mittelständische Unternehmen nutzen derzeit Finanzinstrumente, um sich gegen Rohstoffrisiken abzusichern.

Firmen fürchten Absicherungsgeschäfte ebenso wie die Rohstoffrisiken selbst

Das Misstrauen gegenüber solchen Absicherungsgeschäften wie Swaps, Termin- oder Optionsgeschäften ist bei deutschen Unternehmen weiterhin groß. Rund die Hälfte der Befragten halten diese Strategien für zu teuer, zu komplex oder zu riskant. Auch dies ist ein Ergebnis der Studie: Finanzinstrumente zur Absicherung gegen Rohstoffrisiken fürchtet der Mittelstand fast genauso sehr wie die Rohstoffrisiken selbst.

Um dieses Problem zu lösen, sollten die Banken stärker mit den Einkaufs- und Beschaffungsabteilungen der Unternehmen zusammenarbeiten: "Wir müssen die zur Absicherung nötigen derivativen Finanzinstrumente aus ihrem Schattendasein herausholen", sagt Beumer.

Im Zins- und Währungsbereich zum Beispiel nutzen bereits viele Unternehmen solche Instrumente zur Absicherung. Beim Thema Rohstoffe kommen die Derivate dagegen nur selten zum Einsatz: "Und dass, obwohl die Schwankungen bei Rohstoffpreisen deutlich größter sind als an den Währungs- und Zinsmärkten." Eine Absicherung gegen Preisrisiken, so Beumer, sei für die Zukunft der deutschen Unternehmen ebenso wichtig wie ein weiterer Technologiesprung zur effizienteren Nutzung von Rohstoffen und Energie.

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