Schienenkartell Voestalpine bietet Bahn Schadensersatz an

Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine will die Deutsche Bahn wegen Kartellabsprachen auf dem deutschen Schienenmarkt entschädigen. Grund für die Kooperationsbereitschaft sei, dass die Österreicher bei der Ausschreibung des Schienenbedarfs der Bahn für das kommende Jahr mitbieten.
Schienenfreunde: Nach Darstellung der Bahn hat das Unternehmen um bis zu 20 Prozent überhöhte Preise an das Herstellerkartell gezahlt - nun wird über Rückzahlungen verhandelt

Schienenfreunde: Nach Darstellung der Bahn hat das Unternehmen um bis zu 20 Prozent überhöhte Preise an das Herstellerkartell gezahlt - nun wird über Rückzahlungen verhandelt

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Berlin - Voestalpine habe dem Logistikkonzern eine umfassende Aufklärung über die Machenschaften des Schienenkartells sowie eine zügige Entschädigung in Aussicht gestellt, berichtet das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf Branchenkreisen. Voestalpine wollte sich der Zeitung gegenüber nicht äußern.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das manager magazin darüber berichtet, dass auch dem Industriekonzern ThyssenKrupp eine Schadenersatzklage der Deutschen Bahn droht.

Grund für die Kooperationsbereitschaft von Voestalpine sei, dass die Österreicher bei der Ausschreibung des Schienenbedarfs der Bahn für das kommende Jahr mitbieten, so das Handelsblatt. Der Auftrag hat einen Wert im dreistelligen Millionenbereich. Dabei wolle die Bahn schwarze Schafe ausschließen. Die Bieter müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie sich nicht an illegalen Preisabsprachen beteiligt haben.

Um den Zuschlag bemühen sich neben Voestalpine auch Tata Steel und ArcelorMittal. Voestalpine ist Marktführer bei Bahnschienen. Sollte der Konzern beim neuen Auftrag leer ausgehen, sei die Auslastung der Werke in Gefahr, schreibt die Zeitung.

ThyssenKrupp wird sich dem Vernehmen nach nicht an der Ausschreibung beteiligen. Deshalb hat es der Konzern auch nicht so eilig, den Kartellfall mit der Bahn zu klären. Eine Tochter hatte sich an den illegalen Absprachen beteiligt.

Staatsanwaltschaft und Bundeskartellamt ermitteln derzeit gegen 30 Firmen und 90 Verdächtige. Sie sollen seit Jahren unter dem Namen "Schienenfreunde" Preise illegal abgesprochen haben. Dadurch soll die Bahn als Hauptgeschädigte nach eigenen Angaben um bis zu 20 Prozent überhöhte Preise gezahlt haben. Zudem laufen interne Ermittlungen bei ThyssenKrupp. Einige Manager wurden bereits gefeuert.

Die Bahn hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, noch in diesem Jahr eine erste Einigung über Schadensersatzzahlungen mit einem Mitglied des Kartells zu erzielen. Der Konzern beziffert den Schaden vorsichtig auf einen dreistelligen Millionenbetrag, Berichten zufolge soll er sich sogar auf eine Milliarde Euro belaufen.

la/dpa-afx
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