Boeing 787 Premiere für den Pannenflieger

Der Dreamliner kommt - mit drei Jahren Verspätung. Boeing liefert das erste Modell des Großflugzeugs 787 an die All Nippon Airways aus. Der erste Langstreckenflug soll Tokio und Frankfurt verbinden. Boeing meldet eine Rekordzahl an Bestellungen und verspricht eine straffere Produktion.
Startbereit: ANA-Dreamliner vor den Boeing-Werkshallen in Everett, US-Staat Washington

Startbereit: ANA-Dreamliner vor den Boeing-Werkshallen in Everett, US-Staat Washington

Foto: ROBERT SORBO/ REUTERS

Everett (Washington) - Mehr als drei Jahre nach dem ursprünglichen Termin liefert der US-Luftfahrtkonzern Boeing den ersten "Dreamliner" aus. Die erste Maschine geht am Montag an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA), die schon seit Jahren auf ihre Visitenkarten das 787-Logo und den Spruch "We Fly 1st" (Wir fliegen als erste) druckt. Der Zeitplan für die Auslieferung musste unter anderem wegen einer Pannenserie bei der Produktion immer wieder korrigiert werden.

Die Auslieferung des Flugzeugs an ANA als ersten Kunden war ursprünglich für Sommer 2008 geplant. Mitte November soll die Boeing 787 nun auf der Inlandsstrecke von Tokio nach Okayama-Hiroshima eingesetzt werden. Der erste Langstreckenflug ist für Januar zwischen Tokio und Frankfurt am Main geplant. Nach den ursprünglichen Planungen hätte die neue Boeing 787 schon vor drei Jahren Passagiere transportieren sollen.

Das zweistrahlige Flugzeug zeichnet sich durch einen hohen Anteil an innovativer Technik aus. Unter anderem wurde der Anteil der Kohlefaserteile gegenüber dem Metallanteil erheblich erhöht, was eine Treibstoffersparnis gegenüber den derzeitigen Flugzeugen dieser Größe von bis zu 20 Prozent bringen soll.

Es gingen schon mehr als 800 Vorbestellungen aus aller Welt bei Boeing  für den "Dreamliner" ein, mehr als für jedes andere neue Flugzeug, das das Unternehmen auf den Markt gebracht hatte. Boeing-Rivale Airbus hofft auf baldige Markteinführung seines Konkurrenzmodells, den A350.

Auslagerung von Produktion als teuerster Fehler der Luftfahrtgeschichte

Boeing will noch dieses Jahr 25 bis 30 Maschinen des Typs 787 und 747-8 ausliefern. Wann der "Dreamliner" Gewinn einfliegt, ist unklar. 2009 musste der Konzern eine Vorsteuerbelastung von 2,5 Milliarden Dollar (knapp 1,9 Milliarden Euro) in die Bilanz aufnehmen, zudem muss Boeing wegen der Lieferverzögerungen Vertragsstrafen zahlen.

"Wir werden niemals wieder so große Arbeitsanteile ausgliedern wie bei der 787", versprach Verkehrsflugzeug-Chef Jim Albaugh im Juni öffentlich. Was Kosten einsparen sollte, erwies sich als - wie es "Die Zeit" nannte - wohl teuerster Fehler der zivilen Luftfahrtgeschichte. Die Partner waren mit dem modernen Kunststoff überfordert, lieferten Teile zu spät oder falsch. Zudem klappten die Absprachen bei diesem Megapuzzle mehr schlecht als recht.

Konkurrent Airbus hat die Pannenserie der Amerikaner gespannt verfolgt - und daraus gelernt. So behält der Hersteller die Zügel bei seinem deutschen Zulieferer Premium Aerotec in der Hand, den er eigentlich verkaufen wollte. Doch in dessen Augsburger Werk entstehen seit einigen Monaten die ersten Karbonfaser-Rumpfteile für den A350, das "Dreamliner"-Gegenstück der Europäer. Die ungestörte Produktion habe Priorität, erklärte der Chef des Mutterkonzerns EADS , Louis Gallois.

Airbus weiß selbst, was es heißt, hinter dem Zeitplan herzuhinken. Nicht nur, dass der erste Entwurf für den A350 bei den Kunden durchfiel. Der doppelstöckige A380 und der Militärtransporter A400M bereiteten den Europäern ebenso Kopfzerbrechen, weil sich die Technik auch bei diesen modernen Jets nur mühsam in den Griff kriegen ließ. Erfolge feiert Airbus derzeit mit den kleineren Flugzeugen der Klasse A320, die mit geringem Zusatzaufwand als Sprit sparende Variante A320neo vermarktet werden.

ak/dapd/dpa
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