Mittwoch, 22. Mai 2019

Schienenkartell ThyssenKrupp droht hohe Schadensersatzklage

Schienenfreunde: Nach Darstellung der Bahn hat das Unternehmen um bis zu 20 Prozent überhöhte Preise an das Herstellerkartell gezahlt - nun wird über Rückzahlungen verhandelt

Der Essener Industriekonzern ThyssenKrupp ist tiefer in den Skandal um die sogenannten Schienenfreunde verwickelt als bislang bekannt. Dem Konzern droht nun eine Schadensersatzklage seitens der Deutschen Bahn.

Hamburg - ThyssenKrupp war Hauptnutznießer des Kartells von Schienenherstellern, berichtet das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe, die ab Freitag (23. September) erhältlich ist. Laut dem Bericht soll eine Tochter von ThyssenKrupp rund die Hälfte der Jahresmenge, die das Kartell zwischen 2002 und 2009 kontrollierte, abgedeckt haben. Dem Konzern droht nun eine Schadensersatzklage seitens der Deutschen Bahn.

Insgesamt sollen rund 30 Unternehmen an dem Kartell beteiligt gewesen sein. Die Gruppe hatte offenbar jahrelang die Preise für Schienenlieferungen an den Großkunden Deutsche Bahn abgesprochen.

Nach Darstellung der Deutschen Bahn hat das Logistikunternehmen deswegen um bis zu 20 Prozent überhöhte Preise gezahlt. Der hohe Anteil von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen kommt dadurch zustande, dass der Konzern in Deutschland auch die Schienen des österreichischen Stahlunternehmens Voestalpine auf eigene Rechnung vermarktete.

In einem Interview mit dem Magazin sagte Gerd Becht, Compliance-Vorstand der Deutschen Bahn, dass die Bahn bereits "intensive Gespräche mit kartellbeteiligten Unternehmen" über mögliche Ausgleichszahlungen führe. "Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr eine erste Einigung über Schadensersatzzahlungen mit einem Kartellanten erzielen können", sagte Becht. "Wir wären dann sogar schneller als Staatsanwaltschaft und Bundeskartellamt, denn eine Bußgeldentscheidung ist in diesem Fall nach unserer Einschätzung kaum vor Ende 2012 zu erwarten."

Zu dem ihr entstandenen Gesamtschaden macht die Deutsche Bahn bislang nur vage Aussagen. "Aus unserer Sicht scheint ein dreistelliger Millionenbetrag realistisch", sagte Becht.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung