Freitag, 21. Februar 2020

Lichttochter Siemens verschiebt Osram-Börsengang

Der Börsenkandidat Osram könnte noch eine Weile Kandidat bleiben.

Der Siemens-Konzern muss sich den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten geschlagen geben. Der für diesen Herbst geplante Börsengang der Lichttochter Osram wird bis auf weiteres verschoben.

München - An den Plänen werde jedoch unverändert festgehalten, hieß es in der am Mittwoch in München veröffentlichten Mitteilung. Die Entschiedenheit hat ihren Grund: Der Börsengang ist Teil des von Siemens-Chef Peter Löscher im März eingeleiteten Konzernumbaus. Er sieht neben der Loslösung von Osram den zügigen Aufbau eines vierten Geschäftsbereichs namens "Infrastructure & Cities" für Infrastrukturlösungen in den weltweit stark wachsenden Städten vor.

Osram und das Chemieunternehmen Evonik hätten in diesem Herbst die größten Börsenneuzugänge seit dem Boomjahr 2000 werden sollen. Damals erlösten die Siemens-Halbleitertochter Infineon und die Deutsche Post jeweils mehr als 5 Milliarden Euro für ihre Aktien. Im Falle eines Verkaufs von rund 50 Prozent waren Analysten von mindestens 3 Milliarden Euro Erlös für Osram ausgegangen - als die Stimmung an den Börsen noch gut war. Auch Evonik zieht nach Angaben aus Finanzkreisen einen Rückzug in Betracht.

Der Siemens-Vorstand entschied am Mittwoch: "In Anbetracht des hochvolatilen Umfelds an den Kapitalmärkten und möglicher Wirkungen auf das Branchenumfeld" solle Osram zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse gebracht werden. Der Konzern strebe jedoch nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an und beabsichtige, als Ankeraktionär langfristig an Osram beteiligt zu bleiben.

Osram soll sich seine Zukunft selbst verdienen

Osram benötigt Geld für den notwendigen Ausbau der modernen Leuchtdioden-Technik. Geld, das Löscher lieber in den Aufbau seines neuen Geschäftsfelds steckt, von dem er sich Milliardeneinnahmen verspricht. 16,5 Milliarden Euro Jahresumsatz will er damit künftig machen und 81.000 Mitarbeiter beschäftigen. Deshalb sägt er an den Wurzeln des deutschen Traditionsunternehmens. Osram soll sich seine Zukunft selbst verdienen.

Wolfgang Dehen, der als neuer Vorstandsvorsitzender den Börsengang vorbereiten sollte, konnte sich vor wenigen Woche noch gar nichts anderes als die Aufnahme in den wichtigsten deutschen Börsenindex Dax Börsen-Chart zeigen für Osram vorstellen. Bereits seit Wochen hatten die Turbulenzen an den Finanzmärkten den Börsengang in Frage gestellt.

Siemens-Chef Löscher hielt nach außen hin aber scheinbar unerschrocken daran fest: Die Vorbereitungen seien "völlig im Zeitplan", hatte er Ende Juli anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen gesagt. Wann aus den Vorbereitungen Tatsachen werden sollen, blieb zunächst im Dunkeln. Einen neuen Zeitpunkt nannte Siemens nicht.

la/dpa-afx

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