ThyssenKrupp Xervon-Verkauf ist nur ein kleiner Schritt

Mit dem Verkauf der Dienstleistersparte Xervon treibt ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Umbau des Traditionskonzerns voran. Die entscheidenden Schritte stehen allerdings noch bevor: Das Edelstahlgeschäft soll verkauft und der Konzern fit für die Zukunft gemacht werden.
Von Moritz Seidel
ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger: Der ehemalige Siemens-Manager will die Technologiesparte ausbauen und sich auch von der Edelstahlsparte trennen

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger: Der ehemalige Siemens-Manager will die Technologiesparte ausbauen und sich auch von der Edelstahlsparte trennen

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Essen - Durch den Verkauf der Dienstleistertochter Xervon an das Entsorgungsunternehmen Remondis kommt der Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen Krupp mit dem Umbau voran. "Das ist aber nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung", erklärt UniCredit-Analyst Christian Obst. Zum operativen Ergebnis des Industrieriesen werde der Verkauf kaum beitragen.

Xervon stellt mit 9000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 670 Millionen Euro nur einen kleinen Teil des Essener Konzerns da. Die Sparte stand schon seit langer Zeit auf der Verkaufsliste. Insgesamt beschäftigt Thyssen Krupp 180.000 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2009/2010 42,6 Milliarden Euro um.

Vorstandschef Hiesinger hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, sich von Konzernteilen mit einem Umsatz von insgesamt zehn Milliarden Euro trennen zu wollen. Mit dem Umbau will der ehemalige Siemens-Manager die Gewichte im Konzern verschieben und erreichen, dass ThyssenKrupp nicht mehr als reiner Stahlkonzern wahrgenommen wird. Dazu will Hiesinger die Technologiesparte ausbauen und sich auch von der traditionsreichen Edelstahlsparte trennen.

Bisher wurden zum Beispiel der Bereich Metal Forming - mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und 5700 Beschäftigten - und der US-Gerüstbauer Safway verkauft. Nachdem der Verkauf der Werftensparte Blohm+Voss nach Abu Dhabi gescheitert war, ist ThyssenKrupp nun erneut auf der Suche nach einem Investor.

Remondis sieht Xervon als perfekte Ergänzung

Die noch ausstehenden Verkäufe hält Analyst Obst allerdings für viel relevanter als das Xervon-Geschäft. Besonders interessant sei, was mit dem Edelstahlgeschäft passieren wird. In diesem Bereich ist Thyssen Krupp Marktführer in Europa. "Hinzu kommt, dass Thyssen Krupp eine zu komplexe Struktur hat. Durch die Verkäufe wird es jetzt übersichtlicher", sagt Obst. Das sei langfristig sinnvoll fürs Wachstum.

Xervon ist spezialisiert auf technische Dienstleistungen zur Errichtung und Instandhaltung von Industrieanlagen. Remondis ist das weltweit größte Unternehmen in der Wasser- und Kreislaufwirtschaft.

Xervon sei eine perfekte Ergänzung, sagte Remondis-Vorstand Thomas Breitkopf. Sein Unternehmen ist in 28 Ländern vertreten. Die rund 19.000 Beschäftigten erzielten zuletzt einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro.

mit Material von reuters und dpa
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