Investitionen Deutsche Wirtschaft will Libyen beim Wiederaufbau helfen

Der DIHK und der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft sehen gute Chancen für Investitionen in Libyen nach dem Ende der Kämpfe. Die BASF-Tochter Wintershall rechnet damit, dass die Öl- und Gasförderung schnell wieder anlaufen kann.
Freude in Tripolis: Die Planung für den Wiederaufbau beginnt

Freude in Tripolis: Die Planung für den Wiederaufbau beginnt

Foto: Sergey Ponomarev/ AP

Berlin - Die deutsche Wirtschaft hat Libyen stärkere Investitionen in Aussicht gestellt. "Bei stabilen politischen Rahmenbedingungen sehe ich gute Chancen für das Engagement deutscher Unternehmen in Libyen", sagte der stellvertretende Bereichsleiter Internationales des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. Chancen böten sich vor allem beim Ausbau der Infrastruktur. "Die ist - gemessen am Reichtum des Landes - unterentwickelt", sagte Neugart.

Auch der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft macht sich für Investitionen in dem Land stark, das nach dem Einzug der Rebellen in der Hauptstadt Tripolis vor einem Machtwechsel steht. "Wir werden unsere Mitgliedsunternehmen dazu aufrufen, sich dort zu engagieren und den Wandel zu unterstützen", sagte Geschäftsführer Hans Meier-Ewert.

Dem Verein zufolge sind etwa 100 deutsche Firmen in Libyen aktiv, darunter Siemens, Wintershall und REW Dea. "Die meisten Anlagen stehen unversehrt da", sagte Ewert. "Sie können in zwei, drei Wochen wieder hochgefahren werden."

Auch die Politik kündigte eine intensive Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau Libyens an. "Es ist erfreulich, dass Muammar al-Gaddafi seine politische Macht verloren hat", sagte Merkel am Montag bei ihrem Besuch in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. "Jetzt beginnt der Wiederaufbauprozess in Libyen und der Prozess der Bildung demokratischer staatlicher Strukturen." Dabei würden die internationale Staatengemeinschaft und Deutschland intensiv mitarbeiten.

Wintershall hält eine schnelle Rückkehr für möglich

Die Öl- und Gastochter Wintershall des Chemieriesen BASF zum Beispiel könnte innerhalb kurzer Zeit ihre Ölförderung in Libyen wieder aufnehmen. "Grundsätzlich könnte die Produktionsaufnahme unter gängigen technischen Bedingungen innerhalb von einigen Wochen erfolgen", erklärte ein Sprecher des Kasseler Unternehmens am Montag. Dies sei aber insbesondere abhängig vom Zustand der Exportinfrastruktur sowie von einer stabilen Sicherheitslage im Land. Ob es bereits Gespräche mit den Rebellenführern gibt, sagte der Sprecher nicht. Wintershall gilt in Libyen als gut vernetzt.

Zurückhaltender ist der österreichische Baukonzern Strabag. Er hält sich eine Rückkehr nach Libyen offen. Derzeit beobachte das Unternehmen die Lage und wolle zu gegebener Zeit entscheiden, ob es wieder in dem Land tätig sein werde, sagte eine Sprecherin. Eine Entscheidung dazu könne es möglicherweise im Herbst geben.

Nach dem Beginn der Unruhen hatte Strabag alle Baustellen in Libyen eingestellt und seine Beschäftigten abgezogen. Dadurch waren Projekte im Wert von rund 350 Millionen Euro weggefallen.

reuters/dpa
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