Umstrittener Bahnhofsbau Bahn vergibt Millionen-Aufträge für Stuttgart 21

Zuerst zeigte sich die Bahn-Führung überrascht, nun schwenkt sie auf Ablehnungskurs: Der verblüffende Bahnhofs-Vorschlag von Heiner Geißler für Stuttgart findet keine Unterstützer. Die Bahn vergibt nun millionenschwere Bauaufträge, Verkehrsminister Ramsauer hält nichts von Geißlers Kompromiss.
Bahnhof in Stuttgart: Die Bahn vergibt nun Millionenaufträge für den Bau des unterirdischen Bahnhofs

Bahnhof in Stuttgart: Die Bahn vergibt nun Millionenaufträge für den Bau des unterirdischen Bahnhofs

Foto: Thomas Niedermueller/ Getty Images

Stuttgart - Trotz des Kompromissvorschlags von Schlichter Heiner Geißler bei "Stuttgart 21" macht die Deutsche Bahn Nägel mit Köpfen: Der Konzern vergab am Samstag Bauaufträge im Volumen von über 700 Millionen Euro, wie Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte. Während Geißler seine Idee eines kombinierten Kopf- und Tiefbahnhofs verteidigte, lehnt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sie ab.

Am Freitag war der Stresstest für den in der Bevölkerung heftig umstrittenen geplanten neuen Tiefbahnhof vorgestellt worden. Im Zuge dieser Präsentation schlug der bereits zuvor als Schlichter tätige frühere CDU-Politiker Geißler vor, den Nahverkehr überirdisch in einem verkleinerten Kopfbahnhof abzuwickeln und nur den Fernverkehr unterirdisch fahren zu lassen. Dies soll laut Geißler erhebliche Ersparnisse einbringen.

Nachdem Kefer am Freitag zunächst überrascht auf den Geißler-Vorschlag reagiert hatte, zeigte er sich nun in der "FAS" ablehnend. "Ich weise darauf hin, dass wir für Stuttgart 21 über die nötigen Planfeststellungs-Beschlüsse und einen rechtskräftigen Finanzierungsvertrag verfügen. Dies gibt es für keine andere Idee, auch nicht für die von Dr. Geißler."

Mit den Bauaufträgen, welche die Bahn am Tag nach dem von Umbaukritikern als unzureichend abgelehnten Stresstest geschlossenen hat, ist laut Kefer bereits ein großer Teil der Arbeiten vergeben worden. "Damit wären 25 Prozent des Gesamt-Bauvolumens von Stuttgart 21 vergeben. Um zu verdeutlichen, wie ernst es uns ist: Die Vergabe ist erfolgt", betonte Kefer.

Bahn beharrt auf Baurecht

Der Konzern beharre auf seinem Baurecht, sagte Kefer. Die für November von der grün-roten Landesregierung geplante Volksabstimmung wolle der Konzern ebenfalls nicht abwarten: "Wir werden natürlich weiterbauen. Wir werden völlig unaufgeregt dieses Projekt fortführen, so wie es notwendig, sinnvoll und richtig ist".

Diese Linie der Bahn unterstützt Ramsauer. Er appellierte in der "Passauer Neuen Presse" (Samstagsausgabe) an alle Beteiligten, das Bahnhofsprojekt voranzutreiben. Das gelte für das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, die Deutsche Bahn, den Regionalverband und die Flughafengesellschaft gleichermaßen. "Die gemeinsam festgelegten Spielregeln müssen eingehalten werden", forderte Ramsauer.

Ramsauer sagte, er halte wenig vom Geißler-Vorschlag. Dieser sei nichts Neues, sondern eine "uralte Variante, die vor vielen Jahren bereits schon einmal verworfen wurde".

Geißler verteidigte seinen Vorschlag im SWR gegen die Kritik. Die Lage sei so ernst, dass nun nicht die "Betonköpfe" das Wort ergreifen sollten. "Man sollte jetzt noch mal nachdenken." Das, was er vorgeschlagen habe, sei absolut machbar. "Es ist billiger und zweimal besser", sagte Geißler.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte im Deutschlandradio Kultur, die Bahn müsse das finanzielle Risiko bei der Vergabe selbst tragen. "Wir haben der Bahn klar gesagt: Wenn die Kosten steigen, zahlen wir nicht mehr. Und wenn es gegen Stuttgart 21 ausgeht, dann trägt die Bahn allerdings, wenn sie jetzt Vergaben macht, das volle Risiko", sagte Kretschmann. Er verwies darauf, das erst die Volksabstimmung die Entscheidung bringen werde. "Und das Volk hat das letzte Wort."

wed/afp
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