Aktienrückkauf Vossloh wappnet sich gegen Angreifer

Der schwächelnde Verkehrstechnikkonzern Vossloh wappnet sich gegen einen möglichen Angreifer. Der Vorstand will eigene Aktien einziehen und darüber hinaus weitere Aktien zurückkaufen. Das Rückkaufprogramm würde mehr kosten als der Konzern im vergangenen Jahr verdient hat.
Will sich nicht aus der Spur drängen lassen: Der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh fürchtet eine Übernahme und startet deshalb ein bemerkenswertes Aktienrückkaufprogramm

Will sich nicht aus der Spur drängen lassen: Der Verkehrstechnik-Konzern Vossloh fürchtet eine Übernahme und startet deshalb ein bemerkenswertes Aktienrückkaufprogramm

Düsseldorf - Der ins Visier von Knorr-Bremse-Eigner Heinz Hermann Thiele geratene Bahntechnikkonzern Vossloh  greift im Kampf um die Vorherrschaft zu harten Bandagen. Der Vorstand beschloss am Dienstag, 1,5 Millionen eigene Aktien (9,94 Prozent) aus einem früheren Rückkaufprogramm einzuziehen.

Zudem sollen bis zu 10 Prozent von den dann noch 13,3 Millionen Papieren erworben werden, wie Vossloh mitteilte. Beim aktuellen Kurs von rund 90 Euro würde sich Vossloh den Kauf rund 117 Millionen Euro kosten lassen - mehr als der Konzern im vergangenen Jahr verdiente.

Die geplanten Maßnahmen des Vossloh-Vorstandes erschweren es potenziellen Angreifern, auf dem Markt genügend Anteilsscheine einzusammeln und damit entscheidenden Einfluss zu erlangen.

Zudem dürften sich die Aktien verteuern, allein schon vor dem Hintergrund eines möglichen Übernahmekampfes. Am Dienstag notierten sie bereits 2,2 Prozent im Plus bei 90,10 Euro und gehörten damit zu den größten Gewinnern im MDax. "Das Angebot an Aktien wird durch das Rückkaufprogramm verknappt, und da neben Thiele nun auch Vossloh für die Papiere bietet, dürften nun immer mehr Anleger ihren Fokus auf die Scheine richten", sagte ein Händler.

Thiele war im Frühjahr bei Vossloh eingestiegen und hält inzwischen mehr als 15 Prozent. Er hatte am Montag angekündigt, in den kommenden zwölf Monaten weitere Anteile erwerben zu wollen. Er strebe ein "langfristiges strategisches Engagement" an. Offen blieb aber, ob der Unternehmer eine Übernahme des Bahntechnikkonzerns plant.

Streubesitz fällt, Anteile der Aktionäre steigen

Durch den Einzug der Anteilsscheine verringert sich der Streubesitz und die Anteile der Aktionäre am Unternehmen steigen, bei Thiele auf über 17 Prozent, bei den Konzern-Erben auf knapp 34 von derzeit 31 Prozent. Diese hatte bislang keine Ambitionen gezeigt, sich von ihren Anteilen trennen zu wollen.

Thiele verfügt derzeit über rund 2,3 Millionen der Stimmrechte. Eingestiegen war der Unternehmer im März bei einem Kurs von rund 95 Euro. Nach der gekappten Jahresprognose sank der Wert auf rund 82 Euro, was Thiele zu weiteren Zukäufen nutzte. Bislang hat er sich sein Engagement bei Vossloh rund 200 Millionen Euro kosten lassen.

Vossloh-Geschäft läuft derzeit nicht rund

Der seit Jahren von Rekord zu Rekord eilende Konzern aus dem sauerländischen Werdohl musste zuletzt wegen Projektverzögerungen in China und Russland wie auch schwacher Geschäfte in Südeuropa seine Prognosen für 2011 und 2012 kassieren.

Firmenchef Werner Andree rechnet nun in diesem Jahr mit einem Rückgang des Umsatzes auf 1,25 (Vorjahr: 1,35) Milliarden Euro und des operativen Gewinns auf 120 bis 130 (152,1) Millionen. Am Mittwoch wird der Konzern über die Entwicklung im zweiten Quartal berichten. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch von mehr als 40 Prozent.

rei/reuters

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