Gutachten Stuttgart 21 besteht Stresstest

Der sogenannte Stresstest der Deutschen Bahn für das umstrittene Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" hat nach Ansicht der Schweizer Gutachterfirma SMA die von der Schlichtung gestellten Anforderungen offenbar erfüllt. Die Bahn vergibt bereits Aufträge, doch der Streit um das Projekt geht weiter.
Bauprojekt Stuttgart 21: Die Bahn vergibt bereits Aufträge

Bauprojekt Stuttgart 21: Die Bahn vergibt bereits Aufträge

Foto: Bernd Weissbrod/ dpa

Berlin - Die entscheidenden Sätze in dem mehr als 200 Seiten langen SMA-Gutachten lauten den Angaben der Nachrichtenagentur dapd zufolge: "Unsere Prüfung der Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit dem der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können. Die vom Schlichter geforderten anerkannten Standards des Eisenbahnwesens sind eingehalten."

Der Schlichter Heiner Geißler hatte Ende vergangenen Jahres die Forderungen und Ansprüche von Befürwortern und Gegnern des bisher auf 4,5 Milliarden Euro geschätzten Bahnhofsprojekts in der Anweisung an die Bahn zusammengefasst, einen Leistungstest vorzulegen. Danach sollte simuliert werden, ob der umstrittene Neubau eines Durchgangsbahnhofs unter der Stuttgarter Innenstadt in der morgendlichen Berufsverkehrszeit 30 Prozent mehr Kapazität bringt als der bisherige Kopfbahnhof.

Vor einigen Wochen hatte die Bahn ihre Computersimulation beendet und war zu dem Ergebnis gekommen, dass "Stuttgart 21" mindestens diese Anforderungen erfüllen könnte.

Konflikt um Projekt droht wieder aufzubrechen

Der Konflikt von Gegnern und Befürwortern des Bahnprojekts droht unterdessen wieder aufzubrechen. Das Aktionsbündnis gegen "Stuttgart 21" sagte am Donnerstag seine Teilnahme an der geplanten öffentlichen Vorstellung des Leistungstests ab. Die Sprecher der Gegnerorganisation, Brigitte Dahlbender und Hannes Rockenbauch, sagten, dass man für "eine reine Schauveranstaltung" nicht zur Verfügung stehe. Das, was die Bahn vorgelegt habe, habe nichts mit einem Leistungstest zu tun.

"Stuttgart 21"-Sprecher Wolfgang Dietrich bedauerte das Ausscheiden des Aktionsbündnisses. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) bemängelte, die Gegnerorganisation mache sich unglaubwürdig. Auch Schlichter Heiner Geißler kritisierte, die Entscheidung sei "falsch". Trotz der Absage der "Stuttgart 21"-Gegner soll das sogenannte Stresstest-Gutachten am Dienstag (26. Juli, ab 11.00 Uhr) im Stuttgarter Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt werden, wie Geißler sagte.

Das Aktionsbündnis warf der Bahn vor, den Geist der Schlichtung verlassen zu haben. Da nicht mehr auf Augenhöhe debattiert werde, wie in der Schlichtung vereinbart, müsse man "mit großem Bedauern" aus dem Dialog aussteigen.

la/dapd
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